Hitlers Geburtstag

April 20, 2009

Mal wieder begehen wir einen Tag, der ähnlich der Bildzeitung, Mc Donald oder öffentlicher Toiletten erstaunlich populär ist, auch wenn niemand offiziell liest, isst, benutzt oder die Reichsfahne hisst. Doch jeder redet darüber, natürlich nicht, ohne vorher den Finger – Achtung: nicht versehentlich den ganzen rechten Arm – schulmeisterlich zu heben und seiner Abscheu diesem Tag gegenüber Ausdruck zu verleihen. Schön, wenn Traditionen und einstige Ehrentage auf solche Art im kollektiven Bewusstsein bleiben, denn wirklich geschichtlich bewanderte und politisch sensible Menschen würden statt betroffen zu reden, wissend schweigen und ja, auch das wäre möglich, ein spannenderes Datum kennen als ausgerechnet des Führers Wiegenfest. Wann zum Beispiel wurden Goethe, Karl Marx oder Albert Einstein geboren? Oder Angela Merkel, Obama oder Bin Laden? Letzterer wäre es doch wert, hinter vorgehaltener Hand und voller Abscheu alljährlich wieder ein Kerzlein auf den Gabentisch gestellt zu bekommen, politisch korrekt erneut mit dem erhobenen Zeigefinger, diesmal aber dem der linken Hand, denn die ist unrein und so bäh wie Bin Laden auch. Kaum zu glauben hierbei, dass sich schwangere Mütter, die als kugelrunder Bauchnabel der Welt selbst zum Ausbund diktatorischer Intoleranz werden, sorgen, ihr Kind könnte ausgerechnet am bekanntesten deutschen Untag das Licht der Welt erblicken. Damit, so fürchten sie wohl, könnte das kalendarisch stigmatisierte Kind an die Schatten der Vergangenheit anknüpfen, die von den missionarischen Geschichtslaien Jahr für Jahr aus der Gruft gezerrt werden, um dem zu gedenken, der längst vergessen gehört. Unsere beim Schreiben ihres Windelblogs vermutlich schon in den Wehen liegende Blogmutti hatte auf minder vergnügliche Art und Weise den mahnenden Auftrag eines weitverzweigten und historisch interessierten Freundeskreises, Ihr Kind doch bitte schön nicht am Tag des „dessen Namen nicht genannt werden Gedurften“ auf die Welt zu bringen. Notfalls ließ sich das auch schnell und schmerzlos mittels Kaiserschnitt verhindern oder eben mal alle Öffnungen zu pressen. Was einer Empfängnis vorbeugend noch sinnvoll gewesen wäre, stellt sich aber bei dem Wunder der Geburt als weniger tragfähiges Konzept dar, weshalb ich vorschlage, den August zur geschlechtsverkehrsfreien Zeit zu erklären, um zu verhindern, das jemals wieder in der Geschichte des Abendlandes von deutschem Boden April Geburten ausgehen. Allerdings sind da Schulferien, wo in der Regel eh nur Teenager poppen, denen Urgroßdeutsche mit Schnauzer und Seitenscheitel am Allerwertesten vorbeigehen.

Miez-Blog

artwork

Ballmanns Leiden

Januar 30, 2009

Vor Gericht soll man wie auf hoher See allein in Gottes Hand sein. Dann sind mit den drei in Deutschland bekannten Instanzen vermutlich die drei Weltreligionen gemeint, wobei man sich noch streitet, welches Symbol an den Wänden der Bundesgerichte hängen soll. Doch spätestens seit der Europäische Gerichtshof mit seiner Rechtsprechung für manch kopfschüttelbedingtes Halswirbeltrauma sorgte, fragt man sich, welche Legitimation dieser habe. Den Buddhismus, schreien Christel Schmidt und Schultz-Hoff, doch von Erlösung ist man in Luxemburg weit entfernt. Also doch eine Naturreligion, deren Anhänger staunend vor Blitz und Donner und falsch gekrümmten Speisegurken auf die Knie gehen? Doch dort befindet sich bereits der Heilige Vater und küsst gegenwärtig den afrikanischen Boden, so er denn noch ein Stück Erde vor lauter schnaxelnden Negern (Zitat: Gloria von Turn und Taxis) findet. Da wiegt es wenig, dass es auch noch ein eigenes Kirchengericht gibt, das in schöner Regelmäßigkeit den Kondom tragenden Katholiken als Sündebock für das Elend auf der Welt geißelt.

Im Hinblick darauf wiegen die Alltagsfälle auf dem heute besprochenen Richter-Blog weit weniger schwer und dienen höchstens einem Vaterunser als einer gänzlich neuen Religion. Dennoch menschelt es dort, dass es eine Freude ist. Im Namen des Volkers werden Gerichtsfälle und juristische Alltäglichkeiten zur Diskussion gestellt, des Volkes Bauchgefühl herausgefordert und gezeigt, dass Recht nur selten etwas mit Gerechtigkeit gemein hat. Ebenso wenig wie mit journalistischer Berichterstattung über die Folgen der Gewaltenteilung und Interpretation der Ergebnisse von Legislative und Judikative. Hier krümmt sich des Juristen Fußnagel und lässt uns Zeitungswissen mit gänzlich neuen Augen sehen. Unbildung wäre oft besser als Halbbildung oder das, was man in Zeitungen zu lesen bekommt. Das kumuliert anschließend mit zahlreichen Kommentaren diverser Justiz-Opfer oder -Täter, wobei letztere, im allgemeinen Sprachgebrauch Anwälte genannt, auch gern Antworten abladen, die nicht zwingend zur gestellten Frage passen, doch dass ist ein Richter ja gewöhnt.

Für die übrigen Leser ist es ein schöner Einblick in die manchmal unfreiwillig unterhaltsame, manchmal tragische Alltagswirklichkeit eines Richteramtes, das von allem unabhängig ist, nur nicht von der Dummheit derer, über die es zu Gericht sitzt.

 

Richter Blog

 

artwork

 

Blogs zu den Themen Kochen und Essen sind nicht häufig, sondern bald schon inflationär. Zwar liegen diese noch hinter Tagebucheinträgen zum eigenen oder fremden Sexualverhalten, Kindergeschrei und Windelwechseln oder der Seuche technischer Berichterstattung irgendwelcher todlangweiliger Nerds, doch wo die Atmung noch funktioniert wird auch gegessen und gekocht. Verständlich dabei ist, dass wegen verbreiteter Fastfoodneigung durch bloßes Auftauen von Speisen oder Einrühren gefriergetrockneter Pulver in heißes Wasser noch ausreichend Zeit bleibt, darüber auch zu bloggen. Zusätzlich werden Rezepte auf blumenverzierten Hausfrauenseiten ebenso gepostet wie professionelle Tipps aus den noblen Küchen dieser Welt. Was also lag näher, als dass die Hersteller von Lebensmittelersatzstoffen, besser als Fertignahrung bekannt, ihre Produkte als den Kochtipp des Tages getarnt anpreisen. Dass sie dieses nun auch in Blogs machen, ist ein eher verständliches Übel. Der heutige Bloglink zur Firma FRoSTA lässt uns zusätzlich in die Firmenkorrespondenz blicken und ermüdet durch naiven Leserbriefmuff, dessen Authentizität im Nebel seriösen Firmenmarketings verbleibt. Ebenso, dass per Weisungsrecht des Arbeitgebers auch noch jeder Mitarbeiter zum Schreibtischtäter verdammt wird, damit er seinen unmaßgeblichen Beitrag zum Firmenwachstum bloggen soll. Auf ähnlichem Niveautiefstand finden deshalb sich Einträge zur Eröffnung eines Bürobistro’s, spricht einer bei Tchibo geramschten Mikrowelle und entsprechendem Fertigpamps. Fertig ist die Edelküche für das Versicherungsbüro Meier&Schulz in Wanne Eickel oder anderswo. Da schmeckts, da sind die Menschen fröhlich, wenn auch mit den Blutfettwerten, die sich unser Gesundheitssystem wünscht, denn sterben ist finanziell spannender als behandeln.

Für die Menschen mit ganz viel Zeit und Internetanschluss bietet FRoSTA, als Blogger des Tages, zusätzlich die Möglichkeit, die farbenfroh gestalteten Fantasiebilder auf den Produktverpackungen zu bewerten. Würde der Esser das aufgetaute Ergebnis des verpackten Marketingtricks kommentieren, fürchtete ich um den gesuchten Werbeeffekt, der allerdings auch bei dem hier vorgestellten Blog fraglich bleibt. Da überrascht es nicht, wenn sich FRoSTA an prominenter Textstelle fragen lässt, weshalb sie nicht aggressiver werben. So viel Qualität muss in die Hirne und Mägen der Menschen geprügelt werden. Dennoch gehört FRoSTA zu den Guten, verlinken sie doch, wie ich hoffe, selbstironisch auf eine Internetseite, wo man den Lebensmittelhersteller seines Vertrauens überprüfen und die dreisteste Werbelüge wählen kann. Respekt, so viel Ehrlichkeit ist mir einen tiefgekühlten Tagebucheintrag wert.

 

Feinfrost Blog

 

artwork

 

windbeutel1

 

Da suchen sie wieder im gefühlten 100sten Jahr der auf den Hund gekommenen Fernsehunterhaltung nach Deutschlands Superdepp mit Arsch und Stimme, breiter Brust oder zwei davon und ein bisschen verrucht, damit’s dem Dieter den Vogel raus haut und er zum Recall bläst, besser blasen lässt. Die Frischzellkur im Grand Hotel mit Susi Schmitt von der Supermarktkasse und Erkan Krause aus dem Jugendknast, für die die Bretter der (Musik)Welt nicht nur die Erfüllung von Sozialauflagen, sondern auch mindestens für 7 Staffeln Endausscheidung DSDS ein warmes Mittagessen versprechen, läuft wieder. Und ausgeschieden wird da eine Menge halbverdauerter Wahrheiten über den sozialen Niedergang des Landes und die Art, Programmgestaltung fern von Respekt und Interesse zu betreiben, aber auch von Tönen, die die Welt weder hören, geschweige denn sehen müsste, wäre nur Fremdschämen nicht so schön. Willkommen im TV-Zoo mit den bedauernswerten Hoffnungsträgern der deutschen Plattenindustrie, die notleidend sich an jeden Strohhalm klammert, auch wenn dieser weder Freunde noch einen Spiegel zu Hause zu haben scheint, denn anders lassen sich einzelne Kandidaten und deren Selbstwahrnehmung beim Casting um Deutschlands kommerziellste Stimme nicht erklären. Grand Canyon Bohlen und austauschbare Jurystaffage lassen die Löwen los und sehen den Grenzerfahrungen einzelner Zeitgeistsklaven im lauschigen Resopalambiente der DSDS-Casting-Arena zu und heben oder senken den Daumen je nach Regieanweisung aus dem Off, denn mancher Kandidat ist so peinlich, dass er der Einschaltquoten wegen unbedingt ein zweites Mal dem Volk vor die Füße geworfen werden muss. Von Volksmusik bis zum Nachsingen bereits unbekannter oder unidentifizierbarer Popfetzen reicht die stimmlich meist dünne Bandbreite der zu castenden Schlaganfallpatienten. Es sind nicht die berühmten 15 Minuten, um die hier die Opfer gelangweilter Mediennutzer buhlen, sondern der Kick, den weder GangBangs auf Homeparties noch Klebstoff aus Polen vermitteln können, und auch Mutti ist so ergriffen vom Talent ihres Nachwuchses, dem zwar die Schule keinen Spaß macht und eine Ausbildung egal ist, aber dieser Auftritt die Türen raus aus HartzIV in die Welt der Schönen, Reichen und Koksbesitzer öffnen soll, wo Mutti dann in der Popstar-Villa putzen kommen darf. Damit ist DSDS eine wichtige soziale Stütze unserer Gesellschaft und sollte regelmäßige Bußgeldzahlungen von Staatsanwältinnen, deren Töchter auch gern mal Herrn Bohlen einen blasen, äh singen wollen, zugewiesen bekommen. Wer die singenden Helden der Fußgängerzonen, Gemeinschaftsduschen im Stadtbad oder deutschen Ausnüchterungszellen sind, erfahrt ihr im:

 

DSDS Blog

 

artwork

 

Denk mal drüber nach

Januar 21, 2009

Etwas Elementares kommt meines Erachtens in letzter Zeit immer kürzer, nämlich der einst gute Brauch, sich über etwas Gedanken zu machen. Egal ob es sich dabei um das Unwort des Jahres der „notleidenden Banken“, die Fallhöhe des neuen Messias Barack Obama oder die Frage, ob sich Minderjährige beim Verschenken eigener Nacktbilder der Kinderpornografie schuldig machen, handelt. Letzteres wurde in den USA bereits ausgeurteilt und droht nach jüngsten EU-Plänen auch bald in Deutschland zum bisherigen Tiefstand vernünftiger Gesetzgebung zu werden, macht man sich darüber mal Gedanken. Wer kann sich noch an die SPD erinnern? Für die noch im letzten Jahrhundert Geborenen war es einst eine Volkspartei mit dem Herzen auf dem rechten Fleck, also der linken Brustseite. Da dieses Gleichnis bereits Kopfschmerzen beim sich darüber Gedankenmachen bereiten kann, kam man überein, die SPD für entbehrlich zu erklären, hat ihr Kurt Beck und irgendeine Ypsilanti zur Seite gestellt, um spätestens zur nächsten Bundestagswahl sicher zu gehen, diesem Überbleibsel gewerkschaftlich verseuchten Klassenkampfes das Lebenslicht auszublasen. Der Vollstrecker heißt „5 Prozent Hürde“ und die Erben sind FDP, die Autopartei und die Al Qaida, deren Regierungsbeteiligung jedoch nicht vor 2017 geplant ist. Und es gibt noch mehr Themen, die ein Nachdenken lohnen, wenn nicht gerade etwas im Fernsehen kommt, was spannender als die „Next-Uri-Geller-Show“ ist. Da das aber bereits bei den morgendlichen Webcamera-Aufnahmen der Dritten Programme der Fall ist, gehen Themen wie die Bischofsweihe revisionistischer Kirchgänger ebenso unter wie die spannende Frage, ob ein Staat pleite gehen kann? Die Antwort verlor sich im allgemeinen Jubel über die Abwrackprämie der Zeugnisse damals noch deutscher Wertarbeit, als Frau Merkel (Achtung Kinder: das ist die Bundeskanzlerin und keine HartzIV Empfängerin aus der Serie „Unter uns“) in ihrem newsblog kleinlaut mitteilte: „Yes he can!“. Gut also, dass dieser Staat seine Notgroschen zinsfrei bei den notleidenden Banken anlegt, die ihm das Geld für weitere Konjunkturprogrammen zB. für die Autozulieferindustrie gegen eine entsprechende Gebühr zur Verfügung stellen. Das ist der Kreislauf, den man sich schon immer im Lokal gewünscht hat: „Herr Ober, bitte zahlen, aber bitte keine großen Scheine, ich kann nicht rausgeben…“.

Wem hiervon noch nicht der Kopf raucht oder bei wem der Fernbedienung die Batterien fehlen, kann auf Andis nachdenklichem Blog ein paar mehr Themen finden, die in der wöchentlichen Singgruppe oder im Chatroom zum Austausch minderjähriger Nacktbilder nichts zu suchen haben, aber zum Gedanken machen reizen.

 

Gedanken Blog

 

artwork

 

das Runde ins Eckige

Januar 18, 2009

Die Winterpause nähert sich ihrem Ende und nicht nur der WSV startet, sondern auch der DFB mit der Bundesliga pünktlich zum ersten Schneefall Ende Januar zumindest in München und nur dort spielt die Musik, wenn man mal Exoten wie Hoffenheim außer Betracht lässt. Ja, des Mannes liebste Form, sublimierten homosexuellen Neigungen ungestraft frönen zu können, wenn er seinem Nebenmann im Stadion mit Tränen in den Augen um den Hals fällt, beginnt. Egal, ob seine Mannschaft den Klassenerhalt gerade noch erreicht oder soeben verspielt hat. Anders auch hier in München, wo man über den ich-habe-vergessen-wievielten Meistertitel zwischen zwei Schlücken Prosecco dezent in die Hände klatscht. So bekommen Manndeckung und Ballspiel ganz neue Dimensionen, auch wenn eine Viererkette keine sportliche Variante eines GangBang unter der Mannschaftsdusche ist. Ja, da kreisen sie wieder, die Tipps der wochenendlichen Spieltage, zu den Trainer- und Spielerwechseln, welcher Sponsor wann Pleite macht oder seinen Club gegen eine Jacht tauscht und wer schließlich Meister der Herzen wird, wenn München wieder die Schale holt. Ich tippe mal auf Schalke, was mir nicht als Boshaftigkeit, sondern schlichte Schadenfreude ausgelegt werden darf. Ehefrauen zittern um ihr Haushaltsgeld, wenn der ach so sichere Tipp bei oddset, dem staatlich legitimierten Suchtportal, keine Quote brachte, oder in übel beleumundeten Hinterhöfen die Zahnversicherung der Kinder gegen einen in Kroatien gedruckten Spielschein getauscht wird. Es ist die Hoffnung auf das letzte bisschen Privatsphäre des durch Östrogen im Trinkwasser geschwächten Mannes, sein Refugium, wo er der Bundestrainer ist und nach der Bierflasche rufen kann, ohne dass gleich wochenlang der Haussegen schief hängt und das Bett kalt bleibt, denn seine Frau hört das Rufen nicht. Sie ist in der Premiere Sportsbar und schaut Eiskunstlaufen, denn seit dort Rauchen verboten ist und das Bier nicht mehr schmeckt, bleibt mann unter sich und daheim. Dort fällt es auch nicht auf, wenn er heimlich auf DSF umschaltet, um sich vom müden 0 : 0 seiner fußlahmen Lieblingskicker abzulenken und denen zuzuschaut, die wissen, wie sie Weltmeister werden, nämlich den deutschen Fußballfrauen. Mit Vorfreude auf deren Sommermärchen 2011 wünsche ich allen 11 Freunden eine gute Rückspielsaison und empfehle den ultimativen Fußballblog, der auch außerhalb englischer Wochen nicht nur am Wochenende die schönste Nebensache der Welt zum Hauptthema macht.  

 

manndeckung   Taktik Blog

 

artwork

 

Zeitenklau beim Datenstau

Januar 15, 2009

Ist es das Gesetz der Hardwareindustrie oder schlicht Murphys Law, dass pünktlich mit dem Auslaufen der Garantie nicht nur der Akku eines jeden Laptop Schrott ist, sondern auch die Festplatte kaum noch einen Ruck macht, versucht man ein Programm zu öffnen, während ein anderes gerade schließt, was Minuten dauern kann. Einfachste Vorgänge im Zeitalter von Giga- und Terrybytebewegungen auf Kreditkarten großen Musikabspielgeräten dauern am heimischen PC von der Größe eines Reisekoffers nach wenigen Monaten länger als es früher zum Laden der C64 Spiele vom Tapedeck brauchte. Willkommen in der Steinzeit. Steinzeitlich auch die immer nervendere Eieruhr, die sich gefühlte Jahre an Lebenszeit vor den müden Augen des PC Nutzers dreht und ihn für seine Naivität, doch wieder Windows gekauft zu haben, verhöhnt. Ein gutes Frühstücksei braucht je nach Geschmack und Präferenz für Schlonz 4 bis 6 Minuten, doch kein PC Vorgang eines durchschnittlichen Word-Briefeschreibers und Minesweeperspielers sollte diese Äonen an Rechenzeit verschlingen. Und dennoch tun das Rechner und keines der mitgelieferten Monopolisten-Programme schafft Abhilfe oder wenigstens Aufklärung, wo Grund und Übel oder Datenstau und Zeitdehnung zu suchen und zu vernichten sind. Stattdessen gesellt sich gern zu der bereits verfluchten Eieruhr dieser sinnfreie Fortschrittsbalken, dessen Name schon Grund genug für den Axtschlag in den Bildschirm sein sollte. Das ist dieser meist farbige Strich, der – gern ergänzt um fiktive Prozentzahlen – den Fortschritt der Datenbearbeitung oder –freigabe, der Downloadmengen oder Installationszeiten angeben soll. Ich mutmaße ja, dass dieses geniale Instrument den Nutzer eher vom finalen Vernichtungsschlag gegen den endlos rechnenden (Was?) Computer und die Kaffeemascheinen artig schrammelnde Festplatte abhalten soll, getreu dem Motto: Tue mir nichts, ich arbeite doch. Ich empfehle Stecker ziehen und mal wieder ein Buch lesen oder auf der heutigen Blogempfehlung nach einem freeware Programm suchen, dass nicht nur Microsoft in die Tasche steckt, sondern ganz nebenbei und ohne Fortschrittsbalken meinem PC den Keller räumt, den Dachboden leert und das Haus wischt. Dafür danke ich und empfehle den

freeware Blog

artwork

die magische Langeweile

Januar 12, 2009

Müde bin ich, geh zur Ruhe, mache beide Augen zu. Damit könnte eine Rezension über die zweite Staffel der „The Next Uri Geller Show“ beendet und umfänglich besprochen sein. Doch es war viel schlimmer. Hätte es nicht wenigstens einer der selbsternannten Mentalisten vorhersehen können, dass dieses Sendeformat von keinem außer den Teilnehmern und müden Rezensenten geschaut wird? Das wäre ein echter Kandidat für den nächsten Uri Geller Löffelbieger gewesen, was mir und vor allem den Betreibern des heutigen Blogfundstückchens eine Menge Lebenszeit erspart hätte. Stattdessen quälen sich und uns die Kandidaten vom Format des Hausmeisters an meiner Grundschule durch eine Reihe von Karten- und Wahrsagetricks, die zu Houdinis Zeiten schon einen Bart hatten und höchstens kleine Kinder hinters Licht geführt hätten. Unbekannte C-Promis als ähnlich müde Staffage ergänzen dieses Trauerspiel um den einzigen Menschen, der dadurch berühmt wurde, dass keiner glauben konnte, er wolle mit verbogenem Besteck die Welt beeindrucken, Uri Geller. Diese Idee war so armselig, dass man ihn in die sonst noch leeren Sendeformate in den Anfängen privater Fernsehunterhaltung einlud, wo anderenfalls Hugo Egon Balder Titten gezeigt hätte. Zum Glück waren diese lausigen Zeiten bald vorbei und Verbraucherinformationen spannender als Uri Gellers Peinlichkeiten. Leider erreichte mit der Klingeltondownloadwerbung auch das Fernsehen eine Niveautiefe, dass selbst Uri Geller eine zweite Chance bekam. Eine Stimme rettete ihn vor der alternativ von der Senderedaktion angedachten Wiedereinführung des Testbildes. Diese Stimme gehörte Stefan Gödde, der als Moderator dieser Show entweder sein soziales Jahr ableistet oder auf Bewährung ist, anders lässt sich dessen Spritzigkeit, ähnlich einer dreitägigen Urinprobe, nicht erklären. Das Konzept der Sendung ist kalkulatorisch ein Gewinn, selbst wenn kein Zuschauer so am Boden ist, um sich vor dem finalen Rettungsschuss noch diesen Alptraum anzusehen. Uri Geller machts für ein warmes Mittagessen, den engagierten Mentalisten mit HartzIV Anspruch genügt schon ein Freigetränk und die angeblichen Promis werden zahlen, um überhaupt einmal im Fernsehen zu sein und nicht alternativ ins Dschungelcamp zu müssen. Somit liegen die Einnahme über den Ausgaben, was allein Grund genug ist für Pro7 die Toten auferstehen zu lassen, wenn auch selten so grausig wie bei Uri Geller, dem Heilsbringer für die Menschen, denen das Leben wenig Geist und noch weniger Hoffnung geschenkt hat und die nun sehen, dass man mit noch weniger sogar ins Fernsehen kommt. Die angestaubten Taschenspielertricks der durch die Magierprüfung gefallenen Aushilfsillusionisten der Next Uri Geller Show kann jeder in seiner auf sein Handy downloadbaren Glaskugel oder unter folgendem Link nachlesen:

 

Next Uri Blog

 

artwork

 

Erleuchtendes

Januar 9, 2009

2009 soll den Europäern ein Licht aufgehen, das viel kostet, aber unendlich lange Geld sparen hilft, bestenfalls doppelt so lang wie die von der Artenschutzliste genommene und zum Aussterben verdammte Glühbirne. Nicht glühen soll der Platz, an dem Werte geschaffen und Geschichte geschrieben wird, sondern leuchten, drum entstammt die moderne Energiesparlampe auch der Familie der Leuchtstoffröhren aus der Gattung der Leuchtmittel im Stamm elektronischer Bauteile und Nutzlastgeräte. Soweit die Theorie, die Praxis sieht kalt und ungemütlich aus, denn nichts wärmt Auge und Nutzer dieses innovativen Zeichens der Zeit, zu fahl, unpersönlich und kalt entströmen Leuchtmittel und Lichtteilchen aus dem ebenso kantigen Phallus, der sich uns künftig aus Lampenschirmen und –fassungen entgegen recken soll. Vorbei die Zeiten weiblicher Rundungen und erotischer Gedanken beim Befühlen des erogen gerundeten Körpers vertrauter Birnen und Lampenköpfe. Kann man eigentlich als Glühbirnenerhaltungsaktivist auch CO2-Zertifkiate kaufen und dann seine vier Wände erhellen womit man möchte? Doch das Neue Jahr bringt auch den Affen zurück auf Titelseiten und bemannte Raumfahrt, immerhin begehen wir nicht nur das Darwinjahr, sondern ebenso das Internationale Jahr der Astronomie. Größer könnten die Gegensätze nicht sein und verheißen eine fragwürdige Zukunft, die schon vor Weihnachten Geschichte war, als marode Häuslebauer in den USA ungarischen Schulkindern die Chance auf Vollversorgung in den Armen der EU nahmen. Glücklich der, der nichts zu verlieren hatte und sich über sinkende Preise ebenso freut, wie er das Prinzip der Deflation nicht verstehen wird. Doch es gibt auch gute Nachrichten. Die Welt wird getreu des Maya-Kalenders erst 2012 untergehen und der Yellowstone-Supervulkan dieses Jahr nicht ausbrechen. Wetten auf eine Eruption für 2012 werden noch entgegen genommen, haben aber eine schlechte Quote, zu wahrscheinlich. Ob wir 2009 ein Mittel gegen Krebs, Fettsucht oder schlechte TV-Programme erfinden ist ebenso unsicher wie Überlegung, Hamas-Kämpfern in Deutschland politisches Asyl anzubieten. Wem das zu wenig wissenschaftlich ist, darf sich gern schlau machen und dem hässlichsten Passbild der Blogossphäre seine Fragen stellen. Doch vor blöde Fragen hat der liebe Gott das Lesen gestellt, vorausgesetzt, es findet sich im Haushalt noch ein geeignetes Leuchtmittel, um das Dachstübchen zu erhellen.

in memoriam   Naturwissenschaften Blog

artwork

Lustig ist anders

Januar 6, 2009

Wenn es schon nichts zu lachen gibt, sollte man das wenigstens laut tun. Oder sich fragen, welche Fallhöhe Humor haben sollte, um komisch zu sein. So wie es schwierig wird, sich im knien zu erhängen, fällt lachen schwer beim Gang in den Keller auf der Suche nach der Pointe oder dem Schalk, den man sonst im Nacken spürte. Der gelebte Witz kann das Zwerchfell reizen oder zur Zote verkommen, je nach Art des Erzählens oder des Erzählers. Humor ist, wenn man trotzdem lacht, selbst bei der fünften Wiederholung von Schwänken, die das Leben schon zu Kaisers Zeiten spielte und nicht müde wird, in bierseliger Stimmung immer wieder ins Programm zu nehmen. Schamhaftes Kichern, schallendes Lachen oder gähnendes Augenrollen sind der Lohn für mühsam bemühte Zweideutigkeiten in der ach so sexualisierten Welt, wo nur noch pürierter Känguruhoden mit Schwanzstückchen im Dschungelcamp die Quote stabil hält und Fernsehunterhaltung zum terra incognita des Humors macht. Schön, wenn das manchen Blogger motiviert, dem noch eins drauf, nein eher darunter zu setzen und die Tiefe möglicher Spaßigkeit zum bodenlosen Loch verklärt. So speit mancher Freizeithumorist und Teilzeitliterat Texte ins world wide web, die dort auch hingehören, weil Masse jede Klasse zudeckt und daher die Bedeutungslosigkeit solcher Beiträge nicht auffällt. Stelle man sich eine Lesebühne vor, wo Frauen in (Schnee)Wehen zum Alptraum des Alimente fürchtenden Nachbarn werden…diesen Witz sucht man lange zu verstehen, er wird nicht lustiger. Wem das aber immer noch zu intellektuell ist, sollte in seine Elaborate des fragwürdigen Humors wiederholt das beliebte und feingeistige Wort „ficken“ einbauen und schon haut sich die halbe Nation auf die Schenkel, die andere Hälfte geht lieber Schuhe kaufen. Ein Blog für Männer also und entsprechend leicht bedienbar mit Inhalt und Witz oder bloßer Beschreibung des Unerfüllten, womit wir auch in diesem Text zum zweiten Mal beim „ficken“ sind. Lachen als die Kunst des Nichtredenmüssens, nicht schreiben wäre manchmal noch viel lustiger, leider nicht in diesem Fall, wenn im Format von Kleinanzeigen des Lebens Langeweile zelebriert wird und der Altherrenwitz Urstände feiert. Willkommen daher im Schlafgemach des Blogkandidaten für die goldene Himbeere, so sich ein C-Movie-Verleiher fände, dieses Drehbuch zu verfilmen. So verleihe ich heute dem „Textspeier“ den Preis für die entbehrlichste Seite der Woche und danke, dass es unterhalb meines Blogtagebuches doch noch Platz für andere webpages gibt.

 

Herrenwitz Blog

 

artwork