Erleuchtendes
Januar 9, 2009
2009 soll den Europäern ein Licht aufgehen, das viel kostet, aber unendlich lange Geld sparen hilft, bestenfalls doppelt so lang wie die von der Artenschutzliste genommene und zum Aussterben verdammte Glühbirne. Nicht glühen soll der Platz, an dem Werte geschaffen und Geschichte geschrieben wird, sondern leuchten, drum entstammt die moderne Energiesparlampe auch der Familie der Leuchtstoffröhren aus der Gattung der Leuchtmittel im Stamm elektronischer Bauteile und Nutzlastgeräte. Soweit die Theorie, die Praxis sieht kalt und ungemütlich aus, denn nichts wärmt Auge und Nutzer dieses innovativen Zeichens der Zeit, zu fahl, unpersönlich und kalt entströmen Leuchtmittel und Lichtteilchen aus dem ebenso kantigen Phallus, der sich uns künftig aus Lampenschirmen und –fassungen entgegen recken soll. Vorbei die Zeiten weiblicher Rundungen und erotischer Gedanken beim Befühlen des erogen gerundeten Körpers vertrauter Birnen und Lampenköpfe. Kann man eigentlich als Glühbirnenerhaltungsaktivist auch CO2-Zertifkiate kaufen und dann seine vier Wände erhellen womit man möchte? Doch das Neue Jahr bringt auch den Affen zurück auf Titelseiten und bemannte Raumfahrt, immerhin begehen wir nicht nur das Darwinjahr, sondern ebenso das Internationale Jahr der Astronomie. Größer könnten die Gegensätze nicht sein und verheißen eine fragwürdige Zukunft, die schon vor Weihnachten Geschichte war, als marode Häuslebauer in den USA ungarischen Schulkindern die Chance auf Vollversorgung in den Armen der EU nahmen. Glücklich der, der nichts zu verlieren hatte und sich über sinkende Preise ebenso freut, wie er das Prinzip der Deflation nicht verstehen wird. Doch es gibt auch gute Nachrichten. Die Welt wird getreu des Maya-Kalenders erst 2012 untergehen und der Yellowstone-Supervulkan dieses Jahr nicht ausbrechen. Wetten auf eine Eruption für 2012 werden noch entgegen genommen, haben aber eine schlechte Quote, zu wahrscheinlich. Ob wir 2009 ein Mittel gegen Krebs, Fettsucht oder schlechte TV-Programme erfinden ist ebenso unsicher wie Überlegung, Hamas-Kämpfern in Deutschland politisches Asyl anzubieten. Wem das zu wenig wissenschaftlich ist, darf sich gern schlau machen und dem hässlichsten Passbild der Blogossphäre seine Fragen stellen. Doch vor blöde Fragen hat der liebe Gott das Lesen gestellt, vorausgesetzt, es findet sich im Haushalt noch ein geeignetes Leuchtmittel, um das Dachstübchen zu erhellen.
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Alles was Recht ist
November 30, 2008
Hmmm, Beck? Da gabs mal so einen SPD-Teddybären, der sich vornahm, die Welt zu erobern, oder wenigstens deutscher König zu werden. Legenden ranken sich um diese tragische Figur, die irgendwo zwischen Rheinischem Schiefergebirge und Pfälzerwald im Mainzer Becken auf der Strecke blieb. Ähnlich einem Yeti soll das scheue Wesen von Stammtisch zu Stammtisch unterwegs sein, immer auf der Suche nach der verloren gegangenen Basis. Doch gesehen hat ihn bislang kaum jemand. Ähnlich wie den Beck-Blog, der mit Kurt Beck neben dem Namen auch den Grad an öffentlicher Zuwendung teilt, frei dem Motto: Beck? Wer ist Beck? Ja, Rufus Beck als Harry Potter Vorleser oder Becks, gleich welchen Geschmacks sind aus dem Leben der Generation Praktikum nicht mehr hinweg zu denken. Ein juristischer Fach-Blog hingegen hat es da schon schwerer, so ohne Zauberstab und Orange-Zimt als neue weihnachtliche Geschmacksrichtung. Fern ab von Bildmaterial und Videostream, nur dem Wort und mancher Paragrafenkette verpflichtet, stellt die 40 Watt Birne über den Schreibtischen der kleinen, aber feinen Zahl der Expertenblogger bereits den größten Lichtblick in dem bisherigen Schattendasein dieses juristischen Webcommunity-Versuches dar. Schlagzeilen wie aus der Rubrik „Wirtschaft und Recht“ der regionalen Ortspostille finden sich bereits auf unterhaltsameren Plattformen und sind zum Einpacken des Silvesterkarpfens anders als die normale Tageszeitung gleichfalls ungeeignet. Doch was tut man nicht für ein bisschen Traffic im ach so hippen Web2.0 Markt. Da riskiert der eine oder andere Verlag gern ein paar tausend Euro für überbezahlte Communitymanager, lassen sich doch Kosten und Aufwand nirgends so gut verstecken wie in der nebulösen Welt der Blogs und Blogger, wo Idealismus Urstände feiert und Wirtschaftlichkeit gleich hinter Seriosität und Bedeutsamem folgt, nämlich ganz hinten. Doch aller Anfang ist schwer, auch für namhafte Fachbuchverlage, die sich ihre Klientel zwischen Bundesverfassungsgericht und dem BILD-Rechtsrat zusammenlesen dürfen. Da heißt es kreativ zu sein, auch wenn die Idee des Blogs kaum noch wen hinter seinem „Palandt“ hervorholen dürfte und mit der ursprünglichen Idee eines Web-Tagebuches schwerlich vereinbar scheint. Hier tut Hilfe not. Drum zerreißt eure Rechtsschutzversicherungen, kündigt eurem Anwalt des Vertrauens und abonniert den Beck-Rechtsblog, denn bald ist Weihnachten und damit Zeit für gute Taten. Lasset ab vom Schmücken des Baumes, Versenden von Grußkarten und vom festtäglichen Kochen und Backen, denn der chefkoch.de-Blog hat bereits mehr als 81.000 Abonnenten, dem kaum mehr als 100 versprengte Rechtsratssuchende beim Beck-Blog gegenüberstehen. Drum kein Mitleid, nur ein bisschen Lese- und Lebenszeit, denn anders als Kurt Beck hat der Beck-Blog vielleicht noch eine Zukunft.
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Die Steinlaus (Petrophaga lorioti)
Oktober 13, 2008
Die Steinlaus ist ein von Loriot in einem Sketch bei der Imitation von Bernhard Grzimek präsentiertes fiktives Nagetier. 1982 nahm das medizinische Wörterbuch Pschyrembel die Steinlaus als fingierten Lexikonartikel ins Nachschlagewerk auf. Seitdem ist die Steinlaus ein bekanntes Beispiel des wissenschaftlichen Witzes.
Quelle: www.wikipedia.de
Dieser Witz hat nunmehr auch seine eigene Internetpräsenz, neudeutsch Blog mit dem populärwissenschaftlichen Versuch, die Steinlaus in ihrer organischen Gesamtheit zu begreifen und in die Systematik von Flora und Fauna einzugruppieren. Bislang war bekannt, dass sich die Steinlaus als scheuer Nager von Silikaten, also von Steinen, ernährt. Gelegentlich werden auch Eisenträger nicht verschmäht. Dabei hat das geschlechtsreife Männchen einen Tagesbedarf von ca. 28 Kilogramm Beton und Ziegelsteinen, wohingegen ein trächtiges Weibchen nahezu die doppelte Menge verzehrt. Leider gelten diese possierlichen Nager und Wühler als vom Aussterben bedroht, Vorkommen konnten jedoch bei wissenschaftlichen Grabungen im Erdreich in 20 Metern Tiefe nachgewiesen werden. Neue Forschungen haben aber Erstaunliches zu Tage geführt, was letztlich auch den Eintrag in des medizinische Wörterbuch, den Pschyrembel rechtfertigte. So wurde beispielsweise die Unterteilung der gemeinen Steinlaus in die Unterarten der Gallenstein- und Nierensteinlaus bekannt. Aber auch die Ähnlichkeit zum Namensgeber und von 1931 bis 1982 verantwortlichem Redakteur des Wörterbuches, Herrn Willibald Pschyrembel soll zur Aufnahme geführt haben.
Heute zeichnet die Steinlaus für eine Vielzahl bislang unbekannter wissenschaftlicher Phänomene oder praktische Lösungen alltäglicher Problemlagen verantwortlich.
Entwicklern aus der Automobilindustrie soll es gelungen sein, durch den Einsatz von Steinläusen den sogenannten Steinschlag ein Schnippchen zu schlagen. Die robusten Nager werden in einem winzigen Nistkästchen nahe den Spritzwasserdüsen angesiedelt. Von hier aus krabbeln die Steinläuse los und verteilen sich währen der Fahrt auf der gesamten Windschutzscheibe, sobald die Geschwindigkeit mehr als 50 km/h beträgt.
Quelle: www.diesteinlaus.wordpress.com
Diese und andere Kuriositäten finden sich in der heutigen wissenschaftlichen Blogempfehlung, einem Forum Berufener, die sich um die Sache der Wissenschaft im Allgemeinen und der Steinlaus im Besonderen verdient gemacht haben. Zu nennen sind neben dem Altvater von Humor und Steinlaus Vicco von Bülow (Loriot) auch Joachim W. Dudenhausen, Vince Ebert sowie Dr. med. Eckart von Hirschhausen, der bereits durch andere ausgewogen humorvolle Veröffentlichungen in Wissenschaftskreisen auffiel.
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Apocalypse now!
September 10, 2008
Schwarzseher haben Konjunktur und das nicht nur bei der GEZ. Untergangsphantasten und Glaskugelpropheten sehen sich bestätigt, Mütter werfen ihre Kinder aus dem Fenster und Sekretärinnen sich an den Hals des Chefs, denn morgen kann die Welt Geschichte sein. Die Schweizer gaben ihre Neutralität auf und drehen am Rad der Zeit. Eine Nobelpreis gierige Clique von auf der Schule noch gehänselten Mathematikclubmitgliedern wollen den BigBang, den sogenannten Urknall im weltweit größten Teilchenbeschleuniger in CERN nachstellen. Was nach einem hübschen physikalischen Hobby klingt, könnte das Ende der uns bekannten Zivilisation sein, denkt man das gesuchte Ergebnis weiter. Was folgte nach aktuellem Wissensstand auf den Urknall? Das Große Ganze, schlicht das Weltall in seiner Unendlichkeit und Ewigkeit. Prima, noch eines also und wo bleibt das Alte? Das wird beiseite geschoben, in Pension geschickt, Pflegestufe III. Eine maschinelle Verlängerung unwerten Lebens ist nicht erwünscht, denn das neue All braucht Platz. Platz, den das uns bekannte Universum vor angeblich 14 Milliarden Jahren selbst beanspruchte, als es sich aus einem Massepunkt explosionsartig entwickelte, vermutlich als Ergebnis eines physikalischen Experimentes in dem damals weltweit größten Teilchenbeschleuniger…
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Die X Akten
August 1, 2008
Para-News: Frau fühlte sich von kleinen grünen Männchen verfolgt und lief daher bei Rot über den Fußgängerüberweg. Tod.
Wer davon nun den Beweis für die Gefahr aus dem All ableitet und sich im Kornkreis seines Gartens versteckt, hat die Rechnung ohne Nessi im Teich und den Yeti hinten in der Scheune gemacht, denn die wahre Gefahr lauert zuhause, hinter einer Glas- oder LCD Scheibe. Ja Fernsehen schadet, fast ebenso wie der ungebremste Internetkonsum, auch wenn es in beiden Fällen von der Auswahl abhängen soll. Doch hier beginnen bereits die unerklärlichen Phänomene des Alltags, die persönlichen X Akten voller Irrungen und Wirrungen und medialem Wahnsinn bei der Infoflut, die es zu beherrschen gilt, hätte man denn die Auswahl. Tatsächlich treiben uns morphogenetische Felder vor sich her, wabern durch unser Gehirn und funken auf Frequenzen, von denen wir nachts Alp träumen. Trunken ob solcher Interferenzen suchen wir nicht mehr nach Informationen, sondern werden gefunden von Sprechblasen und Comicstrips, die alle ein Ziel haben, zu verhindern, dass wir hinter die Wahrheit unserer Existenz kommen. Die Antwort auf alle Fragen unseres Hier und Jetzt, dem Woher und Wohin und Warum ist nicht 42, sondern die Summe aller Informationen, die uns vorenthalten werden. Um diese Lücke nicht zu groß werden zu lassen, brennen in schöner Regelmäßigkeit aller paar Jahrhunderte die großen Bibliotheken der Welt und leeren den Wissens-Cache der Menschheit. Deshalb bestimmt auch Grundlagenforschung und nicht Wissenszuwachs unser Weltbild und definiert, was wahr ist und was nicht sein kann, weil es nicht sein darf. Spezialisierung statt crossdisziplinäre Forschung. Auch so kann man die Welt vor grünen Männchen schützen, denn wer nicht hinschaut, kann auch nicht gesehen werden oder hält sich an die Straßenverkehrsordnung.
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