Konsum trotz Werbung?

Dezember 28, 2008

Wo hört Verbraucherinformation auf und beginnt Unterhaltung? Eine für Fernsehfilmunterbrechungsopfer relevante Frage, entscheidet diese doch über Klogang oder Verharren vor der Mattscheibe. Umso erstaunlicher, dass sich die Werbeschaffenden zwar jedes Jahr selbst Preise für besonders originelle Spots verleihen, beim Verbraucher aber davon nichts ankommt. Vielmehr muss der durchschnittliche Privatsendergucker ein tägliches Einheitsmaß an uninspirierter und fast schon Produkt gefährdender Langeweile ertragen. Wären die öffentlich-rechtlichen Sender nicht noch trostloser, der Trend zum Wegschalten in Werbepausen würde ähnlich dem Schauen von Serien auf DVD stark zunehmen und die Lichter in den Senderäumen von RTL & Co. gingen pünktlich zur Abschaffung der Glühbirne aus. Ausgegangen scheinen den Berufskreativen auch die Ideen für gelungene Kinowerbung. Einem Déjà-vu gleich überkommt einen das beklemmende Gefühl, dass die Matrix in einer Endlosschleife hängt, betritt man nach einem Jahr Pause einen nach Popcorn stinkenden Kinosaal und sieht sich den lieblos aneinander gestückelten Spots lokaler Autohäuser, Unterschichtengazetten, Billardsalons oder den ewig gleich schwulen rauchenden Cowboys ausgesetzt. Versicherungen buhlen ebenso um Kundschaft wie der Öffentliche Nahverkehr, der sich bei der Qualität der Werbung nicht wundern muss, wenn die Schwarzfahrten zunehmen. Vorbei sind die Zeiten von schallendem Lachen quer durch die Kinoreihen und dem Wunsch, der Hauptfilm möge nie beginnen. Auch wenn heute viele Blockbuster eher verlängerten Werbespots ähneln, gehört die 20minütige Verweildauer bis zum Beginn desselben mittlerweile auf die Agenda sämtlicher Menschenrechtsorganisationen, denn Folter beginnt fließend. Herz- und Hirnlos präsentieren sich die Vordenker späterer Verbrauchergewohnheiten und verlassen sich auf die ebenso leergefegten Dachstübchen ihrer Konkurrenten. Humor ist, wenn man dennoch lacht, in Deutschland jedoch nur noch über Clips benachbarter Länder, die erkannt haben, dass man mit einem Lächeln im Gesicht weder auf die Stellen nach dem Komma noch besonders auf das Kleingedruckte beim Kauf lustig präsentierten Unrats achtet. So lassen sich Kühlschränke an Eskimos und Neger an das Amerikanische Volk verkaufen, aber eben auch Damenbinden, Mundduschen und Tierfutter. Wer sich nun wundert, dass trotz des hier beschriebenen Werbetrübsals die Geschäfte an den Adventsfeiertagen besonders voll sind, dem sei gesagt, dass nicht „trotz“, sondern „deswegen“ die Vokal der Wahl ist, denn selbst der geduldigste Konsument ergreift angesichts der geballten Flut an trögen Werbebotschaften kurz vor dem Weihnachtsfest irgendwann die Flucht. Das wäre vermeidbar gewesen, hätten diese TV-Opfer stattdessen auf den nachfolgenden Blog geblickt, um zu sehen, wo Verbraucherinformationen aufhören und Unterhaltung beginnt.

 

Werbe Blog

 

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Ein Herz für Tiere

Dezember 25, 2008

Da sitzen sie wieder, die süßen, zu groß gewordenen Traumkuscheltiere und frieren angebunden an Autobahnrasstätten oder Parkplatztoiletten. Von Herrchen und Frauchen verlassen, die sich wieder auf die Schule vorbereiten müssen und keine Zeit mehr fürs Weihnachtsgeschenk vom letzten Jahr haben. Da war das kleine Knuffeltier ja auch noch süß und tapsig und roch ganz frisch nach Muttermilch, von deren Zitzen es Wochen zu früh hinweg gerissen wurde, um als neues Familienmitglied Karriere zu machen. Doch auch dieses Stofftier musste mal vor die Tür und das bei Wind und Wetter, was die Begeisterung schmälern half. Als Lerntherapie für die einen, bald lästige Pflicht für die anderen, konnten Hector, Purzel oder Pussy keiner Seite gerecht werden. Was also blieb Eltern, die das Verantwortungsgefühl von 6jährigen überschätzt hatten, anderes übrig, als die armen Tiere vor Tierlaboren zu schützen und auszusetzen. Es ist ja bekannt, das Menschen mit mehr Zeit und Platz regelmäßig angebundene, ausgewachsene und unbekannte Hunde an Parkplätzen auflesen und mitnehmen. So bleiben Gewissen und Ledercouch rein, und das Kind bekommt einen Hamster, der stirbt nach spätestens zwei Jahren. Tiere unterm Weihnachtsbaum, ein Klischee, das die Firma Steiff einst reich machte. Heute profitieren polnische Züchtervereine, denen Tierschutz und Ausbildung in der Aufzucht und Haltung von Haustieren nicht im Wege stehen. Versandfertig in zwei Tagen und Widerruf bis zwei Wochen nach Erhalt, regelmäßige Fütterung vorausgesetzt. So macht Shopping richtig Spaß, vor allem, wenn man gemütlich am heimischen PC in all die herzigen Kindchenschemagesichtchen der felligen Schmusetiere blicken kann. Da werden Kinderaugen groß, Mütterherzen weich und Vätergeldbeutel leer, halt etwas für die ganze Familie. An den Halsbändern läuten kleine Glöckchen Jingle Bells und das Kind ist mindestens zwei Tage glücklich, was die Eltern die Feiertage erst richtig genießen lässt. Wie oft hört man Eltern später seufzen, dass der Nachwuchs ihnen langsam über den Kopf wächst und wie schön es war, als man den kleinen Hosenscheißer noch auf dem Arm herum tragen konnte. Naja, in die Hosen scheißen sie eher selten, eher auf, doch herumtragen ließen sich viele der fünften Räder am Familienwagen gut und gerne 14 Jahre lang. Wer diese Zeit erübrigen kann, ist auf dem Tierschutz geprüften und artgerechten Haustierblog richtig und soll in der Hölle schmoren, wenn das Fellknäul zwei Meter groß im nächsten Jahr am erstbesten Hydranten angekettet wird.

Haustier Blog

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Von ganzem Herzen

Dezember 21, 2008

Jedes Jahr werden die Farben bunter und die Töne surroundiger, die Fernseher größer und die Werbeclips länger. Die Welt ist auf der Suche nach dem ultimativen Geschenk, das bei all dem Überfluss in Kellern und auf Speichern aus der grauen Menge klebrig bunten Unrats herausschaut. Das brillante Einzelstück oder ein einzelner Brillant, den Mädels wirds egal sein, solange es schön und teuer, am besten schön teuer ist und die beste Freundin kein vergleichbares Schmuckstück an Bauchnaben, Nasenloch oder Klitoris trägt. Gut dass wir uns über eigene Ideen zum Fest keine Gedanken mehr machen müssen, eine Fahrt in der UBahn genügt bereits, um ausreichend mit Werbeflyern und wenig unterschwelligen Botschaften an ein erwünschtes Konsumverhalten versorgt zu sein. Von allergiefreien, weil felllosen Hunden (für die Präsidenten-Töchter) bis hin zur Brustvergrößerung für 11jährige, alles was das Herz will und der Geldbeutel kann. Wem das alles noch zu langweilig ist, kann sich auch gern in einer Tauchglocke zur Titanic herab lassen und dafür 30.000 Euro versenken. Wenigstens aber hat man was zum Angeben vor den Kollegen im neuen Jahr. Auch senkrecht Hochhäuser hinab rennen liegt dieses Jahr voll im Trend. Am besten vor der Gesundheitsreform schnell noch in eine Krankenkasse wechseln, die das oder ausreichend psychologische Betreuung übernimmt. Ansonsten greifen Männer ideenreich entsprechend den wechselnden Moden und Launen der zu beschenkenden Damen zu Originellem wie Parfüme oder Schals und Frauen finden einen von Ronaldo oder Ronaldino handsignierten Golfball, sind aber sauer, wenn er murmelt, dass es ein Premiere Abo auch getan hätte. Am leichtesten sind Großeltern oder andere Personen zu beschenken, die schon alles haben oder zumindest das auf die Frage nach Wünschen entgegnen. Den schwersten Fehler, den man dann machen kann, ist das ernst zu nehmen und von teuren Präsenten abzusehen. Fast so schwer, wie der Satz zur Freundin „Dieses Jahr schenken wir uns mal nichts, Schatz“. Da sind Minusgrade unterm Baum garantiert. Wer nicht gerade eine neue Freundin auf dem Wunschzettel stehen hat, sondern die alte noch ein Jahr ertragen möchte, sei gut beraten, auf folgendem Link nach Geschenkideen zu suchen, bevor alljährlich der 24. Dezember völlig unerwartet anbricht und Pralinen von der Tankstelle die letzte Rettung sind.

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Haste mal ne Mark?

Dezember 18, 2008

Mit dem Dezember erwacht bei vielen Radiostationen, Fernsehanstalten und kirchlichen Kindergärten das soziale Gewissen und mit ihm der Wunsch, noch einmal richtig Kasse bis zum Jahresausklang zu machen. Entsprechend werden im 5 Minutentakt Jingles oder Werbespots voller emotionaler Rührdramatik geschaltet, um das deutsche Volk zur Rettung der Welt aufzurufen. Wer die Geldbeutel der Eltern bereits bis November geleert hatte, kann alternativ all den überflüssigen Geschenkekram des Vorjahres unter seinem Kinderbett hervorkramen oder dem Hund wegnehmen und zusammen mit für 50 Jahre gefriergetrockneten Lebensmittel in Care-Pakete für all die Kinder der 3. Welt packen, egal ob diese in Frankreich, England oder Berlin leben. Ja, die Guten unter uns teilen und das meist lauthals an jedem der vier Adventssonntage auf allen Medienkanälen und Einkaufspassagen der Welt mit, wie gut es tut, sein Herz nicht an Dinge zu hängen und sich solidarisch mit den weniger vom Wirtschaftswunder Beschenkten zu zeigen. Allen voran unsere Politiker, die es gewöhnt sind, anderer Leute Geld auszugeben und sich von Berufswegen für das Elend der Welt zuständig fühlen, das es ohne sie gar nicht gäbe. Im Zeichen der geöffneten Hände ist es zwar dem gemeinen Volk untersagt, Müllfahrern, Straßenkehrern und anderen Großverdienern im öffentlichen Dienst ein Trinkgeld zu geben, aber für eine Schüssel Reis in Indien oder 2 Quadratmeter Regenwald dürfen wir unsere Sparschweine schlachten. Es lebe die Weihnachtszeit, die es uns alljährlich vors Auge führt, wie schlecht und habgierig wir doch sind und wie wichtig es ist, die personalintensive Gutmenschenverwaltung von Rote-Kreuz & Co zu finanzieren. Was dann noch übrig bleibt, geht an die deutsche Post fürs Porto drauf, um die mit Liebe und Ramsch gepackten Pakete dorthin zu schicken, wo noch Platz ist im Keller ist, weil sich dank Klimaerwärmung oder Wüstensand die Anschaffung einer Skiausrüstung nicht lohnt. Wem das zu zynisch klingt, darf gern gegen Flutkatastrophen, Wirbelstürme oder Missernten dank gigantischer Stauseeprojekte anspenden oder sich unter folgendem Link über aktuelle Spendenaktionen informieren. Aber schnell machen, denn spätestens wenn die Sternsänger vor der Tür um Süßes betteln, sind die Spendierhosetaschen des Deutschen wieder zugenäht, denn Weihnachten ist fern.

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Ps: Wer auf der heutigen Blogempfehlung vergeblich nach Einträgen sucht, darf gern seine Spende an mich schicken. Kontonummer kommt auf Anfrage.

Liebe geht durch den Magen

November 27, 2008

Was dem einen die Plätzchen, sind dem anderen die Gans am 1. Weihnachtsfeiertag oder der Karpfen, wenn man zionistischen Glaubens ist. Maßlosigkeit und Völlerei, die perfekte Mischung, um am Neujahrsmorgen die Joggingschuhe anzuziehen, den Schal umzubinden und in die Trinkhalle von nebenan zu laufen, um noch rechtzeitig das Konterbier zu erwischen bevor die versoffene Nachbarschaft angetobt kommt. Doch all das wird überschattet vom wahren Grund der jahresendzeitlichen Familientragödien und Kaufrauschexzesse, dem Fest der Liebe. Ich spreche nicht von trauter Harmonie im Kreis der Lieben, nein, sondern von den zahllosen Weihnachtsfeiern, wo nach drei Flaschen Wein selbst die Schnalle aus der Buchhaltung schwanengleich mit auf die Herrentoilette gezerrt und glattgebügelt wird, denn Liebe ohne Sex ist wie Vanilleeis ohne Waffel. Anders als Sex ohne Liebe, das schmeckt auch so. Manchen sogar besser, denn dann kann man zur Eiskugel im Porzellanbecher noch heiße Himbeeren oder Schokosauce beigeben, probieren Sie das mal auf einer labbrigen Waffel. Die hält ungefähr so lange, wie durchschnittlicher Sex in einer durchschnittlichen Beziehung dauert oder anders ausgedrückt: bis ER fertig ist. Dann gibt es noch die, die sagen, Vanilleeis schmeckt gar nicht, besser Schoko, aber über homosexuellen Beischlaf soll es hier nicht gehen. Vielleicht ist ja der eingangs bemühte Vergleich zwischen Eis und Beischlaf gar nicht so weit hergeholt, bedenkt man all die Menschen, die sich ob einer unglücklichen Liebe oder aufgedrängter Enthaltsamkeit in die Ersatzbefriedigung des Essen, dem sogenannten Frustfressen retten. Denen ist es egal, ob die Vanilleeiskugel in der Waffel oder im Becher serviert wird. Hauptsache irgendwer kommt zum Schuss oder lässt schießen. Hier von Liebe zu sprechen, hieße das Haus vom Dach her bauen oder den Weihnachtsmann im Elektrokamin zu suchen, also Zeitverschwendung. Sex hingegen ist ein bewährtes Mittel, auf seine Kosten zu kommen ohne zuzunehmen, anders als Liebe, die meist zu wohlwollender Trägheit und Körperzuwachs führt. Deshalb ist die Bezeichnung „Liebesdienste“ für Darreichungen des Horizontalen Gewerbes irreführend. Ernährungsberater oder Fitnesstrainer wären hier sinnvoller als der Quickie in der Mittagspause oder der Blowjob als Belohnung für einen stressigen Tag. Wer dennoch lieber isst als vernascht zu werden oder noch keine kulinarische Idee für den Familienansturm zu Weihnachten hat, kann sich unter folgendem Link die nötige Inspiration und Ablenkung vom faden Singleleben holen und der Statistik ein Schnäppchen schlagen, die herausgefunden hat, dass die, die ohne hormonellen Ausgleich das Jahr beenden auch schnell mal von der einen oder anderen Brücke springen.

 

Kulinarischer Blog

 

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Endlich ist sie da, die Vorweihnachtszeit. Seit Ende August ahnten wir es schon, doch gelegentlich in Supermärkten und Bauhäusern auftauchende Lebkuchenherzen ließen eher an einen späten Valentintagsgruß glauben als an unrasierte Paketschlepper und minderjährige Jahresendflügelfiguren. Nun aber ist die Gewissheit da, die ersten Supermärkte räumen ihre Regale bereits wieder frei von Spekulatius, Vanillekipferln und Zimtsternen, denn Ostern naht und mit ihm grüner Kunstrasen und Hasenvielfalt. Ergo, Weihnachten steht vor der Tür. Allerorten sprießen die Glühweinfeste und Wurststände aus dem Boden, hübsch verpackt in Kunstschneewatte, benadelte Baumschmuckträger und Kleintierzoo mit Eseln und dem Christuskind. Weihnachtslieder und klingende Registrierkassenmusik erfreuen die steifgefrorenen Ohren und der Duft von Kerzenwachs und gebrannten Mandeln öffnet die Herzen und erinnert an das ach so schöne Oktoberfest, doch es ist Weihnachten. Nicht zu ändern und jedes Jahr ein wenig schlimmer, denn die Verwandtschaft wird nicht jünger nur zahlreicher. Die Zeit bis das abnimmt ist leider noch fern, doch die Feiertage tragen nicht gerade dazu bei gesund zu altern. Geschichten von vor und nach dem Krieg und der Freude über ein Stück Butter oder kratzige Ziegenwollepullover trüben die Stimmung ebenso sicher wie der Schluck zuviel vom selig der Schwägerin an den Hintern greifenden Onkel, von dem es letztes Jahr noch hieß, wenn der weiter so säuft, erlebt er das nächste Jahr nicht mehr. Ja, die Hoffnung stirbt zuletzt. Doch der wahre Höhepunkt ist der Stand der Waage im Januar, dem satte Wochen und Tage voller Genuss und ungehemmter Lebensfreude in Gestalt von Enten, Gänsen, Kaninchen oder Wildbrett voraus gingen. Aber verantwortlich für bierselige Neujahrsvorhaben voller Sport und Bewegungsdrang sind weniger die Fressfeste zwischen den Jahren als vielmehr die Dauerversuchung des Weihnachtsgebäcks, allen voran der Christstollen, den der Teufel gesehen hat. Dieser unverzichtbare Bestandteil eines jeden vorweihnachtlichen Kaffeekränzchens hat es auch auf die Titelseite der heutigen Blogempfehlung geschafft und empfiehlt sich zum Nachbacken oder schlichten Verzweifeln, wenn man den Speck vom letzten Fest noch auf den Hüften spürt. Guten Appetit.

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Schöner die Glocken nie klingen und das seit Ende August. Weihnachten steht vor der Tür eines höchst herrschaftlichen Hauses, in dem der Gang zum Kamin und reichgeschmückten Tannenbaum fast 4 Monate dauert. Der falsche Hase vom Osterfest wird durch Lebkuchen und anderes Festgebäck in den Auslagen der Supermärkte ersetzt, wo sommerlich gekleidete Menschen munter ihre Grundversorgung sichern. Doch wo bleiben die Weihnachtsmärkte in der Nähe der Badeseen? Noch verstecken sich diese ab Mitte September in Möbelhäusern oder bei Fabrikverkäufen im Erzgebirge. Das wäre nur konsequent, kauft man doch auch seine Pudelmütze im Sommer, um beim ersten Schneefall nicht auf das Badebekleidungsangebot beschränkt zu sein. So hat man auch ausreichend Zeit, die hektische Betriebsamkeit der Dezemberwochen auf mehrere Monate auszudehnen, um am Vormittag des Heiligabend unruhig durch völlig überfüllte Innenstädte zu irren auf der Suche nach einem hübschen Strohhut oder bunter Badematte. Kein anderes Ereignis lässt die Relativität der Zeit deutlicher erkennen, denn Christstollen im August ist relativ früh, doch Weihnachten selbst kommt dann doch immer relativ überraschend, mit der Folge, dass die lieblos zusammen gerafften last-minute-Geschenke kaum als Überraschung taugen. Zumindest das Geschenkpapier ist originell, nachdem sämtliche Weihnachtsmotive für die unterjährigen Geburtstage der Lieben aufgebraucht wurden. Auch das Singen unterm Baum wird zur Qual der Wahl, hat man doch die aktuellen Wiesnhits des letzten Oktoberfestbesuches noch im Ohr oder übt bereits für die anstehende Karnevalsaison. In Zeiten des Klimawandels ist die Verbindung Weihnachten gleich Schnee gleich Winter und stille Zeit brüchig geworden und lässt eine Ahnung aufkommen, wie man das Fest der Liebe in Ländern südlich des Äquators begeht, wenn es heißt, die Palme ist geschmückt. Allerdings wird bei diesen sich ändernden Festgewohnheiten der Beruf des Santa Claus zum Volltimejob und Risiko, denn nur besonders robuste Naturen ertragen Wintermantel und Rauschebart bei 30 Grad über Null. So sah man Rentiere schon mit hängender Zunge vor Gummiboote gespannte durch Badeseen schwimmen, während der Weihnachtsmann mit dem Surfbrett die Geschenke brachte.

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