Urlaubszeit

Juni 29, 2008

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Zumeist was alles nicht geklappt hat, angefangen vom Stau kurz hinter der Garage bis knapp vors Wienerwaldrestaurant in Trient. Dann das Quartier, 4 italienische Sterne, Standard Besenkammer für Selbstversorger mit Haustieren. Die allerdings können krabbeln und fliegen, lassen sich aber nur ungern an die Leine legen. Der Herbergsvater war Mussolinis Nachbar und lacht heute noch über dieses Weichei. Ab 6 Uhr morgens wird zurück geschossen, zumindest vom neben der Feriensiedlung gelegenen Stahlwerk, das mit der 6 spurigen Autobahn oberhalb des Wohnbungalows verbunden ist. Gute Anbindung stand auch im Katalog. Mit der Suche nach dem Strand beginnt das eigentliche Abenteuer des Urlaubs. Baustellentrekking und Nordic Walking entlang der Sondermülldeponie vorbei an früheren Wäldchen, Seen und praller Natur. Aus einer Zeit, als die Prospekte gedruckt wurden. Wer gern unter Menschen ist und Nähe auch in überfüllten UBahnen ohne Klimaanlage liebt, fand hier das Paradies auf einem Streifen von 10 Metern ehemaligen Strandes vor einer dank der Industrieabwassereinleitung 36 Grad warmen Adria. Eine farbenfrohe Landschaft versprach das Prospekt und muss die Handtücher gemeint haben, die den Sandstreifen vollständig vor zu starker Sonneneinstrahlung schützten, selbst geschützt durch ungeschützt liegende Körper weißer und wohlbeleibter Urlauber, die man noch vom letzten Jahr her kennt. Da schafft mancher im selben Werk, aber es ist auch schön ein wenig Heimat vorzufinden. Wer in einem all inklusive Hotel unterkommt, ist da schon privilegiert und berichtet meist, wie peinlich wieder die Deutschen alle Poolplätze mit Handtüchern belegt hatten, so dass man selbst nicht wusste, wohin man sein Hotelbademantel vorm Frühstück legen sollte. Die Stimmung ist ausgelassen, mal gewinnen die ortsansässigen Italiener, mal die Jungs aus Castrop-Rauxel. 2 Wochen sind lang genug, um Prellung und Blutergüsse wieder heilen zu lassen. Manche Zahnlücke bleibt Reiseerinnerung, die aufkommt, wenn man sich mit seinem Strandnachbarn im heimischen Reihenhausgartenstreifen die Fotos des gemeinsamen Sommers anschaut und im Kalender fürs nächste Jahr sicherheitshalber schon mal 2 Woche im August blockt.

Reise Blog

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