das Runde ins Eckige
Januar 18, 2009
Die Winterpause nähert sich ihrem Ende und nicht nur der WSV startet, sondern auch der DFB mit der Bundesliga pünktlich zum ersten Schneefall Ende Januar zumindest in München und nur dort spielt die Musik, wenn man mal Exoten wie Hoffenheim außer Betracht lässt. Ja, des Mannes liebste Form, sublimierten homosexuellen Neigungen ungestraft frönen zu können, wenn er seinem Nebenmann im Stadion mit Tränen in den Augen um den Hals fällt, beginnt. Egal, ob seine Mannschaft den Klassenerhalt gerade noch erreicht oder soeben verspielt hat. Anders auch hier in München, wo man über den ich-habe-vergessen-wievielten Meistertitel zwischen zwei Schlücken Prosecco dezent in die Hände klatscht. So bekommen Manndeckung und Ballspiel ganz neue Dimensionen, auch wenn eine Viererkette keine sportliche Variante eines GangBang unter der Mannschaftsdusche ist. Ja, da kreisen sie wieder, die Tipps der wochenendlichen Spieltage, zu den Trainer- und Spielerwechseln, welcher Sponsor wann Pleite macht oder seinen Club gegen eine Jacht tauscht und wer schließlich Meister der Herzen wird, wenn München wieder die Schale holt. Ich tippe mal auf Schalke, was mir nicht als Boshaftigkeit, sondern schlichte Schadenfreude ausgelegt werden darf. Ehefrauen zittern um ihr Haushaltsgeld, wenn der ach so sichere Tipp bei oddset, dem staatlich legitimierten Suchtportal, keine Quote brachte, oder in übel beleumundeten Hinterhöfen die Zahnversicherung der Kinder gegen einen in Kroatien gedruckten Spielschein getauscht wird. Es ist die Hoffnung auf das letzte bisschen Privatsphäre des durch Östrogen im Trinkwasser geschwächten Mannes, sein Refugium, wo er der Bundestrainer ist und nach der Bierflasche rufen kann, ohne dass gleich wochenlang der Haussegen schief hängt und das Bett kalt bleibt, denn seine Frau hört das Rufen nicht. Sie ist in der Premiere Sportsbar und schaut Eiskunstlaufen, denn seit dort Rauchen verboten ist und das Bier nicht mehr schmeckt, bleibt mann unter sich und daheim. Dort fällt es auch nicht auf, wenn er heimlich auf DSF umschaltet, um sich vom müden 0 : 0 seiner fußlahmen Lieblingskicker abzulenken und denen zuzuschaut, die wissen, wie sie Weltmeister werden, nämlich den deutschen Fußballfrauen. Mit Vorfreude auf deren Sommermärchen 2011 wünsche ich allen 11 Freunden eine gute Rückspielsaison und empfehle den ultimativen Fußballblog, der auch außerhalb englischer Wochen nicht nur am Wochenende die schönste Nebensache der Welt zum Hauptthema macht.
artwork
the Marathon man
September 13, 2008
Sie sind männlich, über 40, vom Leben frustriert, von der Familie gelangweilt? Dann sind Sie reif für Funktionskleidung in den Farben der Saison, das heißt knallgrün, grellgelb und augenkrebsverursachend pink. Laufschuhe gibt’s bei Reebok oder Adidas und isotonische Getränke vom Fitnesscoach Ihres Vertrauens. EPO ist out, heute nimmt man Nutritec Creatin Plus, das heizt nicht nur die Muskeln auf, sondern hebt auch die Stimmung im Schritt, etwas was mit 45 auch nicht mehr selbstverständlich ist. Die nächsten Karriereziele heißen Marathon und Porsche Boxter, auch wenn Ihr Orthopäde abrät.
Marathon, die Königsdisziplin für Lebensmüde auf Raten, die einzige legale Sterbehilfe, die nur eine Steigerung kennt, den Iron Man Triathlon. Da quälen sich graumelierte Familienväter mit Karriereknick und Bauchansatz dem zweiten Frühling entgegen und hoffen, dass eine der zahlreich winkenden Studentinnen am Streckenrand im Ziel mit Handtuch, Wasserflasche und Defibrillator Wiederbelebung leistet. Doch die Strecke ist weit, zu weit für manchen, dem der tägliche Bürostress als Training für die 42 km Asphalt durch die Hauptstädte dieser Welt ausreichend erschien. Doch auch wenn der Überdruss des täglichen Einerleis unmenschlich ist, Marathon ist schlimmer und eine Art, sich selbst zu strafen, die man seinem ärgsten Feind nicht wünscht. Entsprechend wichtig ist die Vorbereitung, und die beginnt nicht nur im Kopf, sondern auch im Internet, wie zB. auf dem heute empfohlenen Jogging Blog. Der neudeutschen Variante früherer Waldläufe gewinnt man nur dann Vergnügen ab, wenn man entweder masochistisch veranlagt ist, oder sich ausreichend Zeit für eine Annäherung nimmt. Startschuss Ernährung. Der bloggende Laufschuh auf der Linkempfehlung hier hält daher eine feine Auswahl energetisch einwandfreier Fitnessspeisen vor, deren Zubereitung bereits als zärtliches Vorspiel für eine Viertelstunde Powerwalking zählt. Über diese Geschwindigkeit sollten Sie am Anfang nicht hinaus laufen, andernfalls verabschieden sich in rascher Reihenfolge, Herz, Leber, Niere, Hirn. Dann können Sie gleich bei Frau und Kindern bleiben und Ihrem Chef einen blasen. Langsames Steigern heißt ein Erfolgsgeheimnis, das andere Kontinuität. 2 bis 3 Mal die Woche 30 min im aufrechten Gang, das erhöht die Zahl der roten Blutkörperchen, stärkt das Ego und verlängert Ihr Leben, wenn Sie glauben, das lohne sich.
Für die, deren Wochenrhythmus schon von Kiefernduft und Hundehaufen in städtischen Parkanlagen geprägt ist, kann die heutige Blogempfehlung eine hübsche Anzahl an weltweiten Marathonstrecken und einige Tricks und Tipps um des Deutschen zweitliebstes Hobby anbieten.
artwork
Höher, weiter, schneller
August 16, 2008
soweit es die körperfremden Substanzen, made in China, zulassen. Dank eines innovativen Beschränkens medizinisch möglicher auf absolut notwendige Nachweisverfahren durch das IOC bleibt der Sport und vor allem die Atmosphäre zum Gastgeber sauber, denn China boomt und mit ihm sämtliche Sponsoren der 29. Olympiade in einem Land von Bruderkuss und Rückenschuss. Wer hier Schlimmes denkt, hat die chinesische Seele nicht verstanden und die Gier des IOC unterschätzt. Lächeln, nicken und sich verbeugen, das sind die staatlich geförderten Tugenden und olympischen Disziplinen der Zukunft, für die China auch ohne Doping Gold gewinnen würde. Doch das ist ja gar nicht nötig, solange es auch mit alten asiatischen Heilkräutern von Bayer Chemie und Co funktioniert. Doch Kritik ist fehl am Platz. Sind wir nicht alle ein wenig China, Freunde von Glückskeks und Wantansuppe, Nr. 55 oder Ente süßsauer? Sei der Medaillenregen dem Gastgeber der grünen Spiele gegönnt, dem Ausrüster unserer Kinderzimmer, Lieferant von Mopedersatzteilen oder Generikamedikamenten noch vor Ablauf des Patentschutzes westlicher Pharmafirmen. Ohne China liefen wir nackt herum und hätten viel weniger Freizeit, weil Arbeit. Es ist der Lohn für gefühlte 100 Jahre kommunistischer Diktatur, in der der Einzelne für ein Kollektiv siegt und nicht für schnöden Ruhm und Mammon westlicher Dekadenz. Das kennt man noch von Russland, deren Rückkehr zur festen Hand Putins für diese Spiele und Goldmedaillen zu spät kam. Dass es auch anders geht, beweisen die USA mit ihrem Anti-Doping-Maskottchen Michael Phelps, der nach dem Motto „so lange man niemanden erwischt, ist er unschuldig“ zum medizinischen Wunder der Spiele wird. Einzelne behaupten sogar, er kann übers Wasser laufen und denken über eine neue Religion nach. Doch soll der Mehrzahl an Sportlern nicht Unrecht getan werden. Wer heute siegen möchte, muss früh anfangen. So turnen für China schon 10 Jährige, die statt Wachstums fördernder Substanzen einen gefälschten Pass erhalten, damit das IOC mit seiner kleinlichen Beschränkung auf ein Mindestalter von 16 beruhigt ist. So auch die Medien, die sich in der von China vorgegebenen Toleranzbreite ihr Feigenblatt an gehüstelter Kritik umhängen und damit ihren Beitrag zur geistigen Sauberkeit der Olympiade leisten. Danke.
artwork
die zensierten Spiele
August 10, 2008
Wer kennt sie nicht, die Große Mauer, die China einst von der Mongolei trennte und damit auch den Kontakt zur Außenwelt abschnitt. Sie steht noch immer und was ihr heute anlässlich der 29. Olympischen Spiele an Ziegeln fehlt, wird virtuell ergänzt um eine kommunistische Firewall, welche Maos Erbe nach innen vor zu viel freien Gedanken des westlichen Sodoms schützt. So wird die „Verbotene Stadt“ als Wahrzeichen Pekings zum Symbol für ein ganzes Land, in dem Kritik als nationale Beleidigung empfunden wird und bei abgeschaltetem Internet schnell zum Eintrag in das Tibetanische Totenbuch führen kann. Nur so lassen sich Erfolge garantieren und der Welt größte Volksgruppe im Zaum halten. Anders die lästigen Olympia-Mitbewerber, deren man sich in diesem Jahr noch nicht durch die Androhung eines kollektiven Emporhüpfens von 1,3 Milliarden Chinesen erwehren konnte. Doch die Zeit arbeitet für den dicken gelben Mann und seine zahlreichen Nachkommen. Noch finden die High-Tech-Spiele in bunter Artenvielfalt unter braun-grauem Wasserdampf (chinesisch für Smog) und energetisch aufwendig illuminiert in modernstem Ambiente statt, wo sich einst Gebetsmühlen in Graureiher-Pagoden zu Räucherstab und Wasserspiel drehten und nun für die Grünen Spiele 1,5 Millionen Menschen zwangsumgesiedelt wurden. Chinas Start ins 21. Jahrhundert ist die zweite Kulturrevolution und damit die einzige Kopie, deren Original aus dem eigenen Land kommt. Dass die Sportler bei einem perfekt ausgestalteten Terminplan keine Zeit für Stadtbummel und Sightseeing haben, ist daher kein wirklicher Verlust, längst beschränken sich die historischen Wurzeln der Stadt auf den traditionellen Buddha im Eingang eines jeden chinesischen Restaurants, deren neuste Spezialität „Peking-Ente im Vogelnest“ ist. Wer mehr möchte, kann ja nach Lhasa fliegen. Für alle anderen berichten gleichgeschaltete Medien über die per Dekret angeordneten Goldmedaillen für einheimische Gladiatoren. Ein 40 Milliarden Spektakel, um Chinas Fackellauf durch eine protestierende Welt von 204 teilnehmenden Nationen hinauf auf den Mount Everest und hinab in die Niederungen politischer Diplomatie vergessen zu machen. Bleibt zu hoffen, dass das olympische Motto „Eine Welt, ein Traum“ bald Wirklichkeit wird und die Welt aus dem (Alp)Traum China aufwacht.
artwork
Drei Zinnen Walping
Juli 26, 2008
Was dem Franzosen der „kleine Tod“, ist dem Bergwanderer der Lohn der Mühe, die Aussicht. In aller Regel verhangen vom Schweiß vor den Augen oder trüber Inversionswetterlage in der Lieblingswanderzeit, dem Spätsommer. Trendy in hightech Funktionsoutfit stellen sich die Messners und Norgays für Arme Walkingstock bewaffnet an, um sich Samstag für Samstag den ortsnahen Hausberg hinauf zu quälen. Dabei werden sie lediglich von noch gequälter dreinschauenden MTB-Fahrern überholt, zumindest bergrunter. Ja, Wandern ist im Trend, so schick, dass man glatt einen entsprechend hippen Sportbegriff kreieren müsste, z.B. mountaining oder auch walping für walkende Alpenbesteiger. Eine von diesen ist unsere heutige Bloggerin, unter Freunden auch liebevoll die Dolomitengemse genannt, nachdem sie ihre Tour der Leiden quer durch die Marmalada der sitzfaulen Webgemeinde mitgeteilt hat und damit ausreichendes zur Aufklärung und Abschreckung Turnschuh bekleideter Flachlandalpinisten getan hat. Ja, der Ruf der Berge ist hörbar, noch lauter aber der Ruf des Wahnsinns in den Köpfen derer, die den Berg nicht erwandern, sondern zur Bergstation hinauf rennen als ob es kein Morgen und keine Kneipe im Tal gäbe. Unlängst an der Zugspitze liefen einige davon das letzte Mal hinauf und vor dem schönen Wetter davon, hinein in Schneesturm und Erschöpfungstod. Getoppt werden diese Midlife Crises Auswüchse nur noch durch die Hochalpintourengeher, die statt sich um Frau und Kind zu sorgen, lieber eine Woche auf 7000 Meter Höhe im Nanga Parbat biwakieren, um die Tiefen der Seele und den Abgrund des Ichs zu erfahren, getreu dem Motto: Wer lang genug in den Abgrund schaut, in den schaut er irgendwann zurück.
artwork
Der Gomez Faktor
Juni 17, 2008
Da rollt er wieder, der Augapfel des Zuschauers, wenn er unsere Jungs der Nationalmannschaft dem EM-Ball hinterher laufen sieht. Bereits der Begriff „laufen“ ist so dehnbar wie die Zeit, die vergeht, bis es einem unserer Kicker einfällt, sich dem Gegner in den Weg zustellen. Da verkommt Manndeckung zum Trikottausch und der gemeinsamen Dusche nach dem Spiel, eigentlich überflüssig, wenn kein Schweiß fließt. Stattdessen stehen die Miezis sich gegenseitig im Weg, immer auf der Suche nach dem besten Platz, sich das Spiel live und aus nächster Nähe anzusehen. Schön, wie der Gegner sich bewegt, schön, welche Pässe möglich sind und wenn Flanken zum Tor führen, Applaus, eine kleine Verneigung zum Torschützen und der hehre Vorsatz, das auch mal zu können, wenn man groß ist. So staunen klein Michael und Basti (der allerdings außerhalb des Spielfeldes), was die Großen mit so nem Ball alles können und Mario hofft, nach dem Spiel ein Autogramm von Herrn Ronaldo zu bekommen, das große und um Jahre jüngere Vorbild, das unsere Jungs von der Playstation kennen. Ist aber auch eine selten dumme Idee, 90 Minuten einem Ball nachzulaufen, wenn im Training jeder einen hat und es viel lustiger ist, sich Nutella aufs Brot zu schmieren als bei Wind und Wetter den Clown für pfeifende Zuschauer zu geben. Zuschauer werden eh überschätzt, drum findet die EM ja auch in Österreich und der Schweiz statt, da passen erst gar nicht so viele von diesen eher störenden Kulissenheinis ins Stadion. Selbst unsere Bundestrainer sitzt dort, um sich das Elend auf dem Platz nicht länger vom Spielfeldrand aus ansehen zu müssen. Die Uefa allerdings begrüßt die deutsche Spielweise, werden doch so werbewirksame close-up’s möglich und Zeitlupen überflüssig, denn wenn das gefilmte Objekt steht, gibt’s auch keine verwackelten Bilder. Vermutlich haben die österreichischen Gastgeber ähnlich gedacht, als sie den Marketingslogan „Zu Gast bei Verlierern“ für die EM wählten, wissend, dass man Gäste wie die Deutschen nur mit Humor oder aber Schadenfreude erträgt. Ein kleiner Trost jedoch bleibt, denn der Deutsche fährt nach dem Spiel wieder nach Hause, die Wohnwagen des Titelanwärters hat Österreich noch Wochen auf Rast- und Campingplätzen, in Parkanlagen und Tiefgaragen, vor Feuerwehrzufahrten und Kindertagesstätten stehen. Drum ein Sieg für Oranje, denn jeder bekommt die Gäste, die er verdient.
artwork
Fußball Blog
April 7, 2008
Wie wird 2020 der Fußball aussehen? Ja, rund, wie aber das ganze Drumherum? Antworten darauf findet man neben vielen anderen großen und kleinen News zur schönsten Nebensache der Welt auf dem heutigen Fußball Blog. „Wechselnde Trikotsponsoren während des Spiels, wie wir es bereits von den Webebanden kennen oder die Spieler dribbeln dank 3D um das Bierglas auf dem heimischen Tisch.“ So mal eine Vorstellung hierzu. Ansonsten gruppieren sich harte Fakts munter um verwegene Themen wie Promibesuche auf Bolzplätzen dieser Welt, interaktive Europakarten in den Farben der Champions League Sieger mit Zusatzinformationen beim Draufklicken oder des TV Fußballers liebstes Hobby: Statistiken. Ein paar Youtube Filmchen mit der Blutgrätsche des Monats oder einem Fußball spielendem Hund runden den Fan-Blog ab. Für die wahren Informationsjunkies sind aber auch Pressekonferenzen oder Hintergründe zur anstehenden Europameisterschaft gepostet. Insgesamt findet man fast alles zum nationalen und internationalen Bubensport, in dem die Frauen, zumindest in Deutschland die Hosen anhaben. Wem das alles zu ernsthaft scheint, kann unter diversen Links zu anderen Fußball-Blogs wählen mit so illustren Namen wie Strafstoss, Pfostenschuss, Fritten, Fussball & Bier oder Fussballer reden viel. Hier aber wird geblogt bis die Flasche leer oder das Runde im Eckigen ist.
artwork

