Haste mal ne Mark?
Dezember 18, 2008
Mit dem Dezember erwacht bei vielen Radiostationen, Fernsehanstalten und kirchlichen Kindergärten das soziale Gewissen und mit ihm der Wunsch, noch einmal richtig Kasse bis zum Jahresausklang zu machen. Entsprechend werden im 5 Minutentakt Jingles oder Werbespots voller emotionaler Rührdramatik geschaltet, um das deutsche Volk zur Rettung der Welt aufzurufen. Wer die Geldbeutel der Eltern bereits bis November geleert hatte, kann alternativ all den überflüssigen Geschenkekram des Vorjahres unter seinem Kinderbett hervorkramen oder dem Hund wegnehmen und zusammen mit für 50 Jahre gefriergetrockneten Lebensmittel in Care-Pakete für all die Kinder der 3. Welt packen, egal ob diese in Frankreich, England oder Berlin leben. Ja, die Guten unter uns teilen und das meist lauthals an jedem der vier Adventssonntage auf allen Medienkanälen und Einkaufspassagen der Welt mit, wie gut es tut, sein Herz nicht an Dinge zu hängen und sich solidarisch mit den weniger vom Wirtschaftswunder Beschenkten zu zeigen. Allen voran unsere Politiker, die es gewöhnt sind, anderer Leute Geld auszugeben und sich von Berufswegen für das Elend der Welt zuständig fühlen, das es ohne sie gar nicht gäbe. Im Zeichen der geöffneten Hände ist es zwar dem gemeinen Volk untersagt, Müllfahrern, Straßenkehrern und anderen Großverdienern im öffentlichen Dienst ein Trinkgeld zu geben, aber für eine Schüssel Reis in Indien oder 2 Quadratmeter Regenwald dürfen wir unsere Sparschweine schlachten. Es lebe die Weihnachtszeit, die es uns alljährlich vors Auge führt, wie schlecht und habgierig wir doch sind und wie wichtig es ist, die personalintensive Gutmenschenverwaltung von Rote-Kreuz & Co zu finanzieren. Was dann noch übrig bleibt, geht an die deutsche Post fürs Porto drauf, um die mit Liebe und Ramsch gepackten Pakete dorthin zu schicken, wo noch Platz ist im Keller ist, weil sich dank Klimaerwärmung oder Wüstensand die Anschaffung einer Skiausrüstung nicht lohnt. Wem das zu zynisch klingt, darf gern gegen Flutkatastrophen, Wirbelstürme oder Missernten dank gigantischer Stauseeprojekte anspenden oder sich unter folgendem Link über aktuelle Spendenaktionen informieren. Aber schnell machen, denn spätestens wenn die Sternsänger vor der Tür um Süßes betteln, sind die Spendierhosetaschen des Deutschen wieder zugenäht, denn Weihnachten ist fern.
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Ps: Wer auf der heutigen Blogempfehlung vergeblich nach Einträgen sucht, darf gern seine Spende an mich schicken. Kontonummer kommt auf Anfrage.
Fickfresse mit Niveau
August 25, 2008
Wer Köln nicht mag, ist auf der heutigen Blogempfehlung goldrichtig und wird sich mit dem V.i.S.d.P. der Seite auf einer Wellenlänge befinden. Vermutlich auch bei Themen wie den Ausschlussbegriffen „Deutschland und Bildung“ oder „vaginale Blinddarmentfernung“, womit der auf meinem Blog meist gesuchte Begriff „Vagina“ trafficsicher platziert ist. Was unter der Rubrik „Niveau!Los!“ gepostet ist, liest sich nicht nur mit Gewinn, sondern unterhält weit über der liebenswerten Tiefstapelei des Blogtitels. In loser Folge werden die kleinen Ecken und Kanten des Alltags abgerundet und lassen Spielraum für den Humor, den man in einer Welt vom Tiefgang einer Frau Ypsilanti schmerzlich vermisst. Es verbietet sich in dieser Blogvorstellungskolumne, eigene satirische Querschläge zu verstecken, zu pointiert, amüsant und detailgenau stehen die einzelnen Beiträge meines heutigen Links für sich und lassen keinen Platz eigener Profilierungssucht. Als Motto über den meisten Beiträgen könnte stehen: Nichts ist komischer als die Realität, bedenkt man allein die Kluft zwischen einem naiven Kinderberufswunsch und der Stufe, die Busfahrer auf der Beliebtheitsskala deutscher Berufsbilder einnehmen. Da braucht es kaum noch ergänzender Worte, so man selbst dem täglichen Horror einer Busfahrt im Berufsverkehr ausgesetzt ist. Aber auch politischer Alltag treibt Otto Normalblogger manche Träne ins Auge und schärft die Bleistiftspitze, wenn es darum geht, der Links-Rechts-Verblödung auf die Spur zu kommen und sich zur ersten Stasi-Kneipe Berlins zu äußern. Stattdessen schlägt das Herz für Minderheiten, seien es deutsche Olympiasieger im Synchronspringen oder Hitlers Friseur. Langer philosophischer Traktate über die transzendentale Welt im Allgemeinen und den Sinn des Lebens im Besonderen müde, kommt mein aktueller Lieblingsblogger mit 3 Zeilen aus, die mehr sagen als tausend Stunden Einbürgerungstest:
Mein Gegenüber geht an sein Handy und brüllt:
“Isch bin Hauptbahnhof, Alta!
Isch bin Feierabend!
Isch bin Resturlaub, Junge!”
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Psycho Logisches
Juni 14, 2008
Wenn Sie am Morgen das Ihnen unbekannte Gesicht im Badspiegel nicht waschen wollen, ist das noch kein Anzeichen für eine gespaltene Persönlichkeit. Auch das Engegefühl in der anschließenden UBahnfahrt muss kein Symptom für eine Agoraphobie sein, vermutlich fahren schlicht zu viele Personen mit. Auch dass Sie nicht jedem, der Ihnen auf der Straße entgegen kommt, in die Augen schauen, beweist noch kein soziophobes Verhalten, sondern beugt schlichter Reizüberflutung vor, gilt es doch die Schaufensterauslagen in den diversen Mobilfunkläden, Optiker- und Schuhgeschäften, Coffeeshops, Mobilfunkläden, Optiker- und Schuhgeschäften, Starbucks und Mobilfunkläden wahrzunehmen. Nicht zu vergessen, die Überschriften in den Tageszeitung der zahlreichen Aufsteller vor jeden zweiten Handyladen, Brillengeschäft oder Balzac-Kaffeehaus. Die jedoch nicht zu kaufen, ist keine anakastisch-sparsame Eigenschaft, sondern bloße Überlebensstrategie, denn das Lesen des Restes dieser Boulevardblätter würde wichtige Lebenszeit kosten. Sich im Büro auch einmal für etwas unzuständig zu erklären, kann konflikthaftes Beziehungsverhalten ahnen lassen, muss es aber nicht. Auch muss nicht jeder, der die Karriereleiter aufsteigen möchte, im aktuellen Vorgesetzen den zu ermordenden Vater sehen und Ödipus gleich mit seiner Mutter schlafen. Führt – außer in Russland – auch nicht jeder Mord am Chef zur entsprechenden Beförderung, hier hätte man besser seinen Freud gelesen. Die Folgen der sich regelmäßig anschließenden Inhaftierung stellen eine mit den eigenen Lebenszielen kollidierende Änderung der persönlichen Umweltbedingungen dar und legen den Grundstein für Ängste, Zwangshandlungen und Analfissuren. Sich daraus ergebendes Vermeidungsverhalten lässt den Angstkreislauf rotieren und lädt zu munteren affektiven Störungen, ortsnah Depression genannt, ein. Wie viel besser ist man da als Pauschaltourist in einem all inklusiv Club mit allabendlichem Buffet dran, wenn konditionierte Vorratshaltung neue Gipfelrekorde auf den Tellern vermelden lässt. Angstverhalten findet sich aber auch im täglichen Kampf gegen GEZ-Eintreiber, Zeugen Jehovas, Rotkreuzsammler, Vertreter fußgemalter Postkarten oder tätowierter Zeitungsabo-Anbieter, deren Verkaufserfolg die Bewährungszeit verkürzen hilft. Hier spart das Nichtöffnen der Tür manch lästiges Ausweichen und Konfabulieren. Für die übrigen von einer Persönlichkeitsstörung Betroffenen rate ich, das Ritzen einzustellen, den Kühlschrank wieder zu schließen und den anschließenden Link zur Selbsttherapie zu öffnen.
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Gefängnisblues
Mai 28, 2008
Um 5 Uhr früh kamen sie, ohne großes Sirenengeheul, einfach vorgefahren, zweimal klingeln, Handschellen und der Haftbefehl auf rosa Papier, das Ticket zu einer neuen Zukunft mit geregeltem Tagesablauf und drei Mahlzeiten am Tag, paradiesisch. Etwas lästig das Aufnahmeritual rund um das „ausziehen, duschen, bücken – Drogentest“, aber dann gibt’s frisch gewaschene Einheitskleidung, es herrscht Dresscode und ein paar warme Worte über das künftige Geben und Nehmen, das heißt, dir wird alles genommen, was du geben kannst. Willkommen im Knast. 6 Uhr wecken, kleine Runde im Hof, Freunde treffen, Schutzgeld zahlen und dann Frühstück. Schwarzbrot, Streichfett und Marmelade aus Pappkübeln, Ferienlagerfeeling. Die Exekutive hält den restlichen Vormittag Hof. Frage nach einem Wörterbuch, Deutsch ist hier Glücksache, doch den Bücherausweis für die Hausbibliothek gibt’s erst mit der Vollmitgliedschaft, doch der Richter ist auf Radeltour in Mecklenburg-Vorpommern. Mittag könnte besser sein, italienisches 4 Sterne Niveau, aber zum Überleben reichts, nur Wein zu pappigen Pasta an Nichts wäre nett gewesen. Anschließend Stippvisite auf der Krankenstation, die Gabel muss wieder aus der Rippe raus, hatte sich beim Stolpern über ein ausgestrecktes Bein des ostanatolisch schauenden Kollegen in meine obere Bauchseite verirrt, kann ja mal passieren. Narkose gibt’s nur Mittwoch, muss ich mir merken, wenn mich der Ostanatole das nächste Mal um meinen Nachtisch bittet. Nachmittag frei, dann Hof- und Stuhlgang, bisschen Straßenkampf im Zellentrakt und Vollkorn mit Mettwurst, alternativ Hartkäse zum Abend, es lebe die Abwechslung. Danach Einschluss und Licht bis 22 Uhr. Der nächtliche Alarm bleibt aus, endlich wieder durchschlafen, da fehlt es an nichts. Und ja, Männer schnarchen. Ob ich morgen den Zirkus noch mal mitmache, weiß ich noch nicht, in jedem Fall werde ich mich als erstes beim Koch erkundigen, ob es auch Semmeln gibt. Schwarzbrot zum Frühstück ist Folter.
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Wut im Bauch
Mai 15, 2008
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