Ballmanns Leiden

Januar 30, 2009

Vor Gericht soll man wie auf hoher See allein in Gottes Hand sein. Dann sind mit den drei in Deutschland bekannten Instanzen vermutlich die drei Weltreligionen gemeint, wobei man sich noch streitet, welches Symbol an den Wänden der Bundesgerichte hängen soll. Doch spätestens seit der Europäische Gerichtshof mit seiner Rechtsprechung für manch kopfschüttelbedingtes Halswirbeltrauma sorgte, fragt man sich, welche Legitimation dieser habe. Den Buddhismus, schreien Christel Schmidt und Schultz-Hoff, doch von Erlösung ist man in Luxemburg weit entfernt. Also doch eine Naturreligion, deren Anhänger staunend vor Blitz und Donner und falsch gekrümmten Speisegurken auf die Knie gehen? Doch dort befindet sich bereits der Heilige Vater und küsst gegenwärtig den afrikanischen Boden, so er denn noch ein Stück Erde vor lauter schnaxelnden Negern (Zitat: Gloria von Turn und Taxis) findet. Da wiegt es wenig, dass es auch noch ein eigenes Kirchengericht gibt, das in schöner Regelmäßigkeit den Kondom tragenden Katholiken als Sündebock für das Elend auf der Welt geißelt.

Im Hinblick darauf wiegen die Alltagsfälle auf dem heute besprochenen Richter-Blog weit weniger schwer und dienen höchstens einem Vaterunser als einer gänzlich neuen Religion. Dennoch menschelt es dort, dass es eine Freude ist. Im Namen des Volkers werden Gerichtsfälle und juristische Alltäglichkeiten zur Diskussion gestellt, des Volkes Bauchgefühl herausgefordert und gezeigt, dass Recht nur selten etwas mit Gerechtigkeit gemein hat. Ebenso wenig wie mit journalistischer Berichterstattung über die Folgen der Gewaltenteilung und Interpretation der Ergebnisse von Legislative und Judikative. Hier krümmt sich des Juristen Fußnagel und lässt uns Zeitungswissen mit gänzlich neuen Augen sehen. Unbildung wäre oft besser als Halbbildung oder das, was man in Zeitungen zu lesen bekommt. Das kumuliert anschließend mit zahlreichen Kommentaren diverser Justiz-Opfer oder -Täter, wobei letztere, im allgemeinen Sprachgebrauch Anwälte genannt, auch gern Antworten abladen, die nicht zwingend zur gestellten Frage passen, doch dass ist ein Richter ja gewöhnt.

Für die übrigen Leser ist es ein schöner Einblick in die manchmal unfreiwillig unterhaltsame, manchmal tragische Alltagswirklichkeit eines Richteramtes, das von allem unabhängig ist, nur nicht von der Dummheit derer, über die es zu Gericht sitzt.

 

Richter Blog

 

artwork

 

Alles was Recht ist

November 30, 2008

Hmmm, Beck? Da gabs mal so einen SPD-Teddybären, der sich vornahm, die Welt zu erobern, oder wenigstens deutscher König zu werden. Legenden ranken sich um diese tragische Figur, die irgendwo zwischen Rheinischem Schiefergebirge und Pfälzerwald im Mainzer Becken auf der Strecke blieb. Ähnlich einem Yeti soll das scheue Wesen von Stammtisch zu Stammtisch unterwegs sein, immer auf der Suche nach der verloren gegangenen Basis. Doch gesehen hat ihn bislang kaum jemand. Ähnlich wie den Beck-Blog, der mit Kurt Beck neben dem Namen auch den Grad an öffentlicher Zuwendung teilt, frei dem Motto: Beck? Wer ist Beck? Ja, Rufus Beck als Harry Potter Vorleser oder Becks, gleich welchen Geschmacks sind aus dem Leben der Generation Praktikum nicht mehr hinweg zu denken. Ein juristischer Fach-Blog hingegen hat es da schon schwerer, so ohne Zauberstab und Orange-Zimt als neue weihnachtliche Geschmacksrichtung. Fern ab von Bildmaterial und Videostream, nur dem Wort und mancher Paragrafenkette verpflichtet, stellt die 40 Watt Birne über den Schreibtischen der kleinen, aber feinen Zahl der Expertenblogger bereits den größten Lichtblick in dem bisherigen Schattendasein dieses juristischen Webcommunity-Versuches dar. Schlagzeilen wie aus der Rubrik „Wirtschaft und Recht“ der regionalen Ortspostille finden sich bereits auf unterhaltsameren Plattformen und sind zum Einpacken des Silvesterkarpfens anders als die normale Tageszeitung gleichfalls ungeeignet. Doch was tut man nicht für ein bisschen Traffic im ach so hippen Web2.0 Markt. Da riskiert der eine oder andere Verlag gern ein paar tausend Euro für überbezahlte Communitymanager, lassen sich doch Kosten und Aufwand nirgends so gut verstecken wie in der nebulösen Welt der Blogs und Blogger, wo Idealismus Urstände feiert und Wirtschaftlichkeit gleich hinter Seriosität und Bedeutsamem folgt, nämlich ganz hinten. Doch aller Anfang ist schwer, auch für namhafte Fachbuchverlage, die sich ihre Klientel zwischen Bundesverfassungsgericht und dem BILD-Rechtsrat zusammenlesen dürfen. Da heißt es kreativ zu sein, auch wenn die Idee des Blogs kaum noch wen hinter seinem „Palandt“ hervorholen dürfte und mit der ursprünglichen Idee eines Web-Tagebuches schwerlich vereinbar scheint. Hier tut Hilfe not. Drum zerreißt eure Rechtsschutzversicherungen, kündigt eurem Anwalt des Vertrauens und abonniert den Beck-Rechtsblog, denn bald ist Weihnachten und damit Zeit für gute Taten. Lasset ab vom Schmücken des Baumes, Versenden von Grußkarten und vom festtäglichen Kochen und Backen, denn der chefkoch.de-Blog hat bereits mehr als 81.000 Abonnenten, dem kaum mehr als 100 versprengte Rechtsratssuchende beim Beck-Blog gegenüberstehen. Drum kein Mitleid, nur ein bisschen Lese- und Lebenszeit, denn anders als Kurt Beck hat der Beck-Blog vielleicht noch eine Zukunft.

 

Beck Blog

 

artwork

 

Anwalts Liebling

August 28, 2008

 

 Woran merkt man, dass ein Anwalt lügt? Seine Lippen bewegen sich.

  

Natürlich ist der obige Witz üble Nachrede, gemein und trifft auf 5% der Anwaltschaft gar nicht zu. Aber die anderen Witze über diese beliebte Berufsgruppe waren weit boshafter. Doch all die Vorurteile, dass Anwälte selbstverliebte Geldsäcke sind, die sich mit Gott verwechseln und ihre Meinung nach dem Wind hängen, der am meisten Geldnoten herbeiweht, treffen doch weiß Gott nur auf Mediziner zu. Stattdessen reden wir von einer Berufsgruppe, denen halbjährlich tausende hochqualifizierte, hungrige und streitsüchtige Nachwuchsjuristen aus den Unis vor die Füße gekippt werden, doch der Kuchen wird nicht größer. Der Staat pickt sich die Rosinen raus und die Wald-Feld-und Wiesenkanzleien schießen aus dem Boden. Doch die Druckerschwärze der Briefköpfe ist oft noch nicht ganz trocken, da werden erste Kanzleischilder auch schon wieder abgeschraubt, Laufkundschaft zahlt sich nicht aus. Dass es dennoch mancher versucht und mit Humor nimmt, beweist unser heute empfohlener Rechtsberatungs-Blogger, der seine potentiellen Kunden ihm schon mal über die Schulter schauen lässt. Ja, der Anwaltsberuf könnte schön, angesehen und lukrativ sein, wären da nicht die Mandanten und deren zeitintensiven, kleinlichen Problemchen, die mit einem Schlag ins Gesicht oft behoben wären, aber die goldenen Zeiten sind vorbei. „Wenn ich Recht hätte, bräuchte ich keinen Anwalt.“, dieser oder ähnlich qualifizierte Sätze verfolgen den idealistischen Junganwalt bis in den Schlaf und lassen die Träume von beruflichen Alternativen farbiger werden. Fragen Sie mal ihren Taxifahrer, wie viele Semester Jura er vor dem Geschichtsstudium absolviert hat. Der Lack ist ab, spätestens, wenn die Reno-Fachangestellten älter sind als der Anwalt selbst oder beginnen, statt berufskleidungsvorgeschriebenen Miniröckchen Hosen zu tragen und ihre Rechte zu Arbeitszeit und Urlaub kennen. Nein, die Welt ist nicht so trivial und Anwälte wollen zu Recht ernst genommen werden, das wollen Busfahrer auch. Dass Juristen per se humorlos sind, ist ebenfalls unrichtig, nur lachen sie vermutlich über andere Dinge als der potentielle Mandant. Wen dennoch ein gelegentlich mit einem Augenzwinkern verpackter Blick in die Untiefen der Juristerei interessiert, sollte eine Rechtsschutzversicherung abschließen und folgenden Link zu Rate ziehen. Aber ohne Gewähr.

 

Rechts Blog

 

artwork