… oder Neulich im Blog
Mai 26, 2008
Neulich als das Wetter noch weniger Thema als heute war und das Leben insgesamt spannender, ja neulich als die Schwalben tief flogen und das Wetter schlechter wurde, da dachte ich mir, wie es neulich doch noch so schön war und die Kinder draußen spielten. „Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft.“ philosophierte schon Wilhelm von Humboldt, als dessen eigene fast vorüber war und er in das Alter kam, als nicht nur Früher alles besser war, sondern man sich das Heute nicht mehr merken konnte. Manchmal lohnt es jedoch, mit dem Gestrigen zu brechen, um unbeschwert ins Morgen gucken zu können und den Bauchschmerz von heute zu vergessen. Worte, wie Butterberge, gestern gebaut, heute von der europäischen Sonne beschienen und morgen ranzig auf dem Weg in die Dritte Welt, deren Zukunft bereits heute Vergangenheit ist. Da bleibe ich doch in der Früh lieber länger liegen als mich müde für ein Morgen hoch zu quälen, von dem ich gestern noch nicht einmal wusste, dass es dieses gibt und mich heute frage, ob es sich überhaupt lohnt. Die halbe Welt rennt einer besseren Zukunft hinterher und erreicht sie nie, denn das hat Zukunft so an sich, sie ist immer morgen, weshalb der Satz „Was du heute kannst besorgen, verschiebe nicht auf morgen.“ keinem ach so hellen Geist entsprungen sein dürfte. Hier halte ich es ähnlich wie mit dem um einen Tag versetzten Lesen der Tageszeitung, deren Nachrichten morgen größtenteils bereits überholt sind, was Auswahl und Lebenszeit spart. Drum lautet die Frage nicht „Was sollte ich endlich mal tun?“, sondern, „Was kann ich getrost liegenlassen?“. Damit entfällt auch das oft zwanghafte Führen von immer länger werdenden to-do-Listen, denn was ich sein lasse, kann ich auch vergessen. Wer sich dennoch erinnern möchte, schreibt einen Blog, so wie den Heutigen, den ich neulich auf dem Weg vom Gestern ins Morgen fand.
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