Denk mal drüber nach

Januar 21, 2009

Etwas Elementares kommt meines Erachtens in letzter Zeit immer kürzer, nämlich der einst gute Brauch, sich über etwas Gedanken zu machen. Egal ob es sich dabei um das Unwort des Jahres der „notleidenden Banken“, die Fallhöhe des neuen Messias Barack Obama oder die Frage, ob sich Minderjährige beim Verschenken eigener Nacktbilder der Kinderpornografie schuldig machen, handelt. Letzteres wurde in den USA bereits ausgeurteilt und droht nach jüngsten EU-Plänen auch bald in Deutschland zum bisherigen Tiefstand vernünftiger Gesetzgebung zu werden, macht man sich darüber mal Gedanken. Wer kann sich noch an die SPD erinnern? Für die noch im letzten Jahrhundert Geborenen war es einst eine Volkspartei mit dem Herzen auf dem rechten Fleck, also der linken Brustseite. Da dieses Gleichnis bereits Kopfschmerzen beim sich darüber Gedankenmachen bereiten kann, kam man überein, die SPD für entbehrlich zu erklären, hat ihr Kurt Beck und irgendeine Ypsilanti zur Seite gestellt, um spätestens zur nächsten Bundestagswahl sicher zu gehen, diesem Überbleibsel gewerkschaftlich verseuchten Klassenkampfes das Lebenslicht auszublasen. Der Vollstrecker heißt „5 Prozent Hürde“ und die Erben sind FDP, die Autopartei und die Al Qaida, deren Regierungsbeteiligung jedoch nicht vor 2017 geplant ist. Und es gibt noch mehr Themen, die ein Nachdenken lohnen, wenn nicht gerade etwas im Fernsehen kommt, was spannender als die „Next-Uri-Geller-Show“ ist. Da das aber bereits bei den morgendlichen Webcamera-Aufnahmen der Dritten Programme der Fall ist, gehen Themen wie die Bischofsweihe revisionistischer Kirchgänger ebenso unter wie die spannende Frage, ob ein Staat pleite gehen kann? Die Antwort verlor sich im allgemeinen Jubel über die Abwrackprämie der Zeugnisse damals noch deutscher Wertarbeit, als Frau Merkel (Achtung Kinder: das ist die Bundeskanzlerin und keine HartzIV Empfängerin aus der Serie „Unter uns“) in ihrem newsblog kleinlaut mitteilte: „Yes he can!“. Gut also, dass dieser Staat seine Notgroschen zinsfrei bei den notleidenden Banken anlegt, die ihm das Geld für weitere Konjunkturprogrammen zB. für die Autozulieferindustrie gegen eine entsprechende Gebühr zur Verfügung stellen. Das ist der Kreislauf, den man sich schon immer im Lokal gewünscht hat: „Herr Ober, bitte zahlen, aber bitte keine großen Scheine, ich kann nicht rausgeben…“.

Wem hiervon noch nicht der Kopf raucht oder bei wem der Fernbedienung die Batterien fehlen, kann auf Andis nachdenklichem Blog ein paar mehr Themen finden, die in der wöchentlichen Singgruppe oder im Chatroom zum Austausch minderjähriger Nacktbilder nichts zu suchen haben, aber zum Gedanken machen reizen.

 

Gedanken Blog

 

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Neulich als das Wetter noch weniger Thema als heute war und das Leben insgesamt spannender, ja neulich als die Schwalben tief flogen und das Wetter schlechter wurde, da dachte ich mir, wie es neulich doch noch so schön war und die Kinder draußen spielten. „Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft.“ philosophierte schon Wilhelm von Humboldt, als dessen eigene fast vorüber war und er in das Alter kam, als nicht nur Früher alles besser war, sondern man sich das Heute nicht mehr merken konnte. Manchmal lohnt es jedoch, mit dem Gestrigen zu brechen, um unbeschwert ins Morgen gucken zu können und den Bauchschmerz von heute zu vergessen. Worte, wie Butterberge, gestern gebaut, heute von der europäischen Sonne beschienen und morgen ranzig auf dem Weg in die Dritte Welt, deren Zukunft bereits heute Vergangenheit ist. Da bleibe ich doch in der Früh lieber länger liegen als mich müde für ein Morgen hoch zu quälen, von dem ich gestern noch nicht einmal wusste, dass es dieses gibt und mich heute frage, ob es sich überhaupt lohnt. Die halbe Welt rennt einer besseren Zukunft hinterher und erreicht sie nie, denn das hat Zukunft so an sich, sie ist immer morgen, weshalb der Satz „Was du heute kannst besorgen, verschiebe nicht auf morgen.“ keinem ach so hellen Geist entsprungen sein dürfte. Hier halte ich es ähnlich wie mit dem um einen Tag versetzten Lesen der Tageszeitung, deren Nachrichten morgen größtenteils bereits überholt sind, was Auswahl und Lebenszeit spart. Drum lautet die Frage nicht „Was sollte ich endlich mal tun?“, sondern, „Was kann ich getrost liegenlassen?“. Damit entfällt auch das oft zwanghafte Führen von immer länger werdenden to-do-Listen, denn was ich sein lasse, kann ich auch vergessen. Wer sich dennoch erinnern möchte, schreibt einen Blog, so wie den Heutigen, den ich neulich auf dem Weg vom Gestern ins Morgen fand.

das Blogorakel

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