die magische Langeweile

Januar 12, 2009

Müde bin ich, geh zur Ruhe, mache beide Augen zu. Damit könnte eine Rezension über die zweite Staffel der „The Next Uri Geller Show“ beendet und umfänglich besprochen sein. Doch es war viel schlimmer. Hätte es nicht wenigstens einer der selbsternannten Mentalisten vorhersehen können, dass dieses Sendeformat von keinem außer den Teilnehmern und müden Rezensenten geschaut wird? Das wäre ein echter Kandidat für den nächsten Uri Geller Löffelbieger gewesen, was mir und vor allem den Betreibern des heutigen Blogfundstückchens eine Menge Lebenszeit erspart hätte. Stattdessen quälen sich und uns die Kandidaten vom Format des Hausmeisters an meiner Grundschule durch eine Reihe von Karten- und Wahrsagetricks, die zu Houdinis Zeiten schon einen Bart hatten und höchstens kleine Kinder hinters Licht geführt hätten. Unbekannte C-Promis als ähnlich müde Staffage ergänzen dieses Trauerspiel um den einzigen Menschen, der dadurch berühmt wurde, dass keiner glauben konnte, er wolle mit verbogenem Besteck die Welt beeindrucken, Uri Geller. Diese Idee war so armselig, dass man ihn in die sonst noch leeren Sendeformate in den Anfängen privater Fernsehunterhaltung einlud, wo anderenfalls Hugo Egon Balder Titten gezeigt hätte. Zum Glück waren diese lausigen Zeiten bald vorbei und Verbraucherinformationen spannender als Uri Gellers Peinlichkeiten. Leider erreichte mit der Klingeltondownloadwerbung auch das Fernsehen eine Niveautiefe, dass selbst Uri Geller eine zweite Chance bekam. Eine Stimme rettete ihn vor der alternativ von der Senderedaktion angedachten Wiedereinführung des Testbildes. Diese Stimme gehörte Stefan Gödde, der als Moderator dieser Show entweder sein soziales Jahr ableistet oder auf Bewährung ist, anders lässt sich dessen Spritzigkeit, ähnlich einer dreitägigen Urinprobe, nicht erklären. Das Konzept der Sendung ist kalkulatorisch ein Gewinn, selbst wenn kein Zuschauer so am Boden ist, um sich vor dem finalen Rettungsschuss noch diesen Alptraum anzusehen. Uri Geller machts für ein warmes Mittagessen, den engagierten Mentalisten mit HartzIV Anspruch genügt schon ein Freigetränk und die angeblichen Promis werden zahlen, um überhaupt einmal im Fernsehen zu sein und nicht alternativ ins Dschungelcamp zu müssen. Somit liegen die Einnahme über den Ausgaben, was allein Grund genug ist für Pro7 die Toten auferstehen zu lassen, wenn auch selten so grausig wie bei Uri Geller, dem Heilsbringer für die Menschen, denen das Leben wenig Geist und noch weniger Hoffnung geschenkt hat und die nun sehen, dass man mit noch weniger sogar ins Fernsehen kommt. Die angestaubten Taschenspielertricks der durch die Magierprüfung gefallenen Aushilfsillusionisten der Next Uri Geller Show kann jeder in seiner auf sein Handy downloadbaren Glaskugel oder unter folgendem Link nachlesen:

 

Next Uri Blog

 

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Die X Akten

August 1, 2008

Para-News: Frau fühlte sich von kleinen grünen Männchen verfolgt und lief daher bei Rot über den Fußgängerüberweg. Tod.

Wer davon nun den Beweis für die Gefahr aus dem All ableitet und sich im Kornkreis seines Gartens versteckt, hat die Rechnung ohne Nessi im Teich und den Yeti hinten in der Scheune gemacht, denn die wahre Gefahr lauert zuhause, hinter einer Glas- oder LCD Scheibe. Ja Fernsehen schadet, fast ebenso wie der ungebremste Internetkonsum, auch wenn es in beiden Fällen von der Auswahl abhängen soll. Doch hier beginnen bereits die unerklärlichen Phänomene des Alltags, die persönlichen X Akten voller Irrungen und Wirrungen und medialem Wahnsinn bei der Infoflut, die es zu beherrschen gilt, hätte man denn die Auswahl. Tatsächlich treiben uns morphogenetische Felder vor sich her, wabern durch unser Gehirn und funken auf Frequenzen, von denen wir nachts Alp träumen. Trunken ob solcher Interferenzen suchen wir nicht mehr nach Informationen, sondern werden gefunden von Sprechblasen und Comicstrips, die alle ein Ziel haben, zu verhindern, dass wir hinter die Wahrheit unserer Existenz kommen. Die Antwort auf alle Fragen unseres Hier und Jetzt, dem Woher und Wohin und Warum ist nicht 42, sondern die Summe aller Informationen, die uns vorenthalten werden. Um diese Lücke nicht zu groß werden zu lassen, brennen in schöner Regelmäßigkeit aller paar Jahrhunderte die großen Bibliotheken der Welt und leeren den Wissens-Cache der Menschheit. Deshalb bestimmt auch Grundlagenforschung und nicht Wissenszuwachs unser Weltbild und definiert, was wahr ist und was nicht sein kann, weil es nicht sein darf. Spezialisierung statt crossdisziplinäre Forschung. Auch so kann man die Welt vor grünen Männchen schützen, denn wer nicht hinschaut, kann auch nicht gesehen werden oder hält sich an die Straßenverkehrsordnung.

Paranormaler Blog

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