Wenn kleine Kinder beim Hinfallen nicht mehr schreien, lag früher Schnee und es war Winter. Heute ist immer noch Winter, aber es liegt kaum noch Schnee, zumindest nicht dort, wo gewöhnlich kleine Kinder fallen. Diese knallen in mitteleuropäischen Städten seit Jahren trotz eisiger Temperaturen auf den Asphalt und die Flocken füllen als Regen den Atlantik und halten sich fern vom Festland. Deutschland geht regelmäßig zum Jahresende das Wasser aus und auf den wenigen noch befahrbaren Skipisten drängelt sich der Mob. Kein Wunder also, dass thüringische Ministerpräsidenten Mitkonkurrentinnen um die freie Piste zu Tode fahren müssen. Von nichts kommt nichts. Und schuld daran sind nur die Klimaerwärmung und China. Es ist schick, China für das Elend in der Welt verantwortlich zu machen, nachdem man den USA nicht einmal mehr das zutraut, aber in Sachen Umweltschutz haben die tatsächlich noch Reserven. Hier bleibt zu hoffen, das Deutschland clever genug ist, die eigene Umwelttechnologie in China produzieren zu lassen, um sicher zu gehen, dass die das dann spätestens in zwei Jahren kopieren und für den halben Preis in die ganze Welt exportieren. So kann man auch die eigenen CO2 Quoten sicherstellen und etwas für den Schnee auf den Straßen Europas tun, damit Kinder, die fallen, nicht mehr schreien müssen. Winter und Schnee, keine Selbstverständlichkeit mehr, anders als Regen im Sommer, daran hat man sich bereits gewöhnt. Wo früher die Jahreszeiten den Rhythmus des Jahres bestimmten, wird das Jahr heute durch das Blühen der Bäume im Februar, das Hochwasser im Mai, Sintflutartige Regen im August und Stürme im Oktober unterteilt. Für die Pistenkönige von gestern empfiehlt sich daher als neuer Extremsport Kitesurfen, wenn man sich Dank Lenkdrachen und Wakeboard unter den Füßen unabhängig vom städtischen Nahverkehr bei Sturmflut ins Büro spülen lassen kann. So gesehen, bietet die Klimaänderung ganz neue Möglichkeiten für Freizeit und Unterhaltung. Gänzliche neue Gewerbenischen befriedigen den sich ändernden Bedarf und bieten Alternativen zum bald langweiligen Bungeespringen oder Downhillfahren. Tauchen in abgesoffenen Ubahnschächten, Kochen mit holländischen Tomaten oder für eher politisch Interessierte das in Mode kommende „Schläfer Wecken“ sind die Zukunft. Die Zeiten ändern sich und mit ihnen unsere Vorlieben und Lebensinhalte. Wo früher Geranien auf Balkonen blühten, sieht man heute dank des Klimawandels Bananenstauden und Obstplantagen auf Dachterrassen, denn auf den Feldern wachsen Raps, Zuckerrohr oder Fotovoltaikanlagen, man möchte doch den Ölmultis ein Schnäppchen schlagen. Monokulturen gegen die Kartelle und zur Entlastung der Dritten Welt, denn die können nun wieder ihren täglichen Bedarf selbst anbauen, nachdem deren einzigen Exportartikel jetzt auch in mitteleuropäischen Breiten gedeihen. Das Klima wird globalisiert und mit ihm Umweltkatastrophen, Hunger und niedere Beweggründe bei der Verhinderung sinnvoller Lösungen zur Rettung des Weltklimas. Es leben der Fortschritt und die Möglichkeit, sich über Alternativen und die verbleibende Zeit bis Highnoon in Umweltfragen auf folgendem Blog zu informieren.

 

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Donnerwetter

Juli 14, 2008

Trübsal blasen ist die am wenigsten erotische Form oraler Unterhaltung und führt in der Regel zu Schwermut, Weltschmerz und anderen deutschen Untugenden. So düster wie ein grauer Sommerregentag, dessen einziger Lichtblick der aus den beleuchteten Fenstern der Daheimgebliebenen ist. Wetter, der Anfang vom Ende und die jährlich enttäuschte Hoffnung auf die Klimaerwärmung. Statistisch führen graue Novembertage die Selbsttötungsquote an, doch wäre es nicht leichter, sich an einem schwülwarmen, trostlosen Julitag von der Brücke ins 35 Grad warme Industrieabwasser zu stürzen, als sich im November nach Feierabend und tristem Couchsitzen nochmals aufzuraffen? Auch eine Zumutung für die Rettungskräfte, denn auch die wollen in der nasskalten Jahreszeit nicht zwingend länger als nötig vor die Tür. Da liegen der Griff zur Flasche und Gewalt innerhalb von Familien nah beieinander und der Samen für Völkermord und Genozid sind gesät. Nun können Menschen von Luft und Liebe allein kaum überleben, aber etwas Sonnenlicht täglich hebt Stimmung und Gemüt und sorgt damit mehr für den Weltfrieden als Nato, Unesco und Uefa zusammen. Rechnet man mit einer durchschnittlichen Lebenszeit der Sonne von 4 Milliarden Jahren bleibt genug Zeit für die Errichtung des Paradieses hier auf Erden, ohne ein ominöses und von Religionen zersetztes Jenseits bemühen zu müssen. Wichtigstes Utensil zur Erreichung dieses Zieles ist richtige Kleidung und ein Handtuch, falls jemals vor der Zeit die Erde einer intergalaktischen Autobahn weichen müsste. Bedenkt man diese Tragweite, sollte Schluss sein mit dem ewigen Jammern über Temperaturschwankungen, Hitzerekorde, Schneemangel und Hochwässer infolge von Monsunregen in der Sahara. Wetter sollte nicht als profanes Smalltalkthema verheizt oder als Ausrede für das Ende eines verpfuschten Lebens missbraucht werden. Wetter ist vielmehr der Kleber, der die Existenz ans Dasein heftet und das Oben mit dem Unten verbindet, betrachtet man es philosophisch. Auf einen Nenner gebracht: Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter, oder es bleibt wie es ist.

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grüner Daumen

Mai 2, 2008

Mühsam zwängt sich Licht hinter den Wolken hervor, Schatten werden länger und das Grau weicht aus manchem der Gesichter, die eisern seit Februar die Biergärten bevölkern auf der Suche nach dem nächsten Jahrhundertsommer. Der April schwindet und mit ihm die Leere auf deutschen Balkonen. Sie löst die in den diversen Gartencentern ab, die bleibt, wenn die Armee der Klein- und Hobbygärtner wieder abgezogen ist, bepackt mit den Utensilien zum Erschaffen von Leben. Hat Gott hierfür noch 6 Tage benötigt, schaffen es Karl-Heinz von Gartenparzelle E28 oder Gisela aus dem zweiten Stocke mit Balkon der Wohneinheit 72 in fast 4 Stunden, all den Blumen- und Pflanzkram aus dem Kofferraum in die heimischen Beete und Blumenkästen zu verbringen, streng nach dem im Internet ausgedruckten Pflanzplan und hübsch nach Komplementärfarben sortiert. Dieses Jahr stehen politisch korrekter Tibet-Paprika und vom Aussterben bedrohter Zwerg-Sequoia einerseits und andererseits Männertreu und Crassula marginalis, auch “Red Charlotte” genannt, auf der TopTen Liste der Gartencenterinvasoren. Wer hier an die Reaktion von Charlotte Roche auf das eigene erotisch-pornografische Machwerk „Feuchtgebiete“ denkt, hat den heutigen Themenblog noch nicht besucht. Denn dann wüsste der Blumenkasten-Napoleon, dass es sich hierbei um eine zarte Nutzlosigkeit in Rote-Beete-Rot für den Südseitenbalkon handelt. Geeignet aber auch für Fensterbank, Lichtschacht oder hinter den Papiertonnen im Hof. Da lacht des Botanikers Herz über soviel im Frühjahr aufgebrachte Liebe, die spätestens in 8.000 Meter Höhe auf dem Flug ins hawaiianische Urlaubsparadies ein jähes Ende nimmt. Dass der Benjamini pünktlich mit dem Ende des Jahresurlaubs ausgetauscht gehört, ist man ja gewöhnt. Doch dass auch Zwergbirke und japanischer Edelhibiskus Wasser benötigen, war ein alle Jahre wiederkehrendes Novum. Doch nichts ist schöner, als regelmäßig zum Gartencenter seines Vertrauens zu pilgern, außer vielleicht zum Baumarkt oder zu IKEA, denn dort gibt’s bekanntlich auch Pflanzen.

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