Von ganzem Herzen

Dezember 21, 2008

Jedes Jahr werden die Farben bunter und die Töne surroundiger, die Fernseher größer und die Werbeclips länger. Die Welt ist auf der Suche nach dem ultimativen Geschenk, das bei all dem Überfluss in Kellern und auf Speichern aus der grauen Menge klebrig bunten Unrats herausschaut. Das brillante Einzelstück oder ein einzelner Brillant, den Mädels wirds egal sein, solange es schön und teuer, am besten schön teuer ist und die beste Freundin kein vergleichbares Schmuckstück an Bauchnaben, Nasenloch oder Klitoris trägt. Gut dass wir uns über eigene Ideen zum Fest keine Gedanken mehr machen müssen, eine Fahrt in der UBahn genügt bereits, um ausreichend mit Werbeflyern und wenig unterschwelligen Botschaften an ein erwünschtes Konsumverhalten versorgt zu sein. Von allergiefreien, weil felllosen Hunden (für die Präsidenten-Töchter) bis hin zur Brustvergrößerung für 11jährige, alles was das Herz will und der Geldbeutel kann. Wem das alles noch zu langweilig ist, kann sich auch gern in einer Tauchglocke zur Titanic herab lassen und dafür 30.000 Euro versenken. Wenigstens aber hat man was zum Angeben vor den Kollegen im neuen Jahr. Auch senkrecht Hochhäuser hinab rennen liegt dieses Jahr voll im Trend. Am besten vor der Gesundheitsreform schnell noch in eine Krankenkasse wechseln, die das oder ausreichend psychologische Betreuung übernimmt. Ansonsten greifen Männer ideenreich entsprechend den wechselnden Moden und Launen der zu beschenkenden Damen zu Originellem wie Parfüme oder Schals und Frauen finden einen von Ronaldo oder Ronaldino handsignierten Golfball, sind aber sauer, wenn er murmelt, dass es ein Premiere Abo auch getan hätte. Am leichtesten sind Großeltern oder andere Personen zu beschenken, die schon alles haben oder zumindest das auf die Frage nach Wünschen entgegnen. Den schwersten Fehler, den man dann machen kann, ist das ernst zu nehmen und von teuren Präsenten abzusehen. Fast so schwer, wie der Satz zur Freundin „Dieses Jahr schenken wir uns mal nichts, Schatz“. Da sind Minusgrade unterm Baum garantiert. Wer nicht gerade eine neue Freundin auf dem Wunschzettel stehen hat, sondern die alte noch ein Jahr ertragen möchte, sei gut beraten, auf folgendem Link nach Geschenkideen zu suchen, bevor alljährlich der 24. Dezember völlig unerwartet anbricht und Pralinen von der Tankstelle die letzte Rettung sind.

house-running-nikolaus Geschenke Blog

artwork

Haste mal ne Mark?

Dezember 18, 2008

Mit dem Dezember erwacht bei vielen Radiostationen, Fernsehanstalten und kirchlichen Kindergärten das soziale Gewissen und mit ihm der Wunsch, noch einmal richtig Kasse bis zum Jahresausklang zu machen. Entsprechend werden im 5 Minutentakt Jingles oder Werbespots voller emotionaler Rührdramatik geschaltet, um das deutsche Volk zur Rettung der Welt aufzurufen. Wer die Geldbeutel der Eltern bereits bis November geleert hatte, kann alternativ all den überflüssigen Geschenkekram des Vorjahres unter seinem Kinderbett hervorkramen oder dem Hund wegnehmen und zusammen mit für 50 Jahre gefriergetrockneten Lebensmittel in Care-Pakete für all die Kinder der 3. Welt packen, egal ob diese in Frankreich, England oder Berlin leben. Ja, die Guten unter uns teilen und das meist lauthals an jedem der vier Adventssonntage auf allen Medienkanälen und Einkaufspassagen der Welt mit, wie gut es tut, sein Herz nicht an Dinge zu hängen und sich solidarisch mit den weniger vom Wirtschaftswunder Beschenkten zu zeigen. Allen voran unsere Politiker, die es gewöhnt sind, anderer Leute Geld auszugeben und sich von Berufswegen für das Elend der Welt zuständig fühlen, das es ohne sie gar nicht gäbe. Im Zeichen der geöffneten Hände ist es zwar dem gemeinen Volk untersagt, Müllfahrern, Straßenkehrern und anderen Großverdienern im öffentlichen Dienst ein Trinkgeld zu geben, aber für eine Schüssel Reis in Indien oder 2 Quadratmeter Regenwald dürfen wir unsere Sparschweine schlachten. Es lebe die Weihnachtszeit, die es uns alljährlich vors Auge führt, wie schlecht und habgierig wir doch sind und wie wichtig es ist, die personalintensive Gutmenschenverwaltung von Rote-Kreuz & Co zu finanzieren. Was dann noch übrig bleibt, geht an die deutsche Post fürs Porto drauf, um die mit Liebe und Ramsch gepackten Pakete dorthin zu schicken, wo noch Platz ist im Keller ist, weil sich dank Klimaerwärmung oder Wüstensand die Anschaffung einer Skiausrüstung nicht lohnt. Wem das zu zynisch klingt, darf gern gegen Flutkatastrophen, Wirbelstürme oder Missernten dank gigantischer Stauseeprojekte anspenden oder sich unter folgendem Link über aktuelle Spendenaktionen informieren. Aber schnell machen, denn spätestens wenn die Sternsänger vor der Tür um Süßes betteln, sind die Spendierhosetaschen des Deutschen wieder zugenäht, denn Weihnachten ist fern.

Spenden Blog

artwork

Ps: Wer auf der heutigen Blogempfehlung vergeblich nach Einträgen sucht, darf gern seine Spende an mich schicken. Kontonummer kommt auf Anfrage.

ein Quantum Trost

November 12, 2008

Wer krank ist, geht zum Arzt und wem das nicht hilft zum Bestatter. Der Unterschied ist, dass es bei Letzterem kein Wartezimmer gibt und der Ruf „der Nächste bitte“ pietätlos wäre. Wenn nicht gerade die Titanic auf offener See versinkt, ist das Bestattungswesen trotz oder gerade wegen der Gesundheitsreform ein krisensicheres Gewerbe, denn gestorben wird immer. Nur nicht immer so menschlich, wie es bei dem bloggenden Sargnagel der heutigen Linkempfehlung den Anschein hat. Ob Brandner Kasper oder Bruder Hein, der Gevatter Tod ist ein Misanthrop und übellauniger Geselle, geht er doch über Leichen und macht keine Gefangenen. Umso erfrischender, dass manche seiner little Helper dem Leben näher als der Grube sind und die auf ihrer Warteliste stehende Welt daran teilhaben lassen. Wählerisch darf man als Bestatter vermutlich nicht sein, auch nicht gerade zimperlich beim Abtransport von vor Monaten einsam in ihrer Einszimmerwohnung Verstorbener. Auch die tägliche Freude über Kundschaft dürfte angesichts deren bettlägeriger Mienen kaum offenen zu Tage getragen werden, ein schallendes „Grüß Gott“ wirkt da ebenso deplaziert wie ein warmes „Auf Wiedersehen“. Gut dass man die Rechnungen per Post schicken kann, sich immer der Gefahr bewusst, hierfür wegen seelischer Grausamkeit verklagt zu werden. Ja, vor den Leichenschmaus hat der Liebe Gott und die kommunale Gemeinde das Bestattergespräch mit den Angehörigen gesetzt. Ein therapeutisches Wagnis für beide Parteien, eine Gratwanderung zwischen einem Quantum Trost und 10% Gewinnspanne, Taschentücher inklusive. Aber es ist wahrlich an so vieles zu denken. Allein die Grundsatzfrage „Einäschern oder Verwesen lassen“ hält Wunden offen und lässt Gefühlen freien Lauf, hier heißt es für den Bestatter Humor bewahren, den es bei der Herrichtung der Verstorbenen zu verbrauchen gilt. Kein dankbares Geschäft, der Letzte zu sein, der sich am Verblichenen noch mal die Hand abwischt. Doch dann sind da auch noch die Nachlassverwalter, meist angeheiratete Angehörige, die seit Jahren den Tag herbei sehnen, sich der Altlast des Erblassers zu entledigen und ein Auge darauf haben, dass das notwendige Übel der Bestattung nicht unnötig das Erbe schmälert. Zu guter Letzt gibt es noch die, die vorbereitet sein wollen und sich zu Lebzeiten um Grab und Prozedere kümmern, bestenfalls in Begleitung des zu Versterbenden. Für deren Fragen stehen Blog und Verfasser bereit und bleiben keine Antwort schuldig, egal ob es sich um die Rasur verstorbener Frauenbeine oder den Verbleib zu Tode geherzter Haustiere dreht.

 

BestattungsBlog

 

artwork

 

auf die Spritze getrieben

Oktober 25, 2008

Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann? Dieser Spruch aus Kindertagen bekommt anlässlich der Ereignisse in Amerika eine ganz neue Bedeutung. Allerdings sollte man sich eher fragen, wovor der Schwarze Mann Angst hat angesichts der düsteren Wirtschafts- und Finanzsituation in der Welt und mordlüsterner Islamisten in staubigen Berghöhlen. Ja, man kann sich vor so vielem fürchten und den Kopf in den Sand stecken, kann sich – nach amerikanischem Verfassungszusatz – eine Pistole unters Kopfkissen legen oder sein Geld in selbiges packen, fürchtet man um die Zahlungsunfähigkeit der Banken. Doch oft sind die Ängste weit alltäglicher und beginnen am Morgen, wenn man den Schlüssel nicht findet und fürchtet, zu spät zur Arbeit zu kommen oder man findet ihn und kommt zu früh, um zu erfahren, dass die immer angehimmelte Kollegin sich vor Dienstbeginn erstmal von Ihrem Chef über den Schreibtisch legen lässt. Dann sind dort auch noch die iiih-Phobien, seien es Spinnen, Schlangen, Geschlechtsorgane oder anderer eher an außerirdisches Leben erinnernder Biomüll. Nichts, was die Menschheit wirklich umtreibt, den einzelnen aber an den Rand der eigenen Belastungsgrenze führen kann. Ähnlich wie der Versuch, ohne Netz und doppelten Boden die Dachrinne seines 5 Etagenhauses zu richten, um festzustellen, dass einem bereits beim Steigen auf einen Stuhl der kalte Schweiß von der Stirn rinnt. Das ist Stoff für Alpträume und Therapiesitzungen, und nichts, was sich mit Medikamenten oder gar Spritzen behandeln ließe. Impfungen gehören vielmehr zu den Top-Phobien des Alltags. So bedeutend, dass dieser Angst sogar ein eigener Blog gewidmet ist, womit mal wieder bewiesen ist: Es gibt nichts, was es nicht gibt. Da werden müde Erwachsenenaugen wieder groß und die Kindheit präsent, der böse Onkel Doktor mit dieser gläsernen Folterkanüle erhebt sich drohend über dem schlotternden Patienten mit den Worten „jetzt kann’s kurz ein wenig pieken“. Und der gleißende Schmerz ist da, verteilt sich unter der Haut und schiebt sich die Arterien entlang ins Hirn, frisst sich dort fest und taucht phantomartig bei jedem Anblick dieser medizinischen Tortur in Film und Fernsehen wieder auf. Unerbittlich lässt er uns zusammenzucken und den Kopf wenden, lässt Metzger weich und lediglich Hypochonder glücklich werden. Ob nun staatliche Finanzspritzen für die leer gezockten Banken ähnliche Zustände hervorrufen, kann nur vermutet werden.

Spritzen Blog

artwork

Good morning, Jamie!

Oktober 22, 2008

Die mit schönsten Gründe für ein Internettagebuch gibt Felicitas auf ihrem lustig, launigen bilingualem Blog „Felis_Wor(l)d“.

 

If you wonder, what this blog is for and about, I can tell you this much: Nobody really knows and nobody really cares… It’s about daily things that just happen and come up in my mind. It’s about thoughts, about points of view, important and unimportant things…

words about the world

Perfect speaking und genau meine Meinung, denn Blogs waren eine gute Weile persönliche Tagebücher, in der die Welt mitlesen und manchmal auch kommentieren konnte. Heute blogt die Welt und persönliche Einträge verlaufen sich gelegentlich auf deren Guestbook. Nein, früher war nicht alles besser – außer vielleicht die Kindersendungen im Fernsehen -, aber ein Stückchen heile Welt erobert sich mein Herz, wenn ich Felis Geschichten lese und sie über den Großen Teich in ihre zweite Heimat Amerika begleite. Als Wandlerin zwischen den Sprachgrenzen beider Staaten sucht sie gelegentlich nach dem Platz, wo sie hingehört und vertraut Tagebuch und Leserschar ihre Sehnsüchte nach gutem Essen, Becks in NewYork, Kartoffelbrei bei Muttern und Mocca bei Starbucks an, verschweigt aber auch nicht, dass Hershey’s chocolate in Deutschland einfach nicht so schmeckt wie in den Weiten Virginias, shoppen aber auch außerhalb von Wal Mart & Co Spaß machen kann.

 

Felicitas ist eine 22 Jahre junge Düsseldorferin, die neben Kino und Fotos Menschen und Beziehungen liebt, Schokolade vergöttert und ohne Mobiltelefon nicht aus dem Haus geht. Wenn das dann auch noch in den Staaten steht, eine Haustür in Pink und einen Weißwein gefüllten Keller hat, fehlt dem Glück nur noch eines, nämlich Jamie Oliver’s Kochsendung zur besten Frühstückszeit auf CNN. Doch der Sender ist letztlich egal.

 

Felis Blog

 

artwork

Frauen sind charmant, bezaubernd, unersetzlich und manch anderes, solange man keine hat. Hockt sie einem erst auf der Bude, dekoriert die einst ZEN buddhistische strenge Kahlheit der Zimmer, sortiert die DVD Sammlung nach Farben der Rückencover und stellt das Buchregal mit Ildiko von Kürthy Schwarten voll, bleibt nur noch eines übrig: Kopfschütteln. Da ist noch kein einziges Wort gewechselt, was das bedächtige Schwenken der männlichen Denkzentrale zu einem HWS verursachenden Wirbeln beschleunigen würde. Ja, die Kunst, das Denken durch das Aussprechen der Gedanken zu imitieren, klappt meistens solange, so lange es der männliche Partner schafft, den Redeschwall zu ignorieren. Erhöhen sich Frequenz und damit unweigerlich Tonhöhe und Dringlichkeit des Verlautbarten fällt auch die letzte Festung innerer Ruhe und der Kampf um das Gesprochene und Gemeinte, das Erinnerte und Vergessene oder schlicht die Bodenhoheit im Leben des anderen beginnt. Wer sich 400 Folgen Loriot sparen möchte, braucht sich nur eine Freundin anzuschaffen und ihr den eigenen Wohnungsschlüssel zu geben. Dann ist die Kindheit wirklich vorüber und der Ernst des Lebens beginnt. Der Vorteil, Büroarbeit in einem Einzelzimmer plötzlich ausreichend unterhaltsam zu finden, zerrinnt mit jeder Minute, die man versäumt, Überstunden zu machen und heimkehrt. Meist in eine Wohnung, die man so nie gemietet hatte und auch nie bewohnen wollte. Wieso müssen Socken im Schrank liegen, wenn man sie vom Fußboden aus deutlich leichter anziehen kann? Auch ist das Einstellen von Milchprodukten in das Kühlschrankregal, wo einst Bierflaschen standen, ökonomisch fragwürdig. Bier ist teurer als rechtsdrehender probiotischer Magerjughurt, zumindest wenn man das Sixpack unterbringen möchte. Der Kampf um die Fernbedienung ist ein alter und nicht mehr zeitgemäßer Hut, da das Programm mittlerweile unterirdischer als ein Gespräch über den letzten Shoppingausflug der Holden ist. Doch die Teufelin lauert im Detail des täglichen Beziehungswahnsinns. Kein Nebensatz ist zu unbedeutend, als dass man(n) und frau ihn nicht missverstehen könnten und man Rosen krieg(t) statt Blumen mitzubringen. Äußerst beredte und anschauliche Beispiele liefert der beziehungsgeplagte Blogger der heutigen Linkempfehlung mit brillanter Beobachtungsgabe und reichlichem Wortwitz. Mit Nerven wie Drahtseilen lässt er uns teilhaben am täglichen Scharmützel um des Kaisers Bart oder der Prinzessin’s Erbse. Hier prallen die Welten logischer Nüchternheit und weiblicher Logik aufeinander und amüsieren den, der sich bislang als Single einsam fühlte. Für alle anderen mag es tröstlich sein, dass die Schmerzen an den Schläfen nicht vom Partnertalk, sondern vom Schütteln des Kopfes darüber kommen.

weiblicher Logik Blog

artwork

Auf Achse

September 16, 2008

Liebe Bloggemeinde, spannende Reisen durch das world wide web liegen hinter mir, mit ihnen 78 Tagebucheinträge zu lustigen, kuriosen, ernsten und informativen Blogs. Ich brauche eine kreative Pause und schnüre für 2 Wochen meinen Rucksack, greife zum Wanderstab und dimme hier das Licht. Was macht ein Blog-Reisetagebuchschreiber im Urlaub? Er wandert von Block(hütte) zu Block(hütte) und schweigt. Doch der Leser honoriert kein Ruhen und deshalb verspreche ich nicht nur weitere satirische Tagebucheinträge auf meinen Reisen durchs Netz, sondern biete hier noch einmal die Möglichkeit, einige wenige nette Fundstücke der Blogosphäre ein zweites Mal zu besuchen. Wem das nicht genügt, kann sich auf meinem Blogroll die Zeit vertreiben und für Traffic sorgen.

Kopf zu und Augen auf für folgende Blogs:

Sex- und Erotik Blog

Schnipselfriedhof

Beetlebum’s Toon Blog

Hausmeister Blog

Blog TV

Grenzerfahrungs Blog

Kunst Blog

Kuriositäten Blog

Bahn Blog

artwork

Fickfresse mit Niveau

August 25, 2008

Wer Köln nicht mag, ist auf der heutigen Blogempfehlung goldrichtig und wird sich mit dem V.i.S.d.P. der Seite auf einer Wellenlänge befinden. Vermutlich auch bei Themen wie den Ausschlussbegriffen „Deutschland und Bildung“ oder „vaginale Blinddarmentfernung“, womit der auf meinem Blog meist gesuchte Begriff „Vagina“ trafficsicher platziert ist. Was unter der Rubrik „Niveau!Los!“ gepostet ist, liest sich nicht nur mit Gewinn, sondern unterhält weit über der liebenswerten Tiefstapelei des Blogtitels. In loser Folge werden die kleinen Ecken und Kanten des Alltags abgerundet und lassen Spielraum für den Humor, den man in einer Welt vom Tiefgang einer Frau Ypsilanti schmerzlich vermisst. Es verbietet sich in dieser Blogvorstellungskolumne, eigene satirische Querschläge zu verstecken, zu pointiert, amüsant und detailgenau stehen die einzelnen Beiträge meines heutigen Links für sich und lassen keinen Platz eigener Profilierungssucht. Als Motto über den meisten Beiträgen könnte stehen: Nichts ist komischer als die Realität, bedenkt man allein die Kluft zwischen einem naiven Kinderberufswunsch und der Stufe, die Busfahrer auf der Beliebtheitsskala deutscher Berufsbilder einnehmen. Da braucht es kaum noch ergänzender Worte, so man selbst dem täglichen Horror einer Busfahrt im Berufsverkehr ausgesetzt ist. Aber auch politischer Alltag treibt Otto Normalblogger manche Träne ins Auge und schärft die Bleistiftspitze, wenn es darum geht, der Links-Rechts-Verblödung auf die Spur zu kommen und sich zur ersten Stasi-Kneipe Berlins zu äußern. Stattdessen schlägt das Herz für Minderheiten, seien es deutsche Olympiasieger im Synchronspringen oder Hitlers Friseur. Langer philosophischer Traktate über die transzendentale Welt im Allgemeinen und den Sinn des Lebens im Besonderen müde, kommt mein aktueller Lieblingsblogger mit 3 Zeilen aus, die mehr sagen als tausend Stunden Einbürgerungstest:

Mein Gegenüber geht an sein Handy und brüllt:

“Isch bin Hauptbahnhof, Alta!

Isch bin Feierabend!

Isch bin Resturlaub, Junge!”

Blog mit Niveau

 

artwork

 

Teufelskreis

Juni 26, 2008

War das ein Herzaussetzer? Oh Mann, ein Infarkt, kalter Schweiß. Wo ist ein Stuhl? Kein Wunder, 80 Stunden Woche und der Kantinenfraß. Zum Glück hat die Frau einen Liebhaber, sonst würde einen die eheliche Pflicht ins Grab bringen. Und jetzt fällt die Pumpe aus. Oder war es ein Stich in der Lunge, ein Karzinom? Tennisball groß und streut im ganzen Körper. Klar bei 30 Zigaretten am Tag und jeden Morgen und Abend im Stau, Straßendreck und Abgase, da kann es nur bergab gehen. Starb Onkel Manfred nicht an Lungenkrebs, oder wars die Prostata? Ja, Pinkeln dauert auch immer länger. Doch wer in meiner Position hat schon Zeit zum Arzt zu gehen, wo nur alte Weiber rumsitzen, denen es daheim zu fad ist. Verlierer. Braucht man beide Lungenflügel? Vermutlich droht ein Multiorganversagen, aber keiner trinkt Wasser bei all den Geschäftsessen und die Auftraggeber aus Fernost erwarten Männer, keine Pussies, da gehört Saufen zum Geschäftsabschluss. Mein Vater hat auch gesoffen und ist über 80 geworden, liegt in den Genen. Aber spricht das Gelb im Augapfel nicht für ein Leber- oder Nierenversagen? Sticht es nicht seit Wochen beim Pinkeln? Naja, aber immer nur Bio, joggen und gesund ist auch Mist. Mein Nachbar, Marathonläufer und Bergsteiger, ist auch schon tot, wurde letztens vom Auto überfahren. Sport wird also überschätzt. Wieder ein Aussetzer. Doch wenn ich ausfalle, geht’s mit der Firma bergab, haben doch alle keine Ahnung. Kein Wunder, wenn die mit so wenig Geld im Monat auskommen, Versager. Würden den Stress nie aushalten, wenn jeder an deinem Stuhl sägt und alle Frauen von einem erwarten, dass man ihnen den Hof macht. Aber wie es in einem ausschaut, interessiert die Blutsauger nicht. Ich liege hier und sterbe und die Mäuse tanzen auf dem Tisch. Aber die werden noch sehen, was sie an mir hatte. Übrigens, wie fühlt sich ein Schlaganfall an?

Angst Blog

artwork

halbe Portion

Juni 11, 2008

Jetzt ist es amtlich. Diäten haben Tagesschau-Niveau erreicht, zumindest geben sie das aktuelle Titelthema des Nachrichtenmagazins Focus her. Natürlich könnte das auch der Ausverkauf von Werten seitens der Focus-Redaktion sein, aber soweit will ich die Fakten, Fakten, Fakten nicht bemühen. Der Zeitgeist zwingt wohl dazu, Themen wie den Europa-Staatsvertrag von Lissabon oder den Einzug der NPD in die Kreistage Sachsens zurückzustellen. Nachrichten scheinen ob der schwindenden Halbwertszeit der Aktualität ihrer Inhalte mehr denn je überschätzt und abgenommen wird in Zeiten wie diesen freiwillig. Das war auch schon mal anders. Das anorektische Diktat der Next-Model-Contests zwingt heute nicht nur Gina-Lisa, sondern auch namhafte Zeitungen zu Kompromissen. Da muss man sich über den Focus nicht ärgern. Gilt es aktuell, Minenfelder der deutsch-polnischen Fußballfreundschaft zu umfahren, soll doch die Leserschaft zumindest einen knapp bemessenen Mehrwert durch den Erwerb des jeweiligen Fachmagazins erhalten, der über die bloße Abwechslung auf dem Toilettensitz hinaus geht. Da zählen Klassiker und Diäten haben Konjunktur kurz vor der Sommerpause. Diese wird dann durch den Hinweis der deutschen Dermatologen-Vereinigung unterbrochen, dass Sonnenbäder und unbekleidete Aufenthalte im Freien das Krebsrisiko in tschernobylhafte Dimensionen steigern. Eine gute Ausrede für jene, die es fahrlässig versäumten, sich die Diät-Frühlingsausgabe des Focus zu besorgen und nun den Verzicht auf ein Liegen am See nicht mit 20 kg zuviel, sondern dem Selbstschutz vor malignen Melanomen begründen können. Damit diese Ausrede diesen Sommer unnötig wird, lohnt ein Klick auf den hier angeführten Blog zum Abnehmen mit Konzept, Strategie und Gottvertrauen. Für alle anderen empfehle ich: Fresst weniger und bewegt Euch.

Diät Blog

artwork