Höher, weiter, schneller
August 16, 2008
soweit es die körperfremden Substanzen, made in China, zulassen. Dank eines innovativen Beschränkens medizinisch möglicher auf absolut notwendige Nachweisverfahren durch das IOC bleibt der Sport und vor allem die Atmosphäre zum Gastgeber sauber, denn China boomt und mit ihm sämtliche Sponsoren der 29. Olympiade in einem Land von Bruderkuss und Rückenschuss. Wer hier Schlimmes denkt, hat die chinesische Seele nicht verstanden und die Gier des IOC unterschätzt. Lächeln, nicken und sich verbeugen, das sind die staatlich geförderten Tugenden und olympischen Disziplinen der Zukunft, für die China auch ohne Doping Gold gewinnen würde. Doch das ist ja gar nicht nötig, solange es auch mit alten asiatischen Heilkräutern von Bayer Chemie und Co funktioniert. Doch Kritik ist fehl am Platz. Sind wir nicht alle ein wenig China, Freunde von Glückskeks und Wantansuppe, Nr. 55 oder Ente süßsauer? Sei der Medaillenregen dem Gastgeber der grünen Spiele gegönnt, dem Ausrüster unserer Kinderzimmer, Lieferant von Mopedersatzteilen oder Generikamedikamenten noch vor Ablauf des Patentschutzes westlicher Pharmafirmen. Ohne China liefen wir nackt herum und hätten viel weniger Freizeit, weil Arbeit. Es ist der Lohn für gefühlte 100 Jahre kommunistischer Diktatur, in der der Einzelne für ein Kollektiv siegt und nicht für schnöden Ruhm und Mammon westlicher Dekadenz. Das kennt man noch von Russland, deren Rückkehr zur festen Hand Putins für diese Spiele und Goldmedaillen zu spät kam. Dass es auch anders geht, beweisen die USA mit ihrem Anti-Doping-Maskottchen Michael Phelps, der nach dem Motto „so lange man niemanden erwischt, ist er unschuldig“ zum medizinischen Wunder der Spiele wird. Einzelne behaupten sogar, er kann übers Wasser laufen und denken über eine neue Religion nach. Doch soll der Mehrzahl an Sportlern nicht Unrecht getan werden. Wer heute siegen möchte, muss früh anfangen. So turnen für China schon 10 Jährige, die statt Wachstums fördernder Substanzen einen gefälschten Pass erhalten, damit das IOC mit seiner kleinlichen Beschränkung auf ein Mindestalter von 16 beruhigt ist. So auch die Medien, die sich in der von China vorgegebenen Toleranzbreite ihr Feigenblatt an gehüstelter Kritik umhängen und damit ihren Beitrag zur geistigen Sauberkeit der Olympiade leisten. Danke.
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