Verwirrtes

Mai 8, 2008

Was ist unspannender als die Zeitung von gestern? Ein Abend mit Maischberger & Co. Dort trifft man auf Leute, die nicht nur der halben Nation zum Halse raushängen, sondern auch auf Themen, die die andere Hälfte auf die Palme bringen. So ist an alle gedacht. Doch seien wir großzügig gegenüber dieser Randgruppe aus überversorgten Politikern und globalisierungswütigen Unternehmern, deren Gruppentherapierunde entstammt noch einer Generation, die in Gesprächskreisen und mit Toiletten ohne Tür groß geworden ist. Das alles löst jedoch noch nicht das Problem des Informationsverdrusses in weiten Teilen der Bevölkerung, die eine Zeitung nur dann zur Hand nehmen, wenn sie den gekauften Frischfisch von Markt auswickeln. Hat das Internet als Informationsquelle das gedruckte Papier abgelöst? Noch sehe ich in den U-Bahnen Menschen mit dem Format mancher Tageszeitung von der Fläche einer japanischen Singlewohnung kämpfen, an Laptops auf jedem Schoß im morgendlichen Nahverkehr muss man sich erst noch gewöhnen. Da ist die Bahn schon weiter, auch wenn an den 2. Klassesitzen regelmäßig noch die Steckdosen fehlen. Jetzt kommen anlässlich der Fußball EM auch noch die TV Handys und erklären uns die Welt oder zuerst einmal die Abseitsfalle. Doch von der Sendung mit der Maus zum scheißenden Hund sind es nur ein paar Mouseclicks auf www.wirres.net, der heutigen Blogempfehlung. Der dort postende kritische Mitmensch ist vermutlich einer der drei verbliebenen Zuschauer bei Maischberger & Co und, kaum wage ich es auszusprechen, Zeitungsleser. Ich ziehe meinen Hut vor soviel frei verfügbarer Lebenszeit und danke in gleichem Atemzug für Informationen, die ich anderenfalls nur mühsam an zugigen Bahnhofskiosken oder wettergegerbten Zeitungsständern erhalten hätte. Das schafft er vermutlich infolge einer besonderen Zeiteinteilungstechnik oder Würgereizvermeidungstechnik bei 90% der Presseinhalte, die zum Glück morgen schon keinen mehr interessieren.

Wirrer Blog

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