von Dada bis Gaga
November 9, 2008
Wo Einsamkeit die Worte prägt,
und Leser seltne Gäste sind,
ein Dichter meist im Regen steht
und Lyrik aus dem Himmel rinnt.
Dieses fragwürdige Meisterwerk würde auf dem hier vorzustellenden Lyrik Blog vermutlich nicht oder wenn, dann „unter ferner liefen“ abgelegt werden. Lyrik und Prosa von Dada bis Gaga spannt jedoch einen weiten Bogen für Wortflechtereien aller Art und lässt Raum für das Nischenprodukt „Gedicht“. In einer Zeit, wo Gedichte höchstens noch in zweizeiligen Werbeslogans Verwendung finden, ein mutiges Projekt, nicht nur für Träumer und Romantiker. Wortkaskaden und Gedankenrinnsale, Reimeruptionen oder abstrakte Sinngebilde schaffen virtuelle Welten von Vier- und Mehrzeilern, ergänzt um manche Geschichte aus der Welt von Fantasie und trauriger Erinnerung. Humor und Melancholie sind die Säulen heutiger Reimkunst und lassen Raum, wo sonst dichtgedrängte Worthülsen das freie Denken erdrücken. Banales wird zur Kleinkunst, bei der die Schwierigkeit in der Weglassung besteht. Das Leben als Stichwortgeber ist in sämtlichen Zeilen der Wortverflechterin spür- und erlebbar. Keine Selbstverständlichkeit in einem Alltag, in dem Satire zum Zynismus mutiert und filigrane Lyrikweben von der Flut an unnötig Geschriebenem zerfetzt werden. Sensibel und dennoch laut, aufmerksam und dennoch bescheiden, verrückt und dennoch wahr kommen die Texte daher, verwischen die Eindrücke vom Hier und Jetzt mit den Erinnerung an eine Zeit, in der Gefühl und Lyrik noch verwandt waren. Doch herausgefordert durch Quergedanken und dadaistische Neologismen gibt sich mancher Text kämpferisch und wird zur Herausforderung für die kleinen grauen Zellen, deren Gedankensplitter gleich Schrapnellen Wunden hinterlassen, Narben, die in Erinnerung bleiben.
artwork
Halbwelt des Feuilletons
Mai 19, 2008
Ob Nacktbild oder Völkermord
heut Titelblatt und morgen fort,
doch erinnert bleibt so manch Bonmot
als gern geles’nes Feuilleton.
Heute mal wieder etwas mit Niveau nach dem Bodensatz von vor 2 Tagen, aber Internet ist wie Fernsehen, die Klugen werden klüger und die Dummen dümmer, deshalb ist bei mir auch mal für jeden etwas dabei. Wer lesen kann, ist bei der heutigen Blogempfehlung klar im Vorteil, besser noch, wer lesen liebt. „Der Umblätterer“, dargebracht vom Consortium Feuilletonorum Insaniaeque ist eine kleine dezente Nische im sonst knallbunten Kindergarten des medialen Blätterwaldes. Hier treffen Zeitungsleser auf Journalisten und sagen denen, was sie gern gelesen hätten, da macht umblättern Spaß. Aber nicht die tägliche Schlagzeile interessiert, sondern die heimliche Königin der Rubriken, das Feuilleton. Neben Anekdoten und Bonmots aus der Welt von Bleisatz und Druckerschwärze erspart ein Jahresrückblick der nominierten besten zehn deutschen Feuilletons ein knappes Dutzend Abonnements und manche Kinokarte, denn für Freunde des Zelluloids findet sich eine gleichsam prägnante Filmkritikrubrik, deren Kürze das Geheimnis der Information ist. Eine Handvoll lesewütiger Zeitungsjunkies buhlt um die mediale Mithilfe bei der Auswahl des Hotspots auf Seite 1 am Ende eines jeden Jahres. Hier zählen neben geschliffener Satire oder investigativem Scharfsinn in erster Linie die Höchstzahl der eingegangen Stimmen bis es heißt: Germany twelve points. In aller Regel setzt sich so Qualität durch, und das Ergebnis literarischer Fertigkeit vermag zu unterhalten, zu bilden oder zu beschämen, wenn man selbst einmal versuchte, auf wenigen Zeilen dem Zeitgeist den eigenen Stempel aufzudrücken.
artwork
Schnipselfriedhof
April 11, 2008
Volker ist lustig. Und Volker trinkt gern Brause. Volker kommt aus Berlin und hat bereits ein Buch geschrieben „Das Paradies am Rande der Stadt“. Toller Kerl der Volker und ein echt netter noch dazu. Wers nicht glaubt, guckt auf seine Seite. Dort blogt der Volker. Schreibt lustige Sachen und macht Werbung. Für seine anderen Ideen, denn Volker hat viele davon. Zum Bespiel „Kloß und Spinne“. Zwei aus Berlin wie der Volker und der Norbert. Doch der schenkt Bier aus, keine Brause. Das ärgert Spinne, den sonst nichts ärgert. Volker ärgern Nazis und Zugverspätungen, denn Volker fährt viel Zug. Das muss er auch, weil er nämlich auch Autor ist und Geschichten schreibt. Die liest er dann den Menschen vor und die lachen, denn der Volker ist lustig. So hat es Volker richtig gut, immer unterwegs und Freunde in allen Städten, die mit ihm lachen. Manchmal ist Volker auch im Fernsehen. Erzählt dort seine Geschichten und sagt auch mal so Sachen wie „Hat alles seine zwei Seiten. Zwei doofe, wenn man Pech hat.“. Dann klatschen alle und Volker freut sich. In seinem Rucksack stecken lustige Dinge, die er auf den Reisen braucht und immer ein Buch. Nicht sein Buch, das gibt’s ja auf seiner Seite zu kaufen. Dort schreibt Volker auch jeden Tag ein wenig aus Berlin oder wo er halt grad ist, da er ja viel herum fährt. Und ganz viele Menschen antworten ihm, weil sie Volker gern haben. Wer andere zum lachen bringt, hat selbst viel zu lachen. Naja, außer bei Kloß, der nicht, doch das ist eine andere Geschichte. Volker macht auch lustige Fotos. Nicht solche wie andere im Urlaub, sondern ganz andere. Die sind bisschen doof, aber eben lustig so wie Volker, nur ist der nicht doof. Ach ja, der Volker ist ein Pfundskerl, so wie der andere vom Blog, der Andreas Krenzke. Aber den kenn ich nicht. So, Norbert eine Brause und was zum Geier sind Marilpen?
artwork