Kinderhand macht bunte Wand

Dezember 12, 2008

Es ist Bastelzeit, Weihnachten steht vor der Tür und tausende von Eltern und Großeltern wollen beschenkt, beglückt und zugemüllt werden mit von pummligen Kinderhänden windschief aufgeklebten Papierschnipseln und wackeligen Fotos mit abgeschnittenen Köpfen. Wunderbar. Herzige selbstgemalte Bilder voller Gleichgültigkeit gegenüber Farben, Formen und Inhalten zeigen, dass Kinderherzen frei von ästhetischen Zwängen sind und voller Lebensfreude, die mit den Jahren und dem Anstieg materieller Wünsche stetig abnimmt. Es ist lustig, wenn die Mama groß wie das hingekritzelte Hexenhaus ist, der jüngere Bruder an den Bildrand gequetscht wurde und Papa als schwarzer Barträger mit langen dünnen Fingern als Fremdkörper im Farbenmeer von gelbem Sonnegesicht und rotblauer Wiese dargestellt wird. Ja, das ist ein Pferd, keine Fußbank mit Ohren und einem Stock im Hintern. Und die Vögel fliegen ungefähr 5 Meter groß durch den sich ewig kringelnden Rauch, der aus dem viele Kinderbilder zierenden Schornstein entweicht. Kinderhand und Kindermund, wer das vermeidet bleibt gesund, aber auch wenig unterhalten. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, außer vielleicht dem nur gering ausgeprägten Renovierungsbedürfnis mancher Eltern, die die Wahl zwischen einem mit Knetmasse und Malstiften ruhiggestellten Kind oder einem ästhetisch schönen Zuhause haben. Beides geht nicht, aber bunte Striche an allen Wände in der Höhe deutscher Wachhunde oder allerlei munter in die Couchritzen verschmierter Bastelkram zeugen von einem regen Familienleben. Erlebnispädagogik auf dem Abenteuerspielplatz des heimischen Wohnzimmerteppichs, den es alle 2 Jahre auszutauschen gilt, doch anders wäre IKEA auch nie zu Ruhm und Reichtum gekommen. Fettmalstifte zwei Euro, Seidentapete 150 Euro, große Kinderaugen beim Betrachten der farbenfroh verschönerten Wandverkleidung unbezahlbar, denn damit ist das monatliche Kindergeld aufgebraucht. Wer sich eine weiße Ledercouch leistete, ahnte beim Kauf entweder noch nichts vom anstehenden Kindersegen oder hat es nicht anders verdient. Bestenfalls hoffen Besitzer von Kinderhand verzierter Möbelstücke auf die Entdeckung des kleinen Genies als neuem Damien Hirst und stellen die dem eigenen Schönheitsempfinden diametral gegenüber stehenden Kunstobjekte erst einmal auf den Speicher. 20 Jahre später kann solches die Rente sichern helfen, denn Kunst hat immer Konjunktur. Zur Ausbildung künftiger, in schwarzen Rollkragen gekleideter Vollversorger und Lichtpunkte am abstrakten Kunsthimmel dient das richtige Equipment, das auch Eltern der Generation Holzspielzeug und anthroposophischer Farblehre überzeugen dürfte. Selbiges findet sich im Scrapbookladen unter der anschließend verlinkten Adresse.

kinderzeichnung Bastel Blog

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von Dada bis Gaga

November 9, 2008

    

Wo Einsamkeit die Worte prägt,

und Leser seltne Gäste sind,

ein Dichter meist im Regen steht

und Lyrik aus dem Himmel rinnt.

 

Dieses fragwürdige Meisterwerk würde auf dem hier vorzustellenden Lyrik Blog vermutlich nicht oder wenn, dann „unter ferner liefen“ abgelegt werden. Lyrik und Prosa von Dada bis Gaga spannt jedoch einen weiten Bogen für Wortflechtereien aller Art und lässt Raum für das Nischenprodukt „Gedicht“. In einer Zeit, wo Gedichte höchstens noch in zweizeiligen Werbeslogans Verwendung finden, ein mutiges Projekt, nicht nur für Träumer und Romantiker. Wortkaskaden und Gedankenrinnsale, Reimeruptionen oder abstrakte Sinngebilde schaffen virtuelle Welten von Vier- und Mehrzeilern, ergänzt um manche Geschichte aus der Welt von Fantasie und trauriger Erinnerung. Humor und Melancholie sind die Säulen heutiger Reimkunst und lassen Raum, wo sonst dichtgedrängte Worthülsen das freie Denken erdrücken. Banales wird zur Kleinkunst, bei der die Schwierigkeit in der Weglassung besteht. Das Leben als Stichwortgeber ist in sämtlichen Zeilen der Wortverflechterin spür- und erlebbar. Keine Selbstverständlichkeit in einem Alltag, in dem Satire zum Zynismus mutiert und filigrane Lyrikweben von der Flut an unnötig Geschriebenem zerfetzt werden. Sensibel und dennoch laut, aufmerksam und dennoch bescheiden, verrückt und dennoch wahr kommen die Texte daher, verwischen die Eindrücke vom Hier und Jetzt mit den Erinnerung an eine Zeit, in der Gefühl und Lyrik noch verwandt waren. Doch herausgefordert durch Quergedanken und dadaistische Neologismen gibt sich mancher Text kämpferisch und wird zur Herausforderung für die kleinen grauen Zellen, deren Gedankensplitter gleich Schrapnellen Wunden hinterlassen, Narben, die in Erinnerung bleiben.

 

Lyrik Blog

 

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Ohrwurm

Juni 2, 2008

Jonny Cash hat mit wenigen Noten und noch weniger Text im Kopf, aber Musik im Blut auch erst Klinken als Vertreter geputzt, bis ihm ein Tonstudio die Tür vor der Nase zuschlug. Nicht mit ihm, denn wenn er schon nicht besonders spielen konnte, musste er singen und das gelang ihm wohl ganz gut, zumindest kennt man mehr Lieder von ihm als Haushaltsartikel, die nach ihm als bestem Vertreter in Memphis, Tennessee benannt wären. Doch wie er, schwitzen auch heute noch Musiker Blut und Wasser auf manchem ihrer vielen Auftritte zwischen Großvaters 80. Geburtstag und der Echo-Verleihung. So funktioniert das Business. Im besten Fall klatschen ausreichend viele rhythmisch in die Hände und verschwenden Stunden täglicher Arbeit darauf, das nötige Kleingeld für glänzende Tonträger aufzutreiben oder downloaden in russischen Saugstuben ihre CD nach Wahl. Ersteres bezahlt Haus, Limousine und Freundin, oder auch zwei, Häuser natürlich. Letzteres zieht den Musiker aufs Niveau seiner Fans in die Mittellosigkeit herunter. Neben all den Klischees von Sex, Drugs und Rock’nRoll füllen eher muffige Tourbusse und fades Fertigessen den Tageslauf als wechselnde Beischlafgroupies in namenlosen Städten, verschwitzen Gardaroben oder stickigen Konzertsälen. Da sind doch gelegentliche Nummer 1 Hits in den TopTen der zwei Discotheken von Mecklenburg-Vorpommern neidlos gegönnt und ab und zu ein Blowjob von einem der örtlichen Pfadfinder wechselnden Geschlechts erst recht. Jeden Tag eine gute Tat. Ja für die eigene Überzeugung alles aufgeben und der Leidenschaft Opfer bringen, das können nur Vollblutkünstler oder Musiker ohne Schulabschluss. Anders sind die zahlreichen Castingsshows für die Band des Jahres, Jahrzehnts und Jahrhunderts oder für den geilsten Arsch auf der Bühne nicht zu erklären. Da singt nicht, wer zum Singen geschaffen wurde, sondern wer es schafft, die Jury am wenigsten zu quälen. Für den Rest verbleiben BigBrother, Schlag den Raab oder die Wagner Festspiele, dort aber in entsprechendem Abstand zur Bühne. Doch nicht alles, was im Radio endet, hat das auch verdient. Die Klinke medialer Information über Musik, Musiker und alles, was Töne von sich gibt, putzt unser heutiger Blog-Tipp und sagt Danke fürs (Feed)-Abo.

Musik Blog

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Da stehen sie, die Herren mit rotem Schal an dekolletierter Dame, deren kleiner Hund in der Handtasche klemmt. Schade, dass die Töle draußen an der Gardarobe hängt, sonst wäre das Trio Infernale perfekt und die Unterhaltung im wahrsten Sinne auf den Hund gekommen. Was kann das Gemälde dafür, dass jeder sich ungefragt davor platzieren kann, dem wirklich Interessierten die Sicht nimmt und schwitzend dem Verfall der obersten Ölfarbschicht Vorschub leistet. Doch Kunst um ihrer selbst willen gibt es nicht, kann es nicht geben, denn Kunst ist das, was der Betrachter daraus macht. Es ist wie mit dem umfallenden Baum im Wald, dessen Aufschlag erst hörbar wird, wenn ein Hörender anwesend ist. ZEN im Zeichen der Leinwand und so prickelnd wie ein handwarmes Sektglas auf einer Vernissage. So erdulden Künstler und Kunstliebhaber den unvermeidlichen Auftritt gelangweilter Selbstdarsteller mit Escortmädchen, gleich Fliegen am noch warmen Nachweis, dass es auf der Wiese Kühe gibt. Mit Fingerfood und Antipasti-Schnittchen auf Du und Du mit zwei Quadratmetern bemalter Zimmertür und quälender Halbbildung über die Moderne im Allgemeinen und das Abstrakte im Besonderen. Mandelaugen schauen bewundernd auf und zählen im Kopf bereits die Stundensätze für diesen Begleitservice zusammen, Trinkgeld inbegriffen. Und man kennt sich, Mundspray hier und Bussi dort, dem alten Attaché nebst Gattin die Hand geschüttelt, sich in Richtung Stadtrat verbeugt und der Kellnerin auf den Hintern gestarrt, zum Draufklopfen sind die Reflexe beim Ausweichen der Antwort zu langsam geworden. Ja, so feiert man die Geburt einer neue Stilrichtung oder am besten sich selbst, denn der typische Vernissagenbesucher weiß in aller Regel nicht, ob er die nächste noch erleben wird. Da bilden sich gegen den Trend vor den Herrentoiletten die Schlangen, denn neben Trüffel, Kaviar und Allgäuer Mettwurst war für Prostata Mittel kein Platz mehr. Etwas abseits und bereits mit Hut und Mantel steht der Künstler und wartet, dass der am Eingang geparkte Porsche Cayenne von seinem Fahrrad herunter fährt, denn wo sonst 5 Räder stehen, passt auch ein Auto von der Größe einer japanischen Singlewohnung hin. Dessen Besitzer hat gerade eines der Bilder erworben. Mache sich gut zum 90. Geburtstag der Erbtante, denn die sei nicht mehr ganz bei sich und wird sich an dem Geschmier nicht stören.

Kunst Blog

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Borreliose-Blog

März 20, 2008

fröhliche Ostern mit Joseph Beuys und einem toten Hasen. Ja Kurioses gibt es auch in zahlreichen Blog Archiven zu finden, doch Ostern ist zeitlos, weshalb es kaum auffällt, ob man Beiträge dieses oder vorangegangener Jahre liest, solange man sich Hasen mit riesen Ostereierkörben auf dem Rücken dabei vorstellt und nicht etwa nackte Menschen an Kreuzen oder von der Zecke gebissene Borreliose-Patienten im Endstadium. So fühlt sich das Finden eines Osterartikels auf dem Blog des Borreliose Bund Deutschland e.V. an, wie in ein Plastikei zu beißen. Das Auge freuts, der Nachgeschmack ist jedoch fad. Auch wenn sich Künstler Beuys in zitiertem Artikel müht, uns die Entstehung des Osterglaubens am Beispiel eines Kaninchenkadavers zu erklären. Naheliegender scheint jedoch zu sein, dass der eine oder andere die vorangegangene Weihnachtszeit als Fest der Liebe missbräuchlich falsch verstanden hat und sich eine ernstzunehmende Krankheit einfing, die ihn Ostern ähnlich dem Beuy’schen Hasen niederstreckt. Immerhin ist der  Erreger Borrelia burgdorferi eng verwandt mit Treponema pallidum, dem Erreger der Syphilis.

Frohe Ostern

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ja Lesen kann jeder, aber Bilder anschauen kommt meist zu kurz. Da, schon wieder, du liest meinen Blog, statt dir lustige Bilder vom Flix anzusehen, denn der macht mal was ganz Tolles. Er malt sein Leben und blogt es als Comicstrip vorbei an Kochrezeptaustauschblogbörsen oder Blog’aden wie „Gegen den Regenwald“ oder „Rückenwind für Radfahrer“. Für den gestressten Krawattenträger ebenso wie für die mit 12 Kindern gesegnete Vollzeitmutter beschränken sich Tag und Comic auf vier kleine Bildchen auf einer Bildschirmseite. Easy looking and a bit reading too, denn so ganz ohne Text können nur Pantomimen, nicht aber Comiczeichner. Doch der Flix weiß, wo die Grenzen seiner Gucker liegen und hält sich dezent in Ausdruck und Wortwahl zurück. Also Kopf aus und Computer an, der Appetit kommt beim Essen. Drum Mal-Zeit, gern auch in der Mittagspause.

Ps: Für die, die den Kopf anließen, wird’s auch richtig lustig. Flix’ Tagebuchder Flix Comic

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