von Dada bis Gaga

November 9, 2008

    

Wo Einsamkeit die Worte prägt,

und Leser seltne Gäste sind,

ein Dichter meist im Regen steht

und Lyrik aus dem Himmel rinnt.

 

Dieses fragwürdige Meisterwerk würde auf dem hier vorzustellenden Lyrik Blog vermutlich nicht oder wenn, dann „unter ferner liefen“ abgelegt werden. Lyrik und Prosa von Dada bis Gaga spannt jedoch einen weiten Bogen für Wortflechtereien aller Art und lässt Raum für das Nischenprodukt „Gedicht“. In einer Zeit, wo Gedichte höchstens noch in zweizeiligen Werbeslogans Verwendung finden, ein mutiges Projekt, nicht nur für Träumer und Romantiker. Wortkaskaden und Gedankenrinnsale, Reimeruptionen oder abstrakte Sinngebilde schaffen virtuelle Welten von Vier- und Mehrzeilern, ergänzt um manche Geschichte aus der Welt von Fantasie und trauriger Erinnerung. Humor und Melancholie sind die Säulen heutiger Reimkunst und lassen Raum, wo sonst dichtgedrängte Worthülsen das freie Denken erdrücken. Banales wird zur Kleinkunst, bei der die Schwierigkeit in der Weglassung besteht. Das Leben als Stichwortgeber ist in sämtlichen Zeilen der Wortverflechterin spür- und erlebbar. Keine Selbstverständlichkeit in einem Alltag, in dem Satire zum Zynismus mutiert und filigrane Lyrikweben von der Flut an unnötig Geschriebenem zerfetzt werden. Sensibel und dennoch laut, aufmerksam und dennoch bescheiden, verrückt und dennoch wahr kommen die Texte daher, verwischen die Eindrücke vom Hier und Jetzt mit den Erinnerung an eine Zeit, in der Gefühl und Lyrik noch verwandt waren. Doch herausgefordert durch Quergedanken und dadaistische Neologismen gibt sich mancher Text kämpferisch und wird zur Herausforderung für die kleinen grauen Zellen, deren Gedankensplitter gleich Schrapnellen Wunden hinterlassen, Narben, die in Erinnerung bleiben.

 

Lyrik Blog

 

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Blickpunkt Spot!

September 4, 2008

München, die Kulturhauptstadt der Herzen, hat eine neue Plattform für Sprachwitz und Folklore rund um das gesprochene Wort. Humor liegt in der Luft und wird geräuschvoll vom Kantinenwirt der Versorgungsanstalt Lachhungriger abgelassen. Dr. Georg Eggers, seines Zeichens poetischer Ingenieur lässt alias Grög! nicht nur schwule Hirsche über die Bretter der Kleinkunstbühnen springen, sondern weist dem Humorsuchenden den Weg durch die vom Nachtleben gezeichneten Instanzen gehobener Fröhlichkeit. Ein Poet, dem dieses ungereimt vorkommt, bloggt doch der dichtende Leuchtturm aus dem Westend in Prosa statt D Moll. Da werden neben eschatologischen Endzeiterlebnissen in deutschen Einbauküchen, wohl schmeckende Theaterkritiken serviert, gewürzt durch Programmtipps der gut bürgerlichen Comedyküche. Als Vorspeise gibt es Wortsalat und Wahrheiten, die im Weine gelegen haben müssen. Wer das Wagnis gepflegter Unterhaltung in München eingehen möchte, sei gut beraten, sich dem dichtenden Mikrofonständerschreck in all seiner lautmalerischen Urgewalt anzuvertrauen und die empfohlenen Kulturbaracken voller Dichterfürsten und deren Hofstaat aufzusuchen. Hört man den Vortragenden ohne Publikum? Diese kleine Abwandlung eines alten ZEN Rätsels zeigt die Abhängigkeit zwischen Kultur und gutem Bier, ohne letzteres mancher Kleindarsteller nie groß geworden wäre. Drum lasst euch nachschenken und konsumiert um der Kunst willen, denn auch Künstler müssen Miete zahlen, wenn sie schon nichts zu essen haben. Die kalte Jahreszeit steht vor der Tür, mit ihr die leergefegten Fußgängerzonen voller bislang unentdeckter Talente. Diese gilt es aufzuspüren und in Orten, wie dem Vereinsheim, Substanz, im Lustspielhaus und den Kammerspielen auf die Bühne zu klatschen. Und selbst wenn der Applaus das Brot des Künstlers ist, wird sich mancher dieser kreativen Gilde gern nach erfolgter Entäußerung auf eine Wurstsemmel und ne Halbe einladen lassen. Dort an der Theke wartet dann zumeist Grög! und drückt manchem von euch noch die Flyer in die Hand, die in seinem Blog keinen Platz mehr hatten. Doch nun Vorhang auf, Licht aus und heißt ihn willkommen, den

 

Grög!-Blög

 

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drei Sterne für den Koch

September 1, 2008

bekanntlich isst das Auge mit und ohne Nase schmeckt man nichts. Weißheiten aus einer Küche, die noch ohne Eisfach und Microwelle auskommt und sich mehr um ein Verwöhnen, denn Ernähren der hungrigen Schar am Tisch kümmert. Mit Genuss essen ist in einer Zeit, wo schon der Kaffee für den eiligen Wechsel von einer UBahn zur anderen in Pflegstufe II Tassen gereicht und Fastfood um den Fastdrink ergänzt wird, fast ausgestorben. 30 Minuten Mittagspause mit anschließendem Kernzeitverstoß motivieren sowohl Kantinenköche als auch Kantinenesser zu immer zeitsparenderen Variationen, die Pampe auf den Teller und von dort in den Mund zu schaufeln. Fliegender Wechsel und geräuschvoll aufs Fließband geschmetterte Plastiktabletts ergänzen den Esskomfort und verleihen den kulinarischen Betriebsstätten deren unverwechselbares Flair. Dass es freitags im ganzen Haus nach Fisch und in der Fastenzeit nach Kohl stinkt, ist dabei kaum noch erwähnenswert. Doch es geht auch anders, so man denn will und noch Zeit für ein ausgewähltes 7 Gänge Menü zzgl. frühzeitig dekantierter Weine hat. Ein Meister seines Fachs verspricht der heutige Gourmetsblogger zu sein, zumindest im Ablichten seiner kulinarischen Köstlichkeiten, deren Fotografien bereits den Pawlowschen Reflex beim kantinenentwöhnten Betrachter wecken. Ein Schelm, der sich angesichts der beruflichen Vorbildung des virtuellen Küchenchefs als pensioniertem Chemiker Arges denkt. Doch ein Vermischen, Mahlen, Mörsern und Ergänzen um zahlreiche Ingredienzien ist der Küche ebenso vertraut wie dem Chemielabor. Bedenkt man die Ester-Produktion passen diese beiden Wissenschaften auch geruchlich zueinander. So wird mancher beim Betrachten der wohl angerichteten Speisen auf der heutigen Blogmenükarte die Qual der Wahl haben und von www.frag-mutti.de gern zu Lamiacucina wechseln. Wer nach dem Essen noch auf einen Espresso und ein paar Geschichten bleiben möchte, findet leicht bekömmliche Reisebrichte zu den Töpfen der Welt und weiß sich auch im Ausland am Buffet zu benehmen. Das zahlt sich dann ebenso an der Kantinen-Salatbar aus, solange noch immer nach Gefäß und nicht nach Stapelhöhe abgerechnet wird. Dass zusätzlich langsames Essen das Leben verlängert, ist eine weitere Weißheit, die Zeit schafft, die Rezepte des nachfolgenden Links auszuprobieren.

 

   Koch Blog

 

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Storz 2.0

April 30, 2008

Eigentlich wollte ich eine Reisenotiz über den Max Goldt Blog schreiben, verlor mich aber auf der Suche danach im weltweiten Datennetz und dachte zum Schluss und metaphorisch kurz hinter Turkmenistan, der Storz ist ebenfalls lustig, wenn er sich Mühe gibt und schreiben tut der auch. Ok, jetzt twittert der lieber als sich mal hinzusetzen und mehr als 3 Zeilen zu bloggen, aber 160 Zeichen sind halt auch schneller erreicht. Ach was gehen wir mit der Zeit und diese uns ziemlich auf den Nerv, wenn ein ständiges Vibrieren in der Hose keine neue erotische Erfahrung verspricht, sondern das Zeitalter fehlgeleiteter Kurznachrichten aus Irland, Korea oder Wanneeikel einläutet. Twitter machts möglich, dass uns künftig Viagrawerbung und Penisverlängerungen auch unterwegs erreichen, kann ja je nach Situation durchaus angebracht sein, daran erinnert zu werden. Die vorrangige Marktlücke wäre allerdings, wenn man sich bei dem TV-Sender seines Vertrauens anmeldet und diesem per Twitter mitteilt, dass man gerade gelangweilt auf die schwarze Mattscheibe seines Röhrenfernsehers schaut. Spontan könnte man dann die SMS erhalten: Serie im Anmarsch, 4400 Gründe, den Fernsehen jetzt einzuschalten, gute Unterhaltung. Ihr Pro7 oder so. Das wäre dem Storz sicher einen Blogeintrag oder mindestens eine Follow-Mail an die wachsende Twitter-Fan-Gemeinde wert. Alternativ könnte sich auch der DVD-Dealer melden und die Schwarzpressung aus Fernost für den halben Preis der Schwarzpressung des Schnittassistenten der Produktionsfirma aus den USA anbieten… unerschöpfliche Möglichkeiten in einem unerschöpflichen Raum aus Zeit und Entertainment, solange man nicht vor die Tür geht und den Stotz live erlebt, beim Lesen seiner neuesten, abendfüllenden Kurzmitteilung.

Storzblog

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