Blogs zu den Themen Kochen und Essen sind nicht häufig, sondern bald schon inflationär. Zwar liegen diese noch hinter Tagebucheinträgen zum eigenen oder fremden Sexualverhalten, Kindergeschrei und Windelwechseln oder der Seuche technischer Berichterstattung irgendwelcher todlangweiliger Nerds, doch wo die Atmung noch funktioniert wird auch gegessen und gekocht. Verständlich dabei ist, dass wegen verbreiteter Fastfoodneigung durch bloßes Auftauen von Speisen oder Einrühren gefriergetrockneter Pulver in heißes Wasser noch ausreichend Zeit bleibt, darüber auch zu bloggen. Zusätzlich werden Rezepte auf blumenverzierten Hausfrauenseiten ebenso gepostet wie professionelle Tipps aus den noblen Küchen dieser Welt. Was also lag näher, als dass die Hersteller von Lebensmittelersatzstoffen, besser als Fertignahrung bekannt, ihre Produkte als den Kochtipp des Tages getarnt anpreisen. Dass sie dieses nun auch in Blogs machen, ist ein eher verständliches Übel. Der heutige Bloglink zur Firma FRoSTA lässt uns zusätzlich in die Firmenkorrespondenz blicken und ermüdet durch naiven Leserbriefmuff, dessen Authentizität im Nebel seriösen Firmenmarketings verbleibt. Ebenso, dass per Weisungsrecht des Arbeitgebers auch noch jeder Mitarbeiter zum Schreibtischtäter verdammt wird, damit er seinen unmaßgeblichen Beitrag zum Firmenwachstum bloggen soll. Auf ähnlichem Niveautiefstand finden deshalb sich Einträge zur Eröffnung eines Bürobistro’s, spricht einer bei Tchibo geramschten Mikrowelle und entsprechendem Fertigpamps. Fertig ist die Edelküche für das Versicherungsbüro Meier&Schulz in Wanne Eickel oder anderswo. Da schmeckts, da sind die Menschen fröhlich, wenn auch mit den Blutfettwerten, die sich unser Gesundheitssystem wünscht, denn sterben ist finanziell spannender als behandeln.

Für die Menschen mit ganz viel Zeit und Internetanschluss bietet FRoSTA, als Blogger des Tages, zusätzlich die Möglichkeit, die farbenfroh gestalteten Fantasiebilder auf den Produktverpackungen zu bewerten. Würde der Esser das aufgetaute Ergebnis des verpackten Marketingtricks kommentieren, fürchtete ich um den gesuchten Werbeeffekt, der allerdings auch bei dem hier vorgestellten Blog fraglich bleibt. Da überrascht es nicht, wenn sich FRoSTA an prominenter Textstelle fragen lässt, weshalb sie nicht aggressiver werben. So viel Qualität muss in die Hirne und Mägen der Menschen geprügelt werden. Dennoch gehört FRoSTA zu den Guten, verlinken sie doch, wie ich hoffe, selbstironisch auf eine Internetseite, wo man den Lebensmittelhersteller seines Vertrauens überprüfen und die dreisteste Werbelüge wählen kann. Respekt, so viel Ehrlichkeit ist mir einen tiefgekühlten Tagebucheintrag wert.

 

Feinfrost Blog

 

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Liebe geht durch den Magen

November 27, 2008

Was dem einen die Plätzchen, sind dem anderen die Gans am 1. Weihnachtsfeiertag oder der Karpfen, wenn man zionistischen Glaubens ist. Maßlosigkeit und Völlerei, die perfekte Mischung, um am Neujahrsmorgen die Joggingschuhe anzuziehen, den Schal umzubinden und in die Trinkhalle von nebenan zu laufen, um noch rechtzeitig das Konterbier zu erwischen bevor die versoffene Nachbarschaft angetobt kommt. Doch all das wird überschattet vom wahren Grund der jahresendzeitlichen Familientragödien und Kaufrauschexzesse, dem Fest der Liebe. Ich spreche nicht von trauter Harmonie im Kreis der Lieben, nein, sondern von den zahllosen Weihnachtsfeiern, wo nach drei Flaschen Wein selbst die Schnalle aus der Buchhaltung schwanengleich mit auf die Herrentoilette gezerrt und glattgebügelt wird, denn Liebe ohne Sex ist wie Vanilleeis ohne Waffel. Anders als Sex ohne Liebe, das schmeckt auch so. Manchen sogar besser, denn dann kann man zur Eiskugel im Porzellanbecher noch heiße Himbeeren oder Schokosauce beigeben, probieren Sie das mal auf einer labbrigen Waffel. Die hält ungefähr so lange, wie durchschnittlicher Sex in einer durchschnittlichen Beziehung dauert oder anders ausgedrückt: bis ER fertig ist. Dann gibt es noch die, die sagen, Vanilleeis schmeckt gar nicht, besser Schoko, aber über homosexuellen Beischlaf soll es hier nicht gehen. Vielleicht ist ja der eingangs bemühte Vergleich zwischen Eis und Beischlaf gar nicht so weit hergeholt, bedenkt man all die Menschen, die sich ob einer unglücklichen Liebe oder aufgedrängter Enthaltsamkeit in die Ersatzbefriedigung des Essen, dem sogenannten Frustfressen retten. Denen ist es egal, ob die Vanilleeiskugel in der Waffel oder im Becher serviert wird. Hauptsache irgendwer kommt zum Schuss oder lässt schießen. Hier von Liebe zu sprechen, hieße das Haus vom Dach her bauen oder den Weihnachtsmann im Elektrokamin zu suchen, also Zeitverschwendung. Sex hingegen ist ein bewährtes Mittel, auf seine Kosten zu kommen ohne zuzunehmen, anders als Liebe, die meist zu wohlwollender Trägheit und Körperzuwachs führt. Deshalb ist die Bezeichnung „Liebesdienste“ für Darreichungen des Horizontalen Gewerbes irreführend. Ernährungsberater oder Fitnesstrainer wären hier sinnvoller als der Quickie in der Mittagspause oder der Blowjob als Belohnung für einen stressigen Tag. Wer dennoch lieber isst als vernascht zu werden oder noch keine kulinarische Idee für den Familienansturm zu Weihnachten hat, kann sich unter folgendem Link die nötige Inspiration und Ablenkung vom faden Singleleben holen und der Statistik ein Schnäppchen schlagen, die herausgefunden hat, dass die, die ohne hormonellen Ausgleich das Jahr beenden auch schnell mal von der einen oder anderen Brücke springen.

 

Kulinarischer Blog

 

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Endlich ist sie da, die Vorweihnachtszeit. Seit Ende August ahnten wir es schon, doch gelegentlich in Supermärkten und Bauhäusern auftauchende Lebkuchenherzen ließen eher an einen späten Valentintagsgruß glauben als an unrasierte Paketschlepper und minderjährige Jahresendflügelfiguren. Nun aber ist die Gewissheit da, die ersten Supermärkte räumen ihre Regale bereits wieder frei von Spekulatius, Vanillekipferln und Zimtsternen, denn Ostern naht und mit ihm grüner Kunstrasen und Hasenvielfalt. Ergo, Weihnachten steht vor der Tür. Allerorten sprießen die Glühweinfeste und Wurststände aus dem Boden, hübsch verpackt in Kunstschneewatte, benadelte Baumschmuckträger und Kleintierzoo mit Eseln und dem Christuskind. Weihnachtslieder und klingende Registrierkassenmusik erfreuen die steifgefrorenen Ohren und der Duft von Kerzenwachs und gebrannten Mandeln öffnet die Herzen und erinnert an das ach so schöne Oktoberfest, doch es ist Weihnachten. Nicht zu ändern und jedes Jahr ein wenig schlimmer, denn die Verwandtschaft wird nicht jünger nur zahlreicher. Die Zeit bis das abnimmt ist leider noch fern, doch die Feiertage tragen nicht gerade dazu bei gesund zu altern. Geschichten von vor und nach dem Krieg und der Freude über ein Stück Butter oder kratzige Ziegenwollepullover trüben die Stimmung ebenso sicher wie der Schluck zuviel vom selig der Schwägerin an den Hintern greifenden Onkel, von dem es letztes Jahr noch hieß, wenn der weiter so säuft, erlebt er das nächste Jahr nicht mehr. Ja, die Hoffnung stirbt zuletzt. Doch der wahre Höhepunkt ist der Stand der Waage im Januar, dem satte Wochen und Tage voller Genuss und ungehemmter Lebensfreude in Gestalt von Enten, Gänsen, Kaninchen oder Wildbrett voraus gingen. Aber verantwortlich für bierselige Neujahrsvorhaben voller Sport und Bewegungsdrang sind weniger die Fressfeste zwischen den Jahren als vielmehr die Dauerversuchung des Weihnachtsgebäcks, allen voran der Christstollen, den der Teufel gesehen hat. Dieser unverzichtbare Bestandteil eines jeden vorweihnachtlichen Kaffeekränzchens hat es auch auf die Titelseite der heutigen Blogempfehlung geschafft und empfiehlt sich zum Nachbacken oder schlichten Verzweifeln, wenn man den Speck vom letzten Fest noch auf den Hüften spürt. Guten Appetit.

christstollen Bäcker Blog

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drei Sterne für den Koch

September 1, 2008

bekanntlich isst das Auge mit und ohne Nase schmeckt man nichts. Weißheiten aus einer Küche, die noch ohne Eisfach und Microwelle auskommt und sich mehr um ein Verwöhnen, denn Ernähren der hungrigen Schar am Tisch kümmert. Mit Genuss essen ist in einer Zeit, wo schon der Kaffee für den eiligen Wechsel von einer UBahn zur anderen in Pflegstufe II Tassen gereicht und Fastfood um den Fastdrink ergänzt wird, fast ausgestorben. 30 Minuten Mittagspause mit anschließendem Kernzeitverstoß motivieren sowohl Kantinenköche als auch Kantinenesser zu immer zeitsparenderen Variationen, die Pampe auf den Teller und von dort in den Mund zu schaufeln. Fliegender Wechsel und geräuschvoll aufs Fließband geschmetterte Plastiktabletts ergänzen den Esskomfort und verleihen den kulinarischen Betriebsstätten deren unverwechselbares Flair. Dass es freitags im ganzen Haus nach Fisch und in der Fastenzeit nach Kohl stinkt, ist dabei kaum noch erwähnenswert. Doch es geht auch anders, so man denn will und noch Zeit für ein ausgewähltes 7 Gänge Menü zzgl. frühzeitig dekantierter Weine hat. Ein Meister seines Fachs verspricht der heutige Gourmetsblogger zu sein, zumindest im Ablichten seiner kulinarischen Köstlichkeiten, deren Fotografien bereits den Pawlowschen Reflex beim kantinenentwöhnten Betrachter wecken. Ein Schelm, der sich angesichts der beruflichen Vorbildung des virtuellen Küchenchefs als pensioniertem Chemiker Arges denkt. Doch ein Vermischen, Mahlen, Mörsern und Ergänzen um zahlreiche Ingredienzien ist der Küche ebenso vertraut wie dem Chemielabor. Bedenkt man die Ester-Produktion passen diese beiden Wissenschaften auch geruchlich zueinander. So wird mancher beim Betrachten der wohl angerichteten Speisen auf der heutigen Blogmenükarte die Qual der Wahl haben und von www.frag-mutti.de gern zu Lamiacucina wechseln. Wer nach dem Essen noch auf einen Espresso und ein paar Geschichten bleiben möchte, findet leicht bekömmliche Reisebrichte zu den Töpfen der Welt und weiß sich auch im Ausland am Buffet zu benehmen. Das zahlt sich dann ebenso an der Kantinen-Salatbar aus, solange noch immer nach Gefäß und nicht nach Stapelhöhe abgerechnet wird. Dass zusätzlich langsames Essen das Leben verlängert, ist eine weitere Weißheit, die Zeit schafft, die Rezepte des nachfolgenden Links auszuprobieren.

 

   Koch Blog

 

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halbe Portion

Juni 11, 2008

Jetzt ist es amtlich. Diäten haben Tagesschau-Niveau erreicht, zumindest geben sie das aktuelle Titelthema des Nachrichtenmagazins Focus her. Natürlich könnte das auch der Ausverkauf von Werten seitens der Focus-Redaktion sein, aber soweit will ich die Fakten, Fakten, Fakten nicht bemühen. Der Zeitgeist zwingt wohl dazu, Themen wie den Europa-Staatsvertrag von Lissabon oder den Einzug der NPD in die Kreistage Sachsens zurückzustellen. Nachrichten scheinen ob der schwindenden Halbwertszeit der Aktualität ihrer Inhalte mehr denn je überschätzt und abgenommen wird in Zeiten wie diesen freiwillig. Das war auch schon mal anders. Das anorektische Diktat der Next-Model-Contests zwingt heute nicht nur Gina-Lisa, sondern auch namhafte Zeitungen zu Kompromissen. Da muss man sich über den Focus nicht ärgern. Gilt es aktuell, Minenfelder der deutsch-polnischen Fußballfreundschaft zu umfahren, soll doch die Leserschaft zumindest einen knapp bemessenen Mehrwert durch den Erwerb des jeweiligen Fachmagazins erhalten, der über die bloße Abwechslung auf dem Toilettensitz hinaus geht. Da zählen Klassiker und Diäten haben Konjunktur kurz vor der Sommerpause. Diese wird dann durch den Hinweis der deutschen Dermatologen-Vereinigung unterbrochen, dass Sonnenbäder und unbekleidete Aufenthalte im Freien das Krebsrisiko in tschernobylhafte Dimensionen steigern. Eine gute Ausrede für jene, die es fahrlässig versäumten, sich die Diät-Frühlingsausgabe des Focus zu besorgen und nun den Verzicht auf ein Liegen am See nicht mit 20 kg zuviel, sondern dem Selbstschutz vor malignen Melanomen begründen können. Damit diese Ausrede diesen Sommer unnötig wird, lohnt ein Klick auf den hier angeführten Blog zum Abnehmen mit Konzept, Strategie und Gottvertrauen. Für alle anderen empfehle ich: Fresst weniger und bewegt Euch.

Diät Blog

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