Pia’s Toon Tagebuch

Juni 20, 2008

Wenn kleine Mädchen zu malen beginnen, machen sie sich ganz viele Gedanken über die Farbe der Sonne und des Grases, ob der Schornstein auf dem Dach des windschiefen Häuschens raucht oder hübsche blaue Wolken bildet, solange der entsprechende Buntstift nicht gerade kaputt ist, sonst sind die Wolken eben rosa. Papa, Mama und der blöde kleine Bruder stehen in ungefährer Hausgröße herum und ähneln einem schweren Verkehrsunfall oder dem Versuch, außerirdisches Leben zu zeichnen. Sprechblasen fehlen meist noch und die Geschichte dahinter ist die Geschichte davor, die das kleine Mädchen in einer rote Flecken auf die Wangen zaubernden Geschwindigkeit hervorsprudelt, sich nicht um Syntax und Satzbau scherend. Wenn die kleinen Mädchen etwas älter werden, werden auch Strichführung und Sprechblase sorgfältiger und nach noch mal 5 cm Körperwuchs entdeckt der wache Betrachter erste Ansätze von Humor und verstecktem Schalk hinter den Kinderkritzeleien. Die Geschichten werden kompakter und setzen sich meist mit all dem täglichen Elend auseinander, das kleine Mädchen um Mittagschlaf und Schulspeisung bringen, denn wer isst, kann sich nicht so gut mit der besten Freundin unterhalten. Wer weniger Zeit in eine vorpubertäre Magersucht investiert oder keine beste Freundin hat, blogt seine bunte Welt und all die blau-rosa Wolken des Alltags. Große Mädchen machen das genauso und malen dazu muntere kleine Bildchen, die an die außerirdische Familie aus Kindertagen anknüpfen. Die Geschichten werden erwachsener und der Winkel der persönlichen Auseinandersetzung mit der Welt im Kleinen und Großen verbreitert sich. Doch auch wenn Taxifahrten zum Statussymbol und morgendliches Frühstück zur Existenzfrage werden, bleibt Pia, unsere heutige Blog-Gewinnerin, ihren kleinen Alter Egos aus der Krabbelgruppe und Kindergeburtstag treu, malt sie und haucht ihnen ein Leben ein, das ich manchen Kindern wünsche.  

 

   Pia’s Blog

 

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Babyboom

Mai 23, 2008

Wer Single, weiblich und über 30 ist, sollte einen Platz auf dieser Erde dringend meiden, nämlich IKEA. Das ist kein Platz für alleinstehende Ex-Lebensabschnittpartnerinnen mit der irren Hoffnung, schlaflose Nächte infolge bauchwehgetriebenem Geschreis erdulden zu wollen. Denen verbleiben Großraumdiscotheken mit wechselndem GV. Dafür können diese Frauen sich regelmäßig bessere Regale als diese tröge Billyserie leisten, aber wozu, es gibt keine Bauklötzer, Legosteine, Malbücher oder Comicfiguren darin aufzubewahren. Wer dennoch nicht von Kindern lassen kann, dem sei ein Besuch in einem beliebigen Straßencafé, Biergarten, schicken Restaurant oder beim Allgemeinarzt empfohlen. Denn kaum hat man sich gemütlich niedergelassen, lässt fröhliches Babygeschrei einen Tisch weiter das eigene Weinglas zerspringen und die Sahnesoße zur Edelpasta sauer werden. Oder die Schmerzen im Knie weichen denen blutender Ohren, ganz nach Ort und Zeit. Und sollte besagte Singlefrau aus Zeile 1 die graue Weltschmerzzeit von November bis April ohne ernste Brückensprungpläne überstanden haben, erreicht sie beim Spaziergang im ersten Sonnenstrahl des Jahres der nächste Tiefschlag. Schwangere, wohin sie schaut. Keine Bank im Park, die nicht von mindestens zwei Personen bevölkert ist, seien es junge Paare oder werdende Mütter mit Kuhaugen und Jogginghose. Was muss das Wetter im Herbst schlecht gewesen sein oder die Ehen fad, wenn der Ruf nach einem Stammhalter gleich von der halben Nation erhört wurde. Die andere Hälfte hat entweder die schlaflosen Nächte schon hinter sich, tut alles dafür, dieses gar nicht erst erleben zu müssen oder annonciert unter „Frühlingsblume sucht Biene“. Liebe hormongeschüttelte Frauen, Großfamilien werden überschätzt und alleinerziehende Kinder haben es schwerer als andere, sofern es andere noch gibt. So dankt, dass ihr noch jeden Sonntag zu Muttern und Kaffee mit Wäschekorb und Blumenstrauß reisen dürft und von Besuchen dieser Art selbst verschont bleibt. Für den Rest gibt’s den heutigen:

Baby Blog

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Girlpower

Mai 13, 2008

Erwachsen werden ist schwer, besonders für Männer ab 30, wenn die eigene Mutter fragt, wann der Herr Sohn endlich auszuziehen gedenkt und einen verstörten Blick erntet, als ob man ihm die Schultüte weggenommen hätte. Ja, Pubertierende reagieren manchmal unerwartet, egal ob 30jährige Männer oder 12jährige Mädchen. Bei letzteren allerdings ist es weniger die Schultüte als vielmehr die Reitbeteiligung oder der erste geklaute Lippenstift, ach nein, das war ja mit 9. Die erste Zigarette kam mit 10, der präpubertäre Vollrausch am gleichen Abend, der erste Kuss war da schon Geschichte und der Spender selbigen ist mittlerweile volljährig. Stubenarrest wird nur noch akzeptiert, wenn die beste Freundin ihren 15jährigen Bruder mitbringen darf und, weil sie eben die beste Freundin ist, selbst daheim bleibt, um ihren Eltern das Leben zur Hölle zu machen. Sina ist da keine Ausnahme, auch wenn sich deren geblogtes Leben vermutlich noch um Spaziergänge mit Nachbars Hund, Erdbeer- und Muttertage, Pickel und Gewichtsprobleme, Zahnspangen und Briefchen im Unterricht dreht und nichts, was Eltern schlaflose Nächte bereitet. Insoweit dürfte Sinas Blog eine Zeitreise in eine Welt sein, als Orangenhaut noch etwas mit Obst zu tun hatte und Geheimratsecken Orte zum Verstecken beim Eckstein-Spiel waren. Doch wie man bereits an dem weichgespülten Teenagersprachversuch des Blogs merkt, schreibt hier nicht eine 12jährige Göre, sondern deren literarische Mutterfigur, die mit Themen rund um knospende Brüste, zu knappe Kleidchen und durchheulte Nächte, weil ER sie auf dem Schulhof nicht angesehen hat, die eigene Kasse füllt und die Buchregale belgischer Männer, deren eigene Töchter bereits im Vorgarten begraben liegen.

Sinas Welt

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