jottwehdeh

März 3, 2008

Wussten Sie, dass bei den Damen in Reichenow gerade der Patentschnitt für eine Wollmütze mit drei Ecken die Runde macht? Nein? Sie sollten aber. Das und viel mehr entnimmt man nämlich meinem heutigen Lieblingsblog aus den Tiefen des Taz-Blog-Archivs. Hier schreibt Imma Harms, ihres Zeichens Ex-tazlerin und 30 Jahre lang leidenschaftliche Kreuzbergerin, die heute auf dem Gutshof Reichenow, einer Stadtkultur-Enklave von 30 KünstlerInnen in einem Dorf am Rande des Oderbruchs, lebt. Eben jottwehdeh. Aber wer denkt, dort ist die Welt zu Ende, der scheint zu irren. Zumindest ließe sich mit den geblogten Tagebuchnotizen von Frau Harms ein Buch vom Umfang der gelben Seiten füllen, zumindest der von Reichenow.

Ein Wollfaden ist eigentlich nicht dick, auch ein dickerer nicht. Er ist vielmehr flauschig. Das heißt, wenn man den Wollfaden lässt, wie er will, plustert er sich auf; die Fasern gehen auf Abstand zueinander und lassen Luft zwischen sich. …
Das sind Sätze, wie ich sie gern lese. Wozu in Tageszeitungen nach redaktionellen Lügen suchen oder sich in Weltverschwörungen verlieren, wenn man mit wenigen Zeilen soviel Freude und heile Welt erzeugen kann. Dem bleibt die Autorin treu, egal, ob sie über die Farbe und Macken ihres Fahrrades oder über den Geschmack von Walnüssen referiert: “Die Walnuss schmeckt zart-süß und fein-herb, eine Spur bitter im Nachgeschmack, nussig im Ganzen.

Eine wunderbare Seite zum Abschalten vom täglichen Einerlei und Zurückbesinnen auf die wirklichen Werte im Leben. Vielen Dank.

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