grüner Daumen
Mai 2, 2008
Mühsam zwängt sich Licht hinter den Wolken hervor, Schatten werden länger und das Grau weicht aus manchem der Gesichter, die eisern seit Februar die Biergärten bevölkern auf der Suche nach dem nächsten Jahrhundertsommer. Der April schwindet und mit ihm die Leere auf deutschen Balkonen. Sie löst die in den diversen Gartencentern ab, die bleibt, wenn die Armee der Klein- und Hobbygärtner wieder abgezogen ist, bepackt mit den Utensilien zum Erschaffen von Leben. Hat Gott hierfür noch 6 Tage benötigt, schaffen es Karl-Heinz von Gartenparzelle E28 oder Gisela aus dem zweiten Stocke mit Balkon der Wohneinheit 72 in fast 4 Stunden, all den Blumen- und Pflanzkram aus dem Kofferraum in die heimischen Beete und Blumenkästen zu verbringen, streng nach dem im Internet ausgedruckten Pflanzplan und hübsch nach Komplementärfarben sortiert. Dieses Jahr stehen politisch korrekter Tibet-Paprika und vom Aussterben bedrohter Zwerg-Sequoia einerseits und andererseits Männertreu und Crassula marginalis, auch “Red Charlotte” genannt, auf der TopTen Liste der Gartencenterinvasoren. Wer hier an die Reaktion von Charlotte Roche auf das eigene erotisch-pornografische Machwerk „Feuchtgebiete“ denkt, hat den heutigen Themenblog noch nicht besucht. Denn dann wüsste der Blumenkasten-Napoleon, dass es sich hierbei um eine zarte Nutzlosigkeit in Rote-Beete-Rot für den Südseitenbalkon handelt. Geeignet aber auch für Fensterbank, Lichtschacht oder hinter den Papiertonnen im Hof. Da lacht des Botanikers Herz über soviel im Frühjahr aufgebrachte Liebe, die spätestens in 8.000 Meter Höhe auf dem Flug ins hawaiianische Urlaubsparadies ein jähes Ende nimmt. Dass der Benjamini pünktlich mit dem Ende des Jahresurlaubs ausgetauscht gehört, ist man ja gewöhnt. Doch dass auch Zwergbirke und japanischer Edelhibiskus Wasser benötigen, war ein alle Jahre wiederkehrendes Novum. Doch nichts ist schöner, als regelmäßig zum Gartencenter seines Vertrauens zu pilgern, außer vielleicht zum Baumarkt oder zu IKEA, denn dort gibt’s bekanntlich auch Pflanzen.
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Grillsaison
April 22, 2008
Wo ist der Deutsche noch König? Fußball war nix, Afghanistan Sanitätsstaffel, Bildung Pisa-Trauma, Wirtschaft spricht chinesisch, Gesundheitswesen Ulla Schmidt. Totalausfall auf ganzer Linie. Es wird Nacht im Land, wenn man auf der Suche nach Rekorden ist. Aber wenn man es am wenigsten erwartet, geht meist ein Lichtlein an und das in Form eines 5 Euro teuren Tankstellengrills mit ordentlich Holzkohle und Brandbeschleuniger. Hier empfiehlt sich die feste Form, gebrochen und unter die Kohle gemengt. Flüssiger Brennstoff schmeckt komisch am Steak. Wer jetzt behauptet die Amerikaner wären die Könige des BBQ, der ist gemein und soll sich schämen. Es ist des Deutschen liebstes Ende der Wurst, an dessen anderem der Dauercamper mit Vorgarten steht. Die Holländer fahren Ihre Campinghäuser durch Europa, wir wohnen drin. Und vor jedem Kleingartensiedlungshäuschen steht er, der Grill, der Nürnberger Parteitag des kleinen Mannes. Der Riss geht quer durch die (Grill)Nation, Kohle oder Gas, Grillanzünder oder Zeitung, Nürnberger oder Thüringer. Eins jedoch eint: Bier und der Bauch zum Abstellen selbigen. Vor den Erfolg kalorienhaltiger Fettigkeit hat der Fürst der Glut und dreizackigen Fleischgabel jedoch den Schweiß gesetzt, den man in Sorge um die richtige Bratdauer verliert. Hier empfehle ich den heutigen Fachblog, der bereits im Dezember begann, uns den Mund für die begonnene Grillsaison wässrig zu schreiben und so ziemlich alles verrät, was Otto Normalgriller zum König der Bratwurst macht.
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Meine kleine Kneipe
April 13, 2008
Schon Udo Jürgens wusste, feiern ist fast so schön wie trinken und feiern, nur eben ohne trinken, dabei soll der Mensch täglich zwischen 2- 3 Liter Flüssigkeit zu sich nehmen. Da fällt die Auswahl schwer und nur Wasser wird schnell langweilig. Abhilfe bei der Suche nach Abwechslung bringt der heutige Blog. Schon mal was von Rauchbier gehört? Hier ist es ein Getränk von denen, die den Morgen danach zur Hölle machen. So wie Badebier, doch das dient der Körperpflege. Früher haben sich die Mütter Bier als Haarfestiger nach dem Waschen in die Haare gerieben, heute taucht der Wellnessfan ganz im edlen Nass unter. Im Ruheraum danach erzählt man sich die ach so lustigen Geschichten von den Räuschen seines Lebens und misst die Männlichkeit an der Anzahl der Blackouts und vollgekotzen Toiletten. Noch fehlen auf dem jungen Blog die wirklich zotigen Tresengeschichten, die rauchschwanger vom Leben vor dem Verlust der Freundin, dem Kurzschluss in der Modeleisenbahn, dem Maderbiss im Zündkabel erzählen. Aber im Zeitalter des Rauchverbotes verbleibt es meist beim müden Nicken in Richtung Barkeeper und der Einsicht, dass heute wieder nur Männer in der Bar sind. Das Hotelbett bleibt kalt. Doch Alkohol macht Frauen schön, vielleicht klappt es ja auch bei Männern, doch so besoffen war ich noch nie. Noch verrmisst man solche Geschichten auf dem Blog, der anonymen Alkoholikern die Heimat sein kann, die das wahre Leben nicht mehr zulässt.
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