Kopfgeschütteltes oder weibliche Logik
Oktober 4, 2008
Frauen sind charmant, bezaubernd, unersetzlich und manch anderes, solange man keine hat. Hockt sie einem erst auf der Bude, dekoriert die einst ZEN buddhistische strenge Kahlheit der Zimmer, sortiert die DVD Sammlung nach Farben der Rückencover und stellt das Buchregal mit Ildiko von Kürthy Schwarten voll, bleibt nur noch eines übrig: Kopfschütteln. Da ist noch kein einziges Wort gewechselt, was das bedächtige Schwenken der männlichen Denkzentrale zu einem HWS verursachenden Wirbeln beschleunigen würde. Ja, die Kunst, das Denken durch das Aussprechen der Gedanken zu imitieren, klappt meistens solange, so lange es der männliche Partner schafft, den Redeschwall zu ignorieren. Erhöhen sich Frequenz und damit unweigerlich Tonhöhe und Dringlichkeit des Verlautbarten fällt auch die letzte Festung innerer Ruhe und der Kampf um das Gesprochene und Gemeinte, das Erinnerte und Vergessene oder schlicht die Bodenhoheit im Leben des anderen beginnt. Wer sich 400 Folgen Loriot sparen möchte, braucht sich nur eine Freundin anzuschaffen und ihr den eigenen Wohnungsschlüssel zu geben. Dann ist die Kindheit wirklich vorüber und der Ernst des Lebens beginnt. Der Vorteil, Büroarbeit in einem Einzelzimmer plötzlich ausreichend unterhaltsam zu finden, zerrinnt mit jeder Minute, die man versäumt, Überstunden zu machen und heimkehrt. Meist in eine Wohnung, die man so nie gemietet hatte und auch nie bewohnen wollte. Wieso müssen Socken im Schrank liegen, wenn man sie vom Fußboden aus deutlich leichter anziehen kann? Auch ist das Einstellen von Milchprodukten in das Kühlschrankregal, wo einst Bierflaschen standen, ökonomisch fragwürdig. Bier ist teurer als rechtsdrehender probiotischer Magerjughurt, zumindest wenn man das Sixpack unterbringen möchte. Der Kampf um die Fernbedienung ist ein alter und nicht mehr zeitgemäßer Hut, da das Programm mittlerweile unterirdischer als ein Gespräch über den letzten Shoppingausflug der Holden ist. Doch die Teufelin lauert im Detail des täglichen Beziehungswahnsinns. Kein Nebensatz ist zu unbedeutend, als dass man(n) und frau ihn nicht missverstehen könnten und man Rosen krieg(t) statt Blumen mitzubringen. Äußerst beredte und anschauliche Beispiele liefert der beziehungsgeplagte Blogger der heutigen Linkempfehlung mit brillanter Beobachtungsgabe und reichlichem Wortwitz. Mit Nerven wie Drahtseilen lässt er uns teilhaben am täglichen Scharmützel um des Kaisers Bart oder der Prinzessin’s Erbse. Hier prallen die Welten logischer Nüchternheit und weiblicher Logik aufeinander und amüsieren den, der sich bislang als Single einsam fühlte. Für alle anderen mag es tröstlich sein, dass die Schmerzen an den Schläfen nicht vom Partnertalk, sondern vom Schütteln des Kopfes darüber kommen.
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Frauenquote
August 13, 2008
Mädchen haben es schwer. Sie müssen sich nicht nur von all ihren Geschlechtergenossinnen abheben, sondern auch noch gegen die gefühlte männliche Mehrheit der Weltbevölkerung durchsetzen. Eine Trutzburg aus Haaren, großen Füßen und Achselschweiß, zu nichts nutze als jeden Samstag das Auto im Hof zu waschen oder beim Fußballschauen die Bierflasche mit den Zähnen zu öffnen. Wie viel besser wäre da die Welt, läge sie in manikürter weiblicher Hand. So der Traum einzelner, deren Mehrheit schwindet und der Ton entsprechend an Schärfe zunimmt, wenn sich man(n) auf verbotenes Terrain wagt und gezogene Grenzen, ach was Burggräben versehentlich überschreitet, in dem er ihr die Tür aufhält oder in den Mantel zu helfen versucht. Fehler das. Jahrhunderte des durchlittenen Patriarchats prägen und schärfen die Sinne für die gedankenlose Unterdrückung weiblicher Rechte, wo eine Quote nicht greift. Stichwort Karriereknick, wenn männlicher Samen den weiblichen Körper dominiert und die Weltherrschaft von Bambiaugen und Hüftschwung verhindert. „Meine Vagina gehört mir.“ schallt es folgerichtig aus Feng Shui genormten europäischen Schlafzimmern und gibt der Besuchercouch eine neue Daseinsberechtigung. Wenn Liebesentzug, so es ein Mann überhaupt in die intime Nähe einer der aufrechten Soufragetten schafft, nicht ausreicht, muss die Feministinnen-Partei her. Doch wo Mehrheiten finden? Wie schön waren doch die Zeit, als frau noch für alles kämpfen konnte, was sie der Männerwelt neidete, seien es Hosen tragen, Zigarette rauchen oder 2 Gramm Stoff zur Bademode zu erklären. Mit der Zunahme der Beinlänge männlicher Badebekleidung schrumpfte der Abstand zwischen Mann und Frau und die Ziele wurden rarer. Frauen dürfen nach 18 Uhr auf die Straße, wurde auch schon in Lokalen ohne männliche Bekleidung gesichtet, dürfen Kleinkinder auch ein mal der väterlichen Sorge überlassen und angeblich andere Frauen in aller Öffentlichkeit küssen. Nur das mit dem Wahlrecht war wohl ein Fehler, denn wenn sich frau innerhalb von 5 Minuten unter mehr als 3 Kandidaten entscheiden muss und es kein Rückgaberecht nach einmaligem Tragen auf dem Presseball gibt, artet das in Stress aus. Da helfen dann weder Räucherstäbchen noch Tantrajoga, rechtsdrehender Magerjoghurt oder Powerwalking mit anschließendem Bäumeumarmen. Stattdessen greift die moderne Frau zu Erdbeereis mit Pommes, leert den Kühlschrank, liest einen Artikel über Essstörung im Szenemagazin „Mitgliedlose“ und flucht auf die maskuline Dominanz, die sie zwingt, ihren Körper für Jugend und Schlankheitswahn versklaven zu müssen. Für all diese Entrechteten und Geknechteten sei der heutige Bloglink empfohlen, wo sich Bürger- und Personinnen zum Kleingruppen-Matriarchat treffen, solange nicht eine von denen das gleiche Kleid wie die andere trägt.
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s. aber auch den Rest vom Reisetagebuch “Tourismus 2.0“
Mädchenmannschaft
Juni 5, 2008
Die großen Zeiten der Frauenbewegungen spielen sich heute nur noch in den Fotoalben von Singlefrauen kurz vor der Pensionierungsgrenze oder auf Bühnen der Lesetour von Charlotte Roche ab. Der Rest holder Weiblichkeit lebt ihre Emotionalität aus, bevölkert Laufstege oder unterwirft sich in Castingsshows dem Drill anderer Emanzen, deren Mann beim Singen Zähne zieht. Kein Wunder, dass es vorbei ist mit einer „vagina dentata“, der alles Männliche verschlingenden Urgewalt emanzipierter Frauen, die wirklich böse Möse, die heute zahnlos und rasiert dem blasierten Äffchen von Mann zu Willen ist oder sich von ihrer Freundin zur Latte Macchiato, der einzigen heute noch erlaubten männlichen Zweideutigkeit begleiten lässt. Das ist der Sex der Neuzeit, bei dem kein Mann mehr Kastrationsängste beim ersten Kontakt mit dem hinter dichtem Wald versteckten außerirdischen Gemüse des jeweils anderen Geschlechts haben muss. Körpergeruch, primatenhafter Wildwuchs oder unkontrolliertes Paarungsverhalten freier Liebe sind Attribute einer Zeit, als Mutti und Vati noch lange Haare trugen, Rauchen danach Pflicht und der Roller der VW des kleinen Mannes waren. Heute in einer Zeit, in der Fahrräder teurer sind als chinesische Kleinwagen, haben Lady-Shaver das Feuerzeug in der Handtasche abgelöst und Körpergeruch heißt „She“, „Paris Hilton“ oder „David Beckham“, je nach Frau und persönlicher Note. ER wird zur besseren Freundin und Männer heißen Bruce, moderieren Modesendungen oder gestalten Kindertagesstätten in den Farben der Saison. Schwere Zeiten für ein bisschen Schweiß nach dem Holzhacken bei minus 30 Grad im Hof. Nicht nur Oli Kahn ging in den Ruhestand und mit ihm einer der letzten Gründe für die Emanzipation, sondern auch der Unterschied zwischen Kater und Katze. Die Pussy von heute geht shoppen, trifft sich zum Tee oder hat mindestens drei Livestyle Magazine abonniert, während seine Freundin auf Tantra-Seminaren lernt, dass körperlicher Sex überschätzt wird und es ihm besser geht, wenn Frauen mehr verdienen als Männer, um die evolutionären Ungerechtigkeiten des gefährlichen Mammutjagens wieder gut zu machen. So bleibt der letzte Ort echter Kerle der Fußball, wo sich Männer noch in den Armen liegen und hemmungslose weinen dürfen, wenn Frauen Fußballweltmeister werden.
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s. aber auch den Rest vom Reisetagebuch “Tourismus 2.0“
Babyboom
Mai 23, 2008
Wer Single, weiblich und über 30 ist, sollte einen Platz auf dieser Erde dringend meiden, nämlich IKEA. Das ist kein Platz für alleinstehende Ex-Lebensabschnittpartnerinnen mit der irren Hoffnung, schlaflose Nächte infolge bauchwehgetriebenem Geschreis erdulden zu wollen. Denen verbleiben Großraumdiscotheken mit wechselndem GV. Dafür können diese Frauen sich regelmäßig bessere Regale als diese tröge Billyserie leisten, aber wozu, es gibt keine Bauklötzer, Legosteine, Malbücher oder Comicfiguren darin aufzubewahren. Wer dennoch nicht von Kindern lassen kann, dem sei ein Besuch in einem beliebigen Straßencafé, Biergarten, schicken Restaurant oder beim Allgemeinarzt empfohlen. Denn kaum hat man sich gemütlich niedergelassen, lässt fröhliches Babygeschrei einen Tisch weiter das eigene Weinglas zerspringen und die Sahnesoße zur Edelpasta sauer werden. Oder die Schmerzen im Knie weichen denen blutender Ohren, ganz nach Ort und Zeit. Und sollte besagte Singlefrau aus Zeile 1 die graue Weltschmerzzeit von November bis April ohne ernste Brückensprungpläne überstanden haben, erreicht sie beim Spaziergang im ersten Sonnenstrahl des Jahres der nächste Tiefschlag. Schwangere, wohin sie schaut. Keine Bank im Park, die nicht von mindestens zwei Personen bevölkert ist, seien es junge Paare oder werdende Mütter mit Kuhaugen und Jogginghose. Was muss das Wetter im Herbst schlecht gewesen sein oder die Ehen fad, wenn der Ruf nach einem Stammhalter gleich von der halben Nation erhört wurde. Die andere Hälfte hat entweder die schlaflosen Nächte schon hinter sich, tut alles dafür, dieses gar nicht erst erleben zu müssen oder annonciert unter „Frühlingsblume sucht Biene“. Liebe hormongeschüttelte Frauen, Großfamilien werden überschätzt und alleinerziehende Kinder haben es schwerer als andere, sofern es andere noch gibt. So dankt, dass ihr noch jeden Sonntag zu Muttern und Kaffee mit Wäschekorb und Blumenstrauß reisen dürft und von Besuchen dieser Art selbst verschont bleibt. Für den Rest gibt’s den heutigen:
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Fenster zum Hof
April 16, 2008
Blog ist ein Tagebuch, ist ein Tagebuch, ist ein Tagebuch. Wieso kapiert das keiner und quält die Welt mit praktischen Informationen, aktuellen News und sachlichem Inhalt? Wir wollen Trash, wollen hinter die Vorstadtgardinen schauen und die uns unbekannten Kinder aufwachsen sehen. Jede neue Blüte am heimischen Handtuchgartenkirschbaum, jede frisch gestrickte Socke, Löcher in der Hose der Tochter und der Herzschmerz des Hundes, das will man in Blogs lesen und nicht, was Angele Merkel von der Welt im Allgemeinen und von Nicolas Sarkozy im Speziellen hält. Hier interessieren uns höchsten neue Bilder von Carla Bruni.
Anders im heutigen FrauLiebeBlog. In diesem medialen Handtascheninhalt wird man(n) noch fürs Surfen im Netz belohnt, da tobt das Leben und die Prioritäten sind richtig gesetzt. „Die braunen Stiefel sind nicht besonders Kindergartentauglich.” Den Pulitzer-Preis für diesen Satz und einen Kommentar, was frau damit meinen mag. Doch es klingt nach echtem Leben, nach Problemen, die zu lösen, ein Menschenleben überfordern, zumindest das eines Mannes. Nicht unerwähnt bleiben sollen all die bezaubernden Fotos aus dem Leben dieser Außerirdischen von nebenan, eine Sammlung wilder Alltagsromantik und mein Fenster zum Hof. Wer 1987 noch gegen die Volkszählung in Deutschland auf die Straße ging, lässt heute die Wohnungstür zum eigenen Leben sperrangelweit offen und lädt zu Selbstgebackenem, dessen Foto selbstverständlich geblogt wird, Diät hin oder her. Denn was oben rein geht, muss unten wieder raus und ist Teil liebenswerten Exhibitionismuses, der in einer einfachen Kinderzeichnung gipfelt:
„Geeske macht Kacka“.
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go feminin
März 5, 2008
Entdecken Sie die weibliche Seite in Ihnen oder finden Sie Geschlechtsgenossinnen, die sich mit Ihnen auf der Seite der aufgeklärten Frau zwischen Gewichtsproblemen und Sexualfantasien geborgen fühlen. Eine Flut in rosa getauchter Blogeinträge aus aller Frauen-Länder oder Ländlichkeiten, wenn man die Haushaltstipps und –themen zusammenzählt. Natürlich mischen sich nicht nur unter die Kommentatoren zahlreiche Männer, auch Blogger wurden unter dem Label „go feminin“ gesichtet, meist in entrückter Darstellung erträumter Quickies mit Büroputzkräften oder schwedischer Kunststudentin als Nachbarin. Billig sagen Sie? Nein, vielmehr Ausdruck der Vielschichtigkeit der Menschen und Männer, die neben Bindehautgewebeschwäche und Einkaufstipps um ihre Daseinsberechtigung kämpfen. Das hebt sich dann wohltuend von den zahllosen Einträgen mit „cat-content“ ab, also Berichten aus dem Leben und Leiden der eigenen Katze, die verziert mit Bildern, die die Welt erfreuen, die Seite zum Paradies auch für Kleintierliebhaber machen. Gewürzt mit ein paar sehr persönlichen und äußert privaten Einblicken in das Beziehungsleben einzelner Bloggerinnen, deren Tagebuchschmachtfetzen nichts ohne die psychologisch fundierten Kommentare ihres Freundinnenkreises wären, wird diese Seite zum Augenschmaus für Menschen, deren Liebesleben zwischen Windelwaschen und Schwiegermutterbesuch feststeckt.
go feminin
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jottwehdeh
März 3, 2008
“Ein Wollfaden ist eigentlich nicht dick, auch ein dickerer nicht. Er ist vielmehr flauschig. Das heißt, wenn man den Wollfaden lässt, wie er will, plustert er sich auf; die Fasern gehen auf Abstand zueinander und lassen Luft zwischen sich. …“
Eine wunderbare Seite zum Abschalten vom täglichen Einerlei und Zurückbesinnen auf die wirklichen Werte im Leben. Vielen Dank.
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Wer bin ich?
März 1, 2008
Ecco homo: Die Frage nach dem „ich“ kann man nicht besser beantworten. Aber dahinter verbirgt sich ein Reisender, ein neugieriger Geist, der lediglich die Vorhänge des Theaters bewegt, das andere bespielen, der die Getränke reicht, wenn die Stars in die Pause gehen. Ich finde im Netz und werde gefunden und erzähle, biete ein Fenster in die Köpfe anderer und hänge die Blog-Links an die schwarzen Bretter der Web2.0 Community. Nicht ich interessiere auf meinem Blog, sondern die Themen-Blogger, deren inneres und äußeres Wirken ich zugänglich mache, ohne zu Privates des Tagebuches auszuplaudern. Jeder, der meine Seite besucht, sucht Themen anderer Blogs und wird bestenfalls mit dem Antwortgeber auf seine Fragen verlinkt. Das Bindeglied ist mein Reisetagebuch, das ohne Wurzeln frei ist und hinter den Protagonisten meiner Empfehlungen verschwimmt, Mittel zum Zweck ist, der Weg zum Ziel und Unterhaltung.
hier gehts zum ersten Eintrag….
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