Hitlers Geburtstag
April 20, 2009
Mal wieder begehen wir einen Tag, der ähnlich der Bildzeitung, Mc Donald oder öffentlicher Toiletten erstaunlich populär ist, auch wenn niemand offiziell liest, isst, benutzt oder die Reichsfahne hisst. Doch jeder redet darüber, natürlich nicht, ohne vorher den Finger – Achtung: nicht versehentlich den ganzen rechten Arm – schulmeisterlich zu heben und seiner Abscheu diesem Tag gegenüber Ausdruck zu verleihen. Schön, wenn Traditionen und einstige Ehrentage auf solche Art im kollektiven Bewusstsein bleiben, denn wirklich geschichtlich bewanderte und politisch sensible Menschen würden statt betroffen zu reden, wissend schweigen und ja, auch das wäre möglich, ein spannenderes Datum kennen als ausgerechnet des Führers Wiegenfest. Wann zum Beispiel wurden Goethe, Karl Marx oder Albert Einstein geboren? Oder Angela Merkel, Obama oder Bin Laden? Letzterer wäre es doch wert, hinter vorgehaltener Hand und voller Abscheu alljährlich wieder ein Kerzlein auf den Gabentisch gestellt zu bekommen, politisch korrekt erneut mit dem erhobenen Zeigefinger, diesmal aber dem der linken Hand, denn die ist unrein und so bäh wie Bin Laden auch. Kaum zu glauben hierbei, dass sich schwangere Mütter, die als kugelrunder Bauchnabel der Welt selbst zum Ausbund diktatorischer Intoleranz werden, sorgen, ihr Kind könnte ausgerechnet am bekanntesten deutschen Untag das Licht der Welt erblicken. Damit, so fürchten sie wohl, könnte das kalendarisch stigmatisierte Kind an die Schatten der Vergangenheit anknüpfen, die von den missionarischen Geschichtslaien Jahr für Jahr aus der Gruft gezerrt werden, um dem zu gedenken, der längst vergessen gehört. Unsere beim Schreiben ihres Windelblogs vermutlich schon in den Wehen liegende Blogmutti hatte auf minder vergnügliche Art und Weise den mahnenden Auftrag eines weitverzweigten und historisch interessierten Freundeskreises, Ihr Kind doch bitte schön nicht am Tag des „dessen Namen nicht genannt werden Gedurften“ auf die Welt zu bringen. Notfalls ließ sich das auch schnell und schmerzlos mittels Kaiserschnitt verhindern oder eben mal alle Öffnungen zu pressen. Was einer Empfängnis vorbeugend noch sinnvoll gewesen wäre, stellt sich aber bei dem Wunder der Geburt als weniger tragfähiges Konzept dar, weshalb ich vorschlage, den August zur geschlechtsverkehrsfreien Zeit zu erklären, um zu verhindern, das jemals wieder in der Geschichte des Abendlandes von deutschem Boden April Geburten ausgehen. Allerdings sind da Schulferien, wo in der Regel eh nur Teenager poppen, denen Urgroßdeutsche mit Schnauzer und Seitenscheitel am Allerwertesten vorbeigehen.
artwork