Auf ins Jahr des Büffels

Dezember 31, 2008

Gespannt sitzen sie am Tisch, aber statt einer Stecknadel hört man ein Platschen, dann ein lautes Zischen und kurz darauf viele erstaunte Ahs und Ohs und „nein, das sieht nicht aus wie eine Ente.“ Es ist Silvester und neben Fondue und Erdbeerlimes gehört Bleigießen zu den unausrottbaren Ritualen dieses eher feucht denn fröhlichen Festes. Kaum sind der Neujahrskater und das eben angebrochene Jahr vorüber, sieht man die Leute wieder mit Fragezeichen auf der Stirn ziellos auf der Suche nach der ultimativen Silvesterparty herumirren, um nur ja dem heimischen Trübsal zu entfliehen. Fast jeder Zweite wollte zum Jahreswechsel schon einmal verreisen, aber die Vorstellung, wildfremden Menschen unter Palmen um Mitternacht um den Hals zu fallen, ist schon auf der eigenen Straße unangenehm, geht man doch auch sonst den Nachbarn tunlichst aus dem Weg. Wer noch Restgeld vom ausklingenden Jahr übrig hat, dem sei eines der vielen Silvestermenüs in ach so launig geschmückten Restaurants empfohlen, wo man mit wildfremden Menschen stundenlang bei übersichtlichen Portionen und lauwarmen Sekt dem unvermeidlichen Ende des Jahres entgegenwartet. Das ist nicht nur furchtbar langweilig, sondern auch noch dekadent teuer, so dass es nicht verwundert, wenn die meisten Lokale trotz Wirtschaftskrise und drohender Abgeltunsgsteuer ausgebucht sind. Ja, das neue Jahr scheint wenig Erfreuliches zu bringen. Bedenklich, dass sich dieses Gefühl alljährlich aufdrängt und man allmählich die Großeltern verstehen lernt, deren Leben früher doch so viel besser war. Doch was die Zukunft wirklich bringen wird, liegt in den Sternen, wohl einer der Gründe, weshalb zum Jahreswechsel Horoskope, Wahrsagen, Handlesen und oben besagtes Bleigießen Konjunktur haben und selbst die Aufgeklärtesten beim Radiohoroskop andächtig ihrem Sternzeichen lauschen, um anschließend zu beteuern, hiervon natürlich nichts zu halten. Flutkatastrophen, Börsencrashs, Seuchen und der Tod des Papstes führen die TopTen der alljährlichen Prognosen an, ebenso sicher wie der ausbrechende Nahostkonflikt, der Weltuntergang oder noch schlimmer die Wiederwahl der SPD. Spätestens hier entlarven sich Hellseher und Wahrsager als Scharlatane, die außer Zeitung lesen und Statistiken auswerten keine medialen Fähigkeiten haben. Meistens sind das dann Zwillinge oder Waagen, die besonders empathisch für die Schwingungen des Kosmoses sind und traumwandlerisch zwischen den Mondhäusern und dem Sonnenazimut hin und her wandern. Nur eben ohne Garantie auf das Weisgesagte und Vorausgeschaute, denn wie lässt sich anders erklären, dass es 2008 genügte ein Schwein zu sein, um Glück zu haben und 2009 ausgerechnet die Büffel unter uns die vom Leben geküssten sein sollen. Antworten auf diese Fragen oder Tarotkarten gegen Gebühr bekommt man auf folgendem verlinkten Blog Orakel.

sylvester1_small Astro Blog

artwork (wish a Happy New Year)

Konsum trotz Werbung?

Dezember 28, 2008

Wo hört Verbraucherinformation auf und beginnt Unterhaltung? Eine für Fernsehfilmunterbrechungsopfer relevante Frage, entscheidet diese doch über Klogang oder Verharren vor der Mattscheibe. Umso erstaunlicher, dass sich die Werbeschaffenden zwar jedes Jahr selbst Preise für besonders originelle Spots verleihen, beim Verbraucher aber davon nichts ankommt. Vielmehr muss der durchschnittliche Privatsendergucker ein tägliches Einheitsmaß an uninspirierter und fast schon Produkt gefährdender Langeweile ertragen. Wären die öffentlich-rechtlichen Sender nicht noch trostloser, der Trend zum Wegschalten in Werbepausen würde ähnlich dem Schauen von Serien auf DVD stark zunehmen und die Lichter in den Senderäumen von RTL & Co. gingen pünktlich zur Abschaffung der Glühbirne aus. Ausgegangen scheinen den Berufskreativen auch die Ideen für gelungene Kinowerbung. Einem Déjà-vu gleich überkommt einen das beklemmende Gefühl, dass die Matrix in einer Endlosschleife hängt, betritt man nach einem Jahr Pause einen nach Popcorn stinkenden Kinosaal und sieht sich den lieblos aneinander gestückelten Spots lokaler Autohäuser, Unterschichtengazetten, Billardsalons oder den ewig gleich schwulen rauchenden Cowboys ausgesetzt. Versicherungen buhlen ebenso um Kundschaft wie der Öffentliche Nahverkehr, der sich bei der Qualität der Werbung nicht wundern muss, wenn die Schwarzfahrten zunehmen. Vorbei sind die Zeiten von schallendem Lachen quer durch die Kinoreihen und dem Wunsch, der Hauptfilm möge nie beginnen. Auch wenn heute viele Blockbuster eher verlängerten Werbespots ähneln, gehört die 20minütige Verweildauer bis zum Beginn desselben mittlerweile auf die Agenda sämtlicher Menschenrechtsorganisationen, denn Folter beginnt fließend. Herz- und Hirnlos präsentieren sich die Vordenker späterer Verbrauchergewohnheiten und verlassen sich auf die ebenso leergefegten Dachstübchen ihrer Konkurrenten. Humor ist, wenn man dennoch lacht, in Deutschland jedoch nur noch über Clips benachbarter Länder, die erkannt haben, dass man mit einem Lächeln im Gesicht weder auf die Stellen nach dem Komma noch besonders auf das Kleingedruckte beim Kauf lustig präsentierten Unrats achtet. So lassen sich Kühlschränke an Eskimos und Neger an das Amerikanische Volk verkaufen, aber eben auch Damenbinden, Mundduschen und Tierfutter. Wer sich nun wundert, dass trotz des hier beschriebenen Werbetrübsals die Geschäfte an den Adventsfeiertagen besonders voll sind, dem sei gesagt, dass nicht „trotz“, sondern „deswegen“ die Vokal der Wahl ist, denn selbst der geduldigste Konsument ergreift angesichts der geballten Flut an trögen Werbebotschaften kurz vor dem Weihnachtsfest irgendwann die Flucht. Das wäre vermeidbar gewesen, hätten diese TV-Opfer stattdessen auf den nachfolgenden Blog geblickt, um zu sehen, wo Verbraucherinformationen aufhören und Unterhaltung beginnt.

 

Werbe Blog

 

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Ein Herz für Tiere

Dezember 25, 2008

Da sitzen sie wieder, die süßen, zu groß gewordenen Traumkuscheltiere und frieren angebunden an Autobahnrasstätten oder Parkplatztoiletten. Von Herrchen und Frauchen verlassen, die sich wieder auf die Schule vorbereiten müssen und keine Zeit mehr fürs Weihnachtsgeschenk vom letzten Jahr haben. Da war das kleine Knuffeltier ja auch noch süß und tapsig und roch ganz frisch nach Muttermilch, von deren Zitzen es Wochen zu früh hinweg gerissen wurde, um als neues Familienmitglied Karriere zu machen. Doch auch dieses Stofftier musste mal vor die Tür und das bei Wind und Wetter, was die Begeisterung schmälern half. Als Lerntherapie für die einen, bald lästige Pflicht für die anderen, konnten Hector, Purzel oder Pussy keiner Seite gerecht werden. Was also blieb Eltern, die das Verantwortungsgefühl von 6jährigen überschätzt hatten, anderes übrig, als die armen Tiere vor Tierlaboren zu schützen und auszusetzen. Es ist ja bekannt, das Menschen mit mehr Zeit und Platz regelmäßig angebundene, ausgewachsene und unbekannte Hunde an Parkplätzen auflesen und mitnehmen. So bleiben Gewissen und Ledercouch rein, und das Kind bekommt einen Hamster, der stirbt nach spätestens zwei Jahren. Tiere unterm Weihnachtsbaum, ein Klischee, das die Firma Steiff einst reich machte. Heute profitieren polnische Züchtervereine, denen Tierschutz und Ausbildung in der Aufzucht und Haltung von Haustieren nicht im Wege stehen. Versandfertig in zwei Tagen und Widerruf bis zwei Wochen nach Erhalt, regelmäßige Fütterung vorausgesetzt. So macht Shopping richtig Spaß, vor allem, wenn man gemütlich am heimischen PC in all die herzigen Kindchenschemagesichtchen der felligen Schmusetiere blicken kann. Da werden Kinderaugen groß, Mütterherzen weich und Vätergeldbeutel leer, halt etwas für die ganze Familie. An den Halsbändern läuten kleine Glöckchen Jingle Bells und das Kind ist mindestens zwei Tage glücklich, was die Eltern die Feiertage erst richtig genießen lässt. Wie oft hört man Eltern später seufzen, dass der Nachwuchs ihnen langsam über den Kopf wächst und wie schön es war, als man den kleinen Hosenscheißer noch auf dem Arm herum tragen konnte. Naja, in die Hosen scheißen sie eher selten, eher auf, doch herumtragen ließen sich viele der fünften Räder am Familienwagen gut und gerne 14 Jahre lang. Wer diese Zeit erübrigen kann, ist auf dem Tierschutz geprüften und artgerechten Haustierblog richtig und soll in der Hölle schmoren, wenn das Fellknäul zwei Meter groß im nächsten Jahr am erstbesten Hydranten angekettet wird.

Haustier Blog

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Von ganzem Herzen

Dezember 21, 2008

Jedes Jahr werden die Farben bunter und die Töne surroundiger, die Fernseher größer und die Werbeclips länger. Die Welt ist auf der Suche nach dem ultimativen Geschenk, das bei all dem Überfluss in Kellern und auf Speichern aus der grauen Menge klebrig bunten Unrats herausschaut. Das brillante Einzelstück oder ein einzelner Brillant, den Mädels wirds egal sein, solange es schön und teuer, am besten schön teuer ist und die beste Freundin kein vergleichbares Schmuckstück an Bauchnaben, Nasenloch oder Klitoris trägt. Gut dass wir uns über eigene Ideen zum Fest keine Gedanken mehr machen müssen, eine Fahrt in der UBahn genügt bereits, um ausreichend mit Werbeflyern und wenig unterschwelligen Botschaften an ein erwünschtes Konsumverhalten versorgt zu sein. Von allergiefreien, weil felllosen Hunden (für die Präsidenten-Töchter) bis hin zur Brustvergrößerung für 11jährige, alles was das Herz will und der Geldbeutel kann. Wem das alles noch zu langweilig ist, kann sich auch gern in einer Tauchglocke zur Titanic herab lassen und dafür 30.000 Euro versenken. Wenigstens aber hat man was zum Angeben vor den Kollegen im neuen Jahr. Auch senkrecht Hochhäuser hinab rennen liegt dieses Jahr voll im Trend. Am besten vor der Gesundheitsreform schnell noch in eine Krankenkasse wechseln, die das oder ausreichend psychologische Betreuung übernimmt. Ansonsten greifen Männer ideenreich entsprechend den wechselnden Moden und Launen der zu beschenkenden Damen zu Originellem wie Parfüme oder Schals und Frauen finden einen von Ronaldo oder Ronaldino handsignierten Golfball, sind aber sauer, wenn er murmelt, dass es ein Premiere Abo auch getan hätte. Am leichtesten sind Großeltern oder andere Personen zu beschenken, die schon alles haben oder zumindest das auf die Frage nach Wünschen entgegnen. Den schwersten Fehler, den man dann machen kann, ist das ernst zu nehmen und von teuren Präsenten abzusehen. Fast so schwer, wie der Satz zur Freundin „Dieses Jahr schenken wir uns mal nichts, Schatz“. Da sind Minusgrade unterm Baum garantiert. Wer nicht gerade eine neue Freundin auf dem Wunschzettel stehen hat, sondern die alte noch ein Jahr ertragen möchte, sei gut beraten, auf folgendem Link nach Geschenkideen zu suchen, bevor alljährlich der 24. Dezember völlig unerwartet anbricht und Pralinen von der Tankstelle die letzte Rettung sind.

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Haste mal ne Mark?

Dezember 18, 2008

Mit dem Dezember erwacht bei vielen Radiostationen, Fernsehanstalten und kirchlichen Kindergärten das soziale Gewissen und mit ihm der Wunsch, noch einmal richtig Kasse bis zum Jahresausklang zu machen. Entsprechend werden im 5 Minutentakt Jingles oder Werbespots voller emotionaler Rührdramatik geschaltet, um das deutsche Volk zur Rettung der Welt aufzurufen. Wer die Geldbeutel der Eltern bereits bis November geleert hatte, kann alternativ all den überflüssigen Geschenkekram des Vorjahres unter seinem Kinderbett hervorkramen oder dem Hund wegnehmen und zusammen mit für 50 Jahre gefriergetrockneten Lebensmittel in Care-Pakete für all die Kinder der 3. Welt packen, egal ob diese in Frankreich, England oder Berlin leben. Ja, die Guten unter uns teilen und das meist lauthals an jedem der vier Adventssonntage auf allen Medienkanälen und Einkaufspassagen der Welt mit, wie gut es tut, sein Herz nicht an Dinge zu hängen und sich solidarisch mit den weniger vom Wirtschaftswunder Beschenkten zu zeigen. Allen voran unsere Politiker, die es gewöhnt sind, anderer Leute Geld auszugeben und sich von Berufswegen für das Elend der Welt zuständig fühlen, das es ohne sie gar nicht gäbe. Im Zeichen der geöffneten Hände ist es zwar dem gemeinen Volk untersagt, Müllfahrern, Straßenkehrern und anderen Großverdienern im öffentlichen Dienst ein Trinkgeld zu geben, aber für eine Schüssel Reis in Indien oder 2 Quadratmeter Regenwald dürfen wir unsere Sparschweine schlachten. Es lebe die Weihnachtszeit, die es uns alljährlich vors Auge führt, wie schlecht und habgierig wir doch sind und wie wichtig es ist, die personalintensive Gutmenschenverwaltung von Rote-Kreuz & Co zu finanzieren. Was dann noch übrig bleibt, geht an die deutsche Post fürs Porto drauf, um die mit Liebe und Ramsch gepackten Pakete dorthin zu schicken, wo noch Platz ist im Keller ist, weil sich dank Klimaerwärmung oder Wüstensand die Anschaffung einer Skiausrüstung nicht lohnt. Wem das zu zynisch klingt, darf gern gegen Flutkatastrophen, Wirbelstürme oder Missernten dank gigantischer Stauseeprojekte anspenden oder sich unter folgendem Link über aktuelle Spendenaktionen informieren. Aber schnell machen, denn spätestens wenn die Sternsänger vor der Tür um Süßes betteln, sind die Spendierhosetaschen des Deutschen wieder zugenäht, denn Weihnachten ist fern.

Spenden Blog

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Ps: Wer auf der heutigen Blogempfehlung vergeblich nach Einträgen sucht, darf gern seine Spende an mich schicken. Kontonummer kommt auf Anfrage.

Newsflash

Dezember 15, 2008

Was ist noch unspannender als eine Talksendung mit Anne Will? Zwei Talksendungen mit ihr? Nein, die Zeitung von gestern. Wollen Sie Zeit sparen, lesen Sie die Wochenendausgabe einer Tageszeitung oder am besten eine Monatszeitschrift, denn 80% der Nachrichten von gestern sind heute schon überholt. Wer soll das alles noch aufnehmen und verarbeiten? Doch diese inflationäre Flut an News gleicht einem Tsunami, der alles verschlingt, was es an gefiltertem Verstand und gut recherchiertem Inhalt noch gibt. Eine zigfache Verwertung schnöder dpa-Meldungen in allen Medienformaten kostet den Interessierten nicht nur Nerven und Überblick, sondern vor allem Lebenszeit. Bedenkt man die Möglichkeiten zusätzlicher Informationen durch ausländische Gazetten, steigen Nachrichtendichte und Zeitverschwendung expotentiell an, ohne dass die Tiefe der Information entsprechend zunehmen würde. Redundanz als Mittel zum Zweck der Kundenbindung und Breitbandbeballerung mit auch noch so nebensächlichen Tagesberichten aus der Welt von Überfluss und Überflüssigem. Der Tagesbedarf an Neuigkeiten ist bereits mit dem Angehen des Radioweckers gedeckt. Dass sich einem neben der buchdicken Tageszeitung auch noch gigabyte große Newsticker auf diversen Internetplattformen und onlinegestellten Zeitungen aufdrängen, lässt sich mit einer durchschnittlichen Verweildauer von 2 Minuten pro Interesse weckendem Artikel und einer durchschnittlichen Arbeitszeit von 8 Stunden täglich nicht mehr vereinbaren. Die Forderung der Arbeitgeberseite zur lohneutralen Ausdehnung der Arbeitszeit ist unter diesem Gesichtspunkt nur zu verständlich. Doch eine Problembombe tickt bereits, hat sich doch der Trend zum Bildschirmlesen zu den über 20jährigen noch nicht herumgesprochen, zumal verantwortungsbewusste Optiker hiervon auch dringend abraten. So wird munter jeder Unterhaltung versprechende Nachrichtenschnipsel ausgedruckt, was den Papierbedarf in durchschnittlichen Büros um ein Vielfaches anschwellen lässt. Das dürfte all die Hersteller von Papier und Tonerkartuschen freuen, wird aber die Umweltverbände auf die Barrikaden treiben, sofern die nicht gerade zum Kopierraum unterwegs sind, um sich all die hierzu erschienenen Artikel auszudrucken und flugblattartig zu vervielfältigen. Wer die Zeitung von gestern jedoch nur zum Fisch einwickeln oder als Unterlage in seinem Vogelkäfig verwendet, kann sich entgangene Randbemerkungen zu den vielfach minder interessanten Neuigkeiten der Welt auf Nobby’s News Blog ausdrucken und durchlesen.

News Blog

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Kinderhand macht bunte Wand

Dezember 12, 2008

Es ist Bastelzeit, Weihnachten steht vor der Tür und tausende von Eltern und Großeltern wollen beschenkt, beglückt und zugemüllt werden mit von pummligen Kinderhänden windschief aufgeklebten Papierschnipseln und wackeligen Fotos mit abgeschnittenen Köpfen. Wunderbar. Herzige selbstgemalte Bilder voller Gleichgültigkeit gegenüber Farben, Formen und Inhalten zeigen, dass Kinderherzen frei von ästhetischen Zwängen sind und voller Lebensfreude, die mit den Jahren und dem Anstieg materieller Wünsche stetig abnimmt. Es ist lustig, wenn die Mama groß wie das hingekritzelte Hexenhaus ist, der jüngere Bruder an den Bildrand gequetscht wurde und Papa als schwarzer Barträger mit langen dünnen Fingern als Fremdkörper im Farbenmeer von gelbem Sonnegesicht und rotblauer Wiese dargestellt wird. Ja, das ist ein Pferd, keine Fußbank mit Ohren und einem Stock im Hintern. Und die Vögel fliegen ungefähr 5 Meter groß durch den sich ewig kringelnden Rauch, der aus dem viele Kinderbilder zierenden Schornstein entweicht. Kinderhand und Kindermund, wer das vermeidet bleibt gesund, aber auch wenig unterhalten. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, außer vielleicht dem nur gering ausgeprägten Renovierungsbedürfnis mancher Eltern, die die Wahl zwischen einem mit Knetmasse und Malstiften ruhiggestellten Kind oder einem ästhetisch schönen Zuhause haben. Beides geht nicht, aber bunte Striche an allen Wände in der Höhe deutscher Wachhunde oder allerlei munter in die Couchritzen verschmierter Bastelkram zeugen von einem regen Familienleben. Erlebnispädagogik auf dem Abenteuerspielplatz des heimischen Wohnzimmerteppichs, den es alle 2 Jahre auszutauschen gilt, doch anders wäre IKEA auch nie zu Ruhm und Reichtum gekommen. Fettmalstifte zwei Euro, Seidentapete 150 Euro, große Kinderaugen beim Betrachten der farbenfroh verschönerten Wandverkleidung unbezahlbar, denn damit ist das monatliche Kindergeld aufgebraucht. Wer sich eine weiße Ledercouch leistete, ahnte beim Kauf entweder noch nichts vom anstehenden Kindersegen oder hat es nicht anders verdient. Bestenfalls hoffen Besitzer von Kinderhand verzierter Möbelstücke auf die Entdeckung des kleinen Genies als neuem Damien Hirst und stellen die dem eigenen Schönheitsempfinden diametral gegenüber stehenden Kunstobjekte erst einmal auf den Speicher. 20 Jahre später kann solches die Rente sichern helfen, denn Kunst hat immer Konjunktur. Zur Ausbildung künftiger, in schwarzen Rollkragen gekleideter Vollversorger und Lichtpunkte am abstrakten Kunsthimmel dient das richtige Equipment, das auch Eltern der Generation Holzspielzeug und anthroposophischer Farblehre überzeugen dürfte. Selbiges findet sich im Scrapbookladen unter der anschließend verlinkten Adresse.

kinderzeichnung Bastel Blog

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Trau schau wem!

Dezember 9, 2008

Das Superwahljahr steht bevor und mit ihm die eine oder andere Landtags-, Europa- und Bundestagswahl. Die des Präsidenten bleibt uns Normalsterblichen zum Glück noch vorenthalten, dafür stehen ausreichend unterbeschäftigte C-Promis und andere für die Gesellschaft überlebenswichtige Personen zur Verfügung oder zur Wahl. Ein Hoch auf die Demokratie, wenn man sich vergleichend das Supersuperwahljahr in den USA anschaut und endlich froh ist, sein gewohntes Maß an Titten, Thesen, Tralla in den RTL II-Newsflash-Sendungen nicht mehr durch den ewig grinsenden Barack Obama unterbrochen zu sehen. Das tut sich bei Angela Merkel kein Privatsender an, zumal weder die aktuelle Gesundheitsreform noch eine privatkrankenversicherte Bundeskanzlerin das richtige Umfeld für beworbene Drittzahnprothetik wären. Dann lieber Frauentausch und Kochduell, das hat Identifikationspotential und passt auch ins Werbeumfeld, ohne das wir schon längst verlernt hätten, auf Klo zu gehen. Doch von all dem unberührt bleibt die Sorge um unsere Volksvertreter und deren gesicherte Zukunft angesichts drohender Bedeutungslosigkeit im Falle eines Wahlergebnisses unterhalb der Regierungsbeteiligung. Hier heißt es, sich solidarisch zu zeigen und all das zu glauben, was uns Wahlwerbung und Parteienprogramme glauben lassen wollen. Letztlich spielt es auch keine Rolle, was versprochen wird, denn irgendwo steht jeden Tag ein Terrorist auf, auf den sich ausbleibende Steuergeschenke, Datenschutzlücken oder schlechtes Wetter schieben lassen. Insoweit ist das Modewort der Generation Umhängetasche, die sogenannte Politikverdrossenheit kaum noch zeitgemäß, überlaunig und gemein, denn wer meckert, soll auch wählen oder Politiker werden. Letzteres ist in jedem Fall ein guter Rat bei der frühkindlichen Berufswahlüberlegung, denn wenn schon Beamter (Feuerwehrmann oder Polizist), dann doch ein gutbezahlter. Doch was die Bezahlung angeht, stehen unsere Volksvertreter im Vergleich zu Wirtschaftsmagnaten doch eher im Regen. Ähnlich wie sie tragen sie für ihr Handeln kaum Verantwortung, doch von Millionenabfindungen bei extremem Machtmissbrauch sind sie weit entfernt. Dabei geben sie sich doch alle Mühe, ihren Vorbildern und Stichwortgebern bei den Banken und Versicherungen im Vernichten von Kaufkraft und Arbeitsplätzen in nichts nachzustehen. Demut und Verständnis sollten wir, die Herren der von Altersvorsorge und Steuerschuld befreiten Staatsdiener mit Chauffeur aufbringen und bereit sein, für Volk und Vaterland mehr als nur 50% unseres Einkommens zu opfern. Unsere Politiker verkauften ihre Seele, um unser aller Arsch zu retten, der im besten Fall Kanzler wird. Das dürfte ganz im Sinne des politisch ambitionierten Blogs sein, den es heute zu empfehlen gilt.

 

Politikpest Blog

 

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Viel anderes bleibt diesem Format im neunten Aufguss auch nicht übrig, denn dass irgendjemand seinerseits und freiwillig diesen Fernsehzoo beobachtet, ist vermutlich sogar im Zeitalter des Unterschichtenfernsehens auszuschließen. Müde erinnern sich die Älteren unter uns noch an die Staffel 1, als Zladko, Jürgen und Sabrina die Nation aufmischten und ihre 15 Minuten Ruhm bekamen. Doch spätestens als Zladdi und Sabrina für eine erotische Homestory gewonnen werden sollten (Stichwort: Porno), war klar, Karriere sieht anders aus. 10 Jahre später, und um vieles leiser marschieren von der Nation unbemerkt 6 Kandidaten in den medialen Knast, mit wenig Aussicht auf den deutschen Fernsehpreis und eine Einladung zu Kerner & Co. Denn selbst für diese notorisch mit spannenden Talkgästen unterversorgten Allesverwerter dürften die Big Brüder und Schwestern zu blass und unbekannt sein und bleiben. Ähnlich wie der ausstrahlende Sender RTLII, der auf den meisten Fernbedienungen noch hinter HOT, ARTE und dem Testbild eingespeichert sein dürfte. Doch was motiviert junge Leute, sich fernab von SBahn-Schlägereien, Youporn-Gucken und Hartz IV-Antrag-Ausfüllen für dieses Exhibitionisten-Camp zu melden? Die Chance, für die Quote einen geblasen zu bekommen? Nein, das ist ein alter Hut. Sozialauflagen der Jugendgerichte? Auch eher unwahrscheinlich. Vielmehr glaube ich angesichts steigender Energiekosten, dass die Möglichkeit über den Winter zu kommen, verzweifelte Menschen alles tun lässt. Ehre hin und Selbstwertgefühl her, ein bisschen Spiel, Spaß und Spannung unter kameragesteuerter Beobachtung und in geheizten Räumen ist besser als Schnee von den Gehwegen fegen oder das Kontrollieren von Bahntickets für die Öffentlichen Verkehrsbetriebe. Nicht zu unterschätzen ist auch der Nutzen dieser Sendung für die heranwachsende Generation, der Eltern mahnend sagen können: „Wenn du nix lernst, landest du bei Big Brother.“. Das sollte den Übertritt von der Grundschule aufs Gymnasium in der 4. Jahrgangsstufe garantieren. Deshalb wird es auch langsam Zeit, dass die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten auf das Container-Fernsehen aufmerksam werden und es in ihr Angebot aufnehmen. EinGEZogenes Geld genug dürfte da sein und auch ausreichend wenige Zuschauer, die sich über diesen Werteverfall wundern oder gar aufregen würden. Vielleicht kann die ARD sämtliche alleinstehenden Bauern in eine Scheune sperren und das ZDF steuert Dschungelcamp gestählte weibliche F-Promis bei, gern aus früheren BB-Staffeln, auf dass am Ende der zweijährigen Übertragung die Super-Nanni den öffentlich-rechtlich gezeugten, geboren und aufgezogenen Nachwuchs betreuen kann. Das nennt man Crossmarketing und spart Kosten für weitere Formate, wie „Pimp up my Rollstuhl“, „Unser schönes Altenheim“ oder „Das perfekte Essen auf Rädern“.

 

BigBrother Blog

 

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Baby im Sack

Dezember 3, 2008

Auch wenn der Titel eine muntere Auseinandersetzung mit der Entstehung des Lebens im Allgemeinen und dem Zeugungsakt im Besonderen verspricht, muss ich die rare Zahl an Lesern enttäuschen. Es geht um weit Profaneres, nämlich um das Tragen eines Säuglings in jeder erdenklichen Form eines Aufbewahrungsbeutels egal ob zum Umhängen, zum auf den Rücken oder vor den Bauch spannen oder zum indianergleich um den Körper herumwickeln. Kaum ein weniger spannenderes Thema fand je Eingang in dieses Reisetagebuch, doch es soll eine Mischung aus Alltäglichem, Nützlichem, Unterhaltsamem und Kuriosem sein und letzteres ist mit dieser heutigen Blogempfehlung klar erfüllt. Eine Web 2.0 Plattform nur für Berichte aus der Welt herumgetragener Kleinkinder? Was muss Speicherplatz billig sein, ein Wunder, dass Amazon und Google damit den größten Teil ihres Umsatzes machen. An sogenannte Windelblogs gelangweilter und vom Hospitalismus heimgesuchter Mütter gewohnt, verfängt sich die Wortsuche zum Beschreiben dieser Form der Themenwahl in der Leere eines bildschirmmüden Gehirns. Fast bin ich geneigt, die Nachrichten von Seite 4 der Ortspostille von Klein Merkentau vom letzten Montag abzuschreiben, um überhaupt mit irgendetwas von Belang den heutigen Eintrag zu füllen. Menschen, die ihr eure Kinder vor oder hinterm Bauch, auf dem Kopf oder im Koffer durch die Welt tragt, genießt die Zeit mit eurem Balg und vermeidet die Suche nach Gleichgesinnten in der weltweiten Blogosphäre. Es lohnt den Aufwand nicht, außer man gehört zu der Spezies Mensch, die keine Entscheidung ohne die Befragung von 100 Einzelhandelverkäufern, Seelsorgentelefonen und entsprechender Interessen- bzw. Therapiegruppen fällen können. Dann kann die Frage nach der kinderpsychologisch korrekten Farb- und Materialwahl und dem reichen Erfahrungsschatz zu Tragekompfort und Brennwert dieser formschönen Babysacktragegebinde von Bedeutung sein. Keiner möchte doch später vom eigenen Nachwuchs den Vorwurf erfahren, man hätte sich nicht ausreichend um Nestwärme und Körperkontakt bemüht und müsse sich jetzt nicht wundern, wenn Kevin Bin Laden Schuster mit knielangem Bart in Guantanamo landet oder Jasmin Yvene Klostermeier mit 10 Jahren unter der Erde belgischer, alleinstehender, männlicher Reihenhausbewohner aufgefunden wird. Ja ja, insoweit hätte der Blick auf einen Kindertragetaschen-Blog Schlimmstes verhindert, weshalb ich gegen lähmende Langeweile anschreibe und den, der es nicht lassen kann, auf diesen Link von ganzem Herzen und voller Mitlied verweisen möchte. Zum Glück ist er auf Englisch, da verhält es sich wie mit englischsprachiger Musik, man versteht nur jedes zweite Wort, das spart mindestens 50% an Lesezeit.

 

Zweikopf-Mutanten   Zweikopf-Mutanten-Blog

 

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