2. Chance im Second Life

Oktober 31, 2008

Der Traum vom Fliegen ist wahr geworden, die Schwerkraft ist überwunden und vogelgleich kommt man dem Himmel so nah. Nein, keine Nahtoderfahrung, sondern virtuelle Realität in der größten 3D Chatwelt „Second Life“, die es ungefähr seit 2002 gibt und 2007 ihren ersten großen Boom erlebte, einer Zeit, als sich täglich Avatare von der Bewohnerzahl deutscher Kreisstädte anmeldeten. Auch wenn der Run auf eine zweite Identität mittlerweile nachgelassen hat, wächst und gedeiht diese einst als Hort für Pädophile und Zocker geschmähte Plattform, erfreut sich kreativer Einwohner und Reisender, die es im echten Leben kaum vor die Tür schaffen, weil sich Alltag und Urlaub ausschließen. Wer nun Kinderpornografie oder Pokerstuben sucht, muss sich entweder einen russischen Provider suchen, das Frankfurter Bahnhofsviertel durchstreifen oder seine Stütze in rauchigen Hinterzimmern übel beleumundeter Kneipen durchbringen. SL ist erwachsen geworden und bietet neben exquisitem Escort Service auch jede andere Form von Infotainment in 16 Mio Farben und 3D. Kaum eine Firma, die nicht den Ausflug in das dreidimensionale Internet der Zukunft wagte oder noch immer wagt. Zusätzlich zu Millionen von Privatpersonen, die sich ihren Traum einer eigenen Existenz, Selbständigkeit, Kreativität oder schlichter Unterhaltung über alle Ländergrenzen hinweg verwirklichen. Ob man seinen eigenen Nachtclub, eine Galerie, eine Formel 1 Rennstrecke oder eine Ferieninsel mit Appartementvermietung kreiert oder nur als staatenloser Vagabund seine Freizeit auf unzähligen sog. SIMs (Inseln) verbringt, ist egal. Es sind Fantasie, Kreativität und Originalität keine Grenzen gesetzt. Wer sich zusätzlich ein wenig in Programmierung, Scripting oder Grafikdesign auskennt, kann sogar gute Geschäfte in Second Life machen, die sich Dank eines realen Umtauschkurses auch in echter Währung ausdrücken lassen. War einst die eigene Webpage Statussymbol, ist heute das eigene Grundstück in einer Welt, die nicht nur Länge und Breite, sondern neben einer Tiefe auch Jahreszeiten, Wetter und Sonnenuntergänge kennt, state of the art.

Wen wundert es da, wenn sich Berichte aus dieser Welt wie Abenteuerreisen, Paradiesbeschreibungen oder schlichte Wirtschaftsnews lesen. Mehr davon unter der heutigen, noch zweidimensionalen Blogempfehlung, auf der sich diverse Links in das, vielleicht bald Dein zweites Leben finden lassen.

 

SL Blog

 

artwork

 

Super Nice me!

Oktober 28, 2008

Heute schon gebetet? Verschwendete Zeit, denn der Gegenbeweis zur moralischen Instanz „Gott“ ist erbracht, zumindest in dem Versuch, dem Glauben Wissen gegenüber zu stellen oder etwas, was sich ungefähr so anfühlt. Geschafft haben das zwei jungdynamisch sympathische Großschnauzen, die mit viel Humor und etwas weniger Sensibilität dem Gläubigen den Gebetsteppich wegziehen und sagen: Nutze dein Leben, denn danach wird’s finster. Doch so viel Chuzpe bleibt nicht ohne Auswirkung auch auf andere Wissensbereiche, wie zum Beispiel Titten oder den Nacktscanner von Jamba, die größte Verarschung seit es Klingeltonwerbung gibt. Die vermutlich letzten Retter des Abendlandes Dr. Nice und Dr. Super bloggen gegen den Stumpfsinn in der Welt und propagieren die Zuwendung zu den wirklich essentiellen Dingen unserer Zeit, nämlich Skandale, Pussys, Promis, Titten, Muschis, aber auch – wenn noch Zeit bleibt – Politik, Forschung, Sex und nackter Mord im Ghetto. Wen das verwirrt, ist in guter Gesellschaft und wird dennoch super nice auf der heutigen Blogempfehlung unterhalten. Sich dabei klein, schwach und ungebildet zu fühlen, ist keine Schande, sondern die Folge natürlicher Auslese, die die Herren Nice und Super privilegiert hat, uns den Weg des Irdischen zu weisen und Gott auf den Boden der Tatsachen zurück zu holen. Damit schließt sich der Kreis zum oben zitierten Gottesgegenbeweis über sexuelle Randgruppen hin zur Aufklärung und Entzauberung mythologischen Sektierens, das uns vor Onanie und Beischlaf mit der Ische des besten Freundes warnt. Doch ohne Handarbeit bleiben Schwänze klein und laufen so Gefahr, der Small Penis Humiliation (SPH) Bewegung zum Opfer zu fallen, einer Randgruppe, der sich die Dres. Nice und Super ebenso gern annahmen wie den anderen Minderheiten, seien es Moslems, Adolf Hitler oder der Papst. Für die weniger lesende Zunft der Blogklicker genügen sich wunderbare Tittenbilder. Drum sei super nice und besuche den hier verlinkten Blog in jeder freien Minute, die deinem gottlosen Leben bleibt.

 

nackte Politik   Super Nice Blog

 

artwork

 

auf die Spritze getrieben

Oktober 25, 2008

Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann? Dieser Spruch aus Kindertagen bekommt anlässlich der Ereignisse in Amerika eine ganz neue Bedeutung. Allerdings sollte man sich eher fragen, wovor der Schwarze Mann Angst hat angesichts der düsteren Wirtschafts- und Finanzsituation in der Welt und mordlüsterner Islamisten in staubigen Berghöhlen. Ja, man kann sich vor so vielem fürchten und den Kopf in den Sand stecken, kann sich – nach amerikanischem Verfassungszusatz – eine Pistole unters Kopfkissen legen oder sein Geld in selbiges packen, fürchtet man um die Zahlungsunfähigkeit der Banken. Doch oft sind die Ängste weit alltäglicher und beginnen am Morgen, wenn man den Schlüssel nicht findet und fürchtet, zu spät zur Arbeit zu kommen oder man findet ihn und kommt zu früh, um zu erfahren, dass die immer angehimmelte Kollegin sich vor Dienstbeginn erstmal von Ihrem Chef über den Schreibtisch legen lässt. Dann sind dort auch noch die iiih-Phobien, seien es Spinnen, Schlangen, Geschlechtsorgane oder anderer eher an außerirdisches Leben erinnernder Biomüll. Nichts, was die Menschheit wirklich umtreibt, den einzelnen aber an den Rand der eigenen Belastungsgrenze führen kann. Ähnlich wie der Versuch, ohne Netz und doppelten Boden die Dachrinne seines 5 Etagenhauses zu richten, um festzustellen, dass einem bereits beim Steigen auf einen Stuhl der kalte Schweiß von der Stirn rinnt. Das ist Stoff für Alpträume und Therapiesitzungen, und nichts, was sich mit Medikamenten oder gar Spritzen behandeln ließe. Impfungen gehören vielmehr zu den Top-Phobien des Alltags. So bedeutend, dass dieser Angst sogar ein eigener Blog gewidmet ist, womit mal wieder bewiesen ist: Es gibt nichts, was es nicht gibt. Da werden müde Erwachsenenaugen wieder groß und die Kindheit präsent, der böse Onkel Doktor mit dieser gläsernen Folterkanüle erhebt sich drohend über dem schlotternden Patienten mit den Worten „jetzt kann’s kurz ein wenig pieken“. Und der gleißende Schmerz ist da, verteilt sich unter der Haut und schiebt sich die Arterien entlang ins Hirn, frisst sich dort fest und taucht phantomartig bei jedem Anblick dieser medizinischen Tortur in Film und Fernsehen wieder auf. Unerbittlich lässt er uns zusammenzucken und den Kopf wenden, lässt Metzger weich und lediglich Hypochonder glücklich werden. Ob nun staatliche Finanzspritzen für die leer gezockten Banken ähnliche Zustände hervorrufen, kann nur vermutet werden.

Spritzen Blog

artwork

Good morning, Jamie!

Oktober 22, 2008

Die mit schönsten Gründe für ein Internettagebuch gibt Felicitas auf ihrem lustig, launigen bilingualem Blog „Felis_Wor(l)d“.

 

If you wonder, what this blog is for and about, I can tell you this much: Nobody really knows and nobody really cares… It’s about daily things that just happen and come up in my mind. It’s about thoughts, about points of view, important and unimportant things…

words about the world

Perfect speaking und genau meine Meinung, denn Blogs waren eine gute Weile persönliche Tagebücher, in der die Welt mitlesen und manchmal auch kommentieren konnte. Heute blogt die Welt und persönliche Einträge verlaufen sich gelegentlich auf deren Guestbook. Nein, früher war nicht alles besser – außer vielleicht die Kindersendungen im Fernsehen -, aber ein Stückchen heile Welt erobert sich mein Herz, wenn ich Felis Geschichten lese und sie über den Großen Teich in ihre zweite Heimat Amerika begleite. Als Wandlerin zwischen den Sprachgrenzen beider Staaten sucht sie gelegentlich nach dem Platz, wo sie hingehört und vertraut Tagebuch und Leserschar ihre Sehnsüchte nach gutem Essen, Becks in NewYork, Kartoffelbrei bei Muttern und Mocca bei Starbucks an, verschweigt aber auch nicht, dass Hershey’s chocolate in Deutschland einfach nicht so schmeckt wie in den Weiten Virginias, shoppen aber auch außerhalb von Wal Mart & Co Spaß machen kann.

 

Felicitas ist eine 22 Jahre junge Düsseldorferin, die neben Kino und Fotos Menschen und Beziehungen liebt, Schokolade vergöttert und ohne Mobiltelefon nicht aus dem Haus geht. Wenn das dann auch noch in den Staaten steht, eine Haustür in Pink und einen Weißwein gefüllten Keller hat, fehlt dem Glück nur noch eines, nämlich Jamie Oliver’s Kochsendung zur besten Frühstückszeit auf CNN. Doch der Sender ist letztlich egal.

 

Felis Blog

 

artwork

Kolumnistenschwein

Oktober 19, 2008

Was kann man tun, wenn jedes weitere kritische Wort die Beziehung gefährdet, Kriege auslöst oder die Sonne verdunkelt? Man sagt es dennoch und nennt es Satire. Oder schreibt einen ganzen Blog davon voll, was die Titanic dennoch sinken lässt, aber wenigstens geht man mit einem Lachen unter. Das Internet ist voll mit netten Geschichten, launigen Verschwörungstheorien, heiteren Anekdoten oder bitteren Satiren. Unser Blogliterat der heutigen Empfehlung mag sich manchen dieser Schuhe anziehen, ob sie ihm passen, mögen die Leser entscheiden und hier kommentieren. Ich fühle mich blendend unterhalten und ausreichend mit boshaften Textpassagen versehen, um mich dem Rest der Menschheit oder wenigstens meiner Nachbarschaft gegenüber überlegen fühlen zu können. Der Sieg der Worte über die gute Laune der anderen steht schon in der Bibel, denn am Anfang war das Wort, zumindest in meiner Textausgabe. Doch nicht jedes sanfte Gemüt oder zarte Pflänzchen unter unseren Mitmenschen und Misanthropen verträgt die spitze Zunge zwischen den Zeilen, geschweige denn den ganzen zynischen Auswurf, der einem manchen Tag die Kehle hinauf steht und sich seinen Ausgang in verdutzte Gesichter und versteinerte Minen sucht. Hier heißt es die Balance zwischen feiner Ironie und schneidendem Sarkasmus zu finden, um zu unterhalten denn zu verletzen. Das gelingt dem Kolumnistenschwein unter den Rubriken „Stallordnung, Schlachtfrisch, Gegrunztes, Geräuchertes und dem Verweis auf andere Schweine mit und ohne Blog recht ordentlich. Echte Sauereien sucht man allerdings vergebens, vermisst sie aber unter der Autopsie alltäglicher Unzulänglichkeiten ebenso wenig, wie man sich die Schadenfreude über manchen gelungenen Zungenschlag im Kampf gegen Mittelmaß und schlechte Laune beim Lesen des Blogs verkneifen kann. Wer allerdings glaubte, Satire ist auf den Punkt gebrachte Boshaftigkeit, der irrt angesichts zeitintensiv langer Artikel des vorgestellten Bloggers, was da heißt, Zeit mitzubringen. Dann aber findet man – wie im richtigen Leben – manchen Trüffel, solange man nur genug Schwein dafür ist.

  Schweine Blog 

artwork

 

Allah dankt der RAF

Oktober 16, 2008

Deutschland 1970. Straßenschlachten, Polizeigewalt und Ausnahmezustände in den Hörsälen. Die Welt wird in Täter und Opfer aufgeteilt, der Krieg in den Köpfen der Nachkriegsgeneration ist im Leben vieler angekommen und sucht sich sein Ventil gegen die übermächtig empfundene Staats- und Wirtschaftsmacht, gegen Bürgertum und Leistungsdruck. Die freie Liebe in den Kommunen wich dem Pflastersteinregen der Antiimperalistsichen Zellen. Staatseinrichtungen flogen ebenso in die Luft, wie gepanzerte Limousinen oder Banktresore, alles für ein freies Deutschland, ein befreites Palästina und eine geeinte sozialistische Welt. Doch es kam anders, die RAF wanderte in die Selbstmordzellen oder die Isolation, Genossen tauchten im Nahen Osten oder der DDR unter oder beendeten ihr Studium, wurden Lehrer mit Berufsverbot, Juristen oder Politiker, womit sie letztlich mehr Schaden als mit jeder gezündeten Bombe in diesem Land anrichteten. Denn sie waren die Wegbereiter für eine vermeintlich offene Gesellschaft, an der sich heute Glaubenskriege entzünden und die abendländische Kultur einer der größten Gefahren für den Weltfrieden ausgesetzt ist, dem Islamismus. Träumten Baader, Ensslin und Meinhof noch in palästinensischen Trainingslagern von einem Sieg gegen Israel, findet der heutige Terrorist in Deutschland alles vor, was im Heiligen Krieg gegen die Ungläubigen nötig ist. Organisiert und aufgehetzt in Moscheen von der Größe des Petersdoms, finanziert von den staatlichen Zuwendungen und ausgebildet an deutschen Universitäten wachen die Schläfer auf, formieren sich und leiten eine neue Welle des Terrorismus ein, der flächenbrandartig die Welt erreicht und in einen Strudel von ideologisch geprägter Gewalt reißt, gegen den die nahende Weltwirtschaftskrise ein Sommerlüftchen sein dürfte. Sperrt eure Frauen weg, lasst die Kinder daheim und verbarrikadiert die Kirchen, die Apokalypse naht und zieht im Zeichen des Halbmondes herauf. Dank der 68er Generation, die ihre Kinder für ein Leben im fanatischen Mittelalter der Hassprediger geopfert hat.

Terror Blog

artwork

Die Steinlaus ist ein von Loriot in einem Sketch bei der Imitation von Bernhard Grzimek präsentiertes fiktives Nagetier. 1982 nahm das medizinische Wörterbuch Pschyrembel die Steinlaus als fingierten Lexikonartikel ins Nachschlagewerk auf. Seitdem ist die Steinlaus ein bekanntes Beispiel des wissenschaftlichen Witzes.

Quelle: www.wikipedia.de

 

Dieser Witz hat nunmehr auch seine eigene Internetpräsenz, neudeutsch Blog mit dem populärwissenschaftlichen Versuch, die Steinlaus in ihrer organischen Gesamtheit zu begreifen und in die Systematik von Flora und Fauna einzugruppieren. Bislang war bekannt, dass sich die Steinlaus als scheuer Nager von Silikaten, also von Steinen, ernährt. Gelegentlich werden auch Eisenträger nicht verschmäht. Dabei hat das geschlechtsreife Männchen einen Tagesbedarf von ca. 28 Kilogramm Beton und Ziegelsteinen, wohingegen ein trächtiges Weibchen nahezu die doppelte Menge verzehrt. Leider gelten diese possierlichen Nager und Wühler als vom Aussterben bedroht, Vorkommen konnten jedoch bei wissenschaftlichen Grabungen im Erdreich in 20 Metern Tiefe nachgewiesen werden. Neue Forschungen haben aber Erstaunliches zu Tage geführt, was letztlich auch den Eintrag in des medizinische Wörterbuch, den Pschyrembel rechtfertigte. So wurde beispielsweise die Unterteilung der gemeinen Steinlaus in die Unterarten der Gallenstein- und Nierensteinlaus bekannt. Aber auch die Ähnlichkeit zum Namensgeber und von 1931 bis 1982 verantwortlichem Redakteur des Wörterbuches, Herrn Willibald Pschyrembel soll zur Aufnahme geführt haben.

 

Heute zeichnet die Steinlaus für eine Vielzahl bislang unbekannter wissenschaftlicher Phänomene oder praktische Lösungen alltäglicher Problemlagen verantwortlich.

 

Entwicklern aus der Automobilindustrie soll es gelungen sein, durch den Einsatz von Steinläusen den sogenannten Steinschlag ein Schnippchen zu schlagen. Die robusten Nager werden in einem winzigen Nistkästchen nahe den Spritzwasserdüsen angesiedelt. Von hier aus krabbeln die Steinläuse los und verteilen sich währen der Fahrt auf der gesamten Windschutzscheibe, sobald die Geschwindigkeit mehr als 50 km/h beträgt.

Quelle: www.diesteinlaus.wordpress.com

 

Diese und andere Kuriositäten finden sich in der heutigen wissenschaftlichen Blogempfehlung, einem Forum Berufener, die sich um die Sache der Wissenschaft im Allgemeinen und der Steinlaus im Besonderen verdient gemacht haben. Zu nennen sind neben dem Altvater von Humor und Steinlaus Vicco von Bülow (Loriot) auch Joachim W. Dudenhausen, Vince Ebert sowie Dr. med. Eckart von Hirschhausen, der bereits durch andere ausgewogen humorvolle Veröffentlichungen in Wissenschaftskreisen auffiel.

 

Steinlaus Blog

 

artwork

 

Schöner die Glocken nie klingen und das seit Ende August. Weihnachten steht vor der Tür eines höchst herrschaftlichen Hauses, in dem der Gang zum Kamin und reichgeschmückten Tannenbaum fast 4 Monate dauert. Der falsche Hase vom Osterfest wird durch Lebkuchen und anderes Festgebäck in den Auslagen der Supermärkte ersetzt, wo sommerlich gekleidete Menschen munter ihre Grundversorgung sichern. Doch wo bleiben die Weihnachtsmärkte in der Nähe der Badeseen? Noch verstecken sich diese ab Mitte September in Möbelhäusern oder bei Fabrikverkäufen im Erzgebirge. Das wäre nur konsequent, kauft man doch auch seine Pudelmütze im Sommer, um beim ersten Schneefall nicht auf das Badebekleidungsangebot beschränkt zu sein. So hat man auch ausreichend Zeit, die hektische Betriebsamkeit der Dezemberwochen auf mehrere Monate auszudehnen, um am Vormittag des Heiligabend unruhig durch völlig überfüllte Innenstädte zu irren auf der Suche nach einem hübschen Strohhut oder bunter Badematte. Kein anderes Ereignis lässt die Relativität der Zeit deutlicher erkennen, denn Christstollen im August ist relativ früh, doch Weihnachten selbst kommt dann doch immer relativ überraschend, mit der Folge, dass die lieblos zusammen gerafften last-minute-Geschenke kaum als Überraschung taugen. Zumindest das Geschenkpapier ist originell, nachdem sämtliche Weihnachtsmotive für die unterjährigen Geburtstage der Lieben aufgebraucht wurden. Auch das Singen unterm Baum wird zur Qual der Wahl, hat man doch die aktuellen Wiesnhits des letzten Oktoberfestbesuches noch im Ohr oder übt bereits für die anstehende Karnevalsaison. In Zeiten des Klimawandels ist die Verbindung Weihnachten gleich Schnee gleich Winter und stille Zeit brüchig geworden und lässt eine Ahnung aufkommen, wie man das Fest der Liebe in Ländern südlich des Äquators begeht, wenn es heißt, die Palme ist geschmückt. Allerdings wird bei diesen sich ändernden Festgewohnheiten der Beruf des Santa Claus zum Volltimejob und Risiko, denn nur besonders robuste Naturen ertragen Wintermantel und Rauschebart bei 30 Grad über Null. So sah man Rentiere schon mit hängender Zunge vor Gummiboote gespannte durch Badeseen schwimmen, während der Weihnachtsmann mit dem Surfbrett die Geschenke brachte.

   Weihnachts Blog

artwork

Hurra, wir sind pleite

Oktober 7, 2008

Frau Merkel bürgt für die Spareinlagen der Deutschen. Kein Wunder, dass Politiker als überbezahlt gelten, doch das dürfte selbst das Fass ohne Boden sprengen, aus dem unsere Volksvertreter üblicherweise ihre Rechnungen zahlen. Dabei ist es einfach, mit den Steuermilliarden anzugeben und diese zur Stopfung befürchteter Finanzausfälle anzubieten. Denn mit fremdem Geld zahlt sich es bekanntlich am leichtesten. Wir zahlen dann mit unseren Steuern unsere Spareinlagen zurück, das klingt bescheuert, ist es wohl auch, denn die dann fehlenden Steuerbeträge werden nachgedruckt und das gute alte Geld ordentlich entwertet. Wer aber hat etwas von entwertetem Geld? Der der Schulden hat und wer ist da einsamer König? Der Deutsche Staat. Da schließt sich der Kreis und die Verschwörung ist perfekt. Der Staat schaut den Banken beim Verzocken unserer Notgroschen zu, springt den verschreckten Aktionären mit unseren Steuergroschen bei und verringert damit den Wert der zu schützenden Spareinlagen, die Inflation galoppiert und die Staatsschulden zerrinnen wie Goldstaub zwischen den Fingern. Was neuer Markt und Euro nicht schafften, geht in der aktuell herbei geredeten Finanzkrise fast von selbst, die Überführung der Sparerbillionen ins Staatsvermögen oder anders ausgedrückt, verliert der Bürger, gewinnt der Staat. Die Weltwirtschaftskrise Anfang der 20er Jahre beweist: Geschichte wiederholt sich und mit ihr Rezession, Insolvenzen, Inflation, Massenarbeitslosigkeit und Schwarzmarkt. Heute schon Butter für morgen kaufen und Zigaretten bunkern. Wer Verwandte in den USA hat, kann auf Schokolade und Nylonstrümpfe hoffen, der Rest muss beten, einen Bauer in der Familie zu haben. Der Trend zur Selbstversorgung wird kommen und die Grünen unerwartet bestätigt werden, denn wenn die Märkte brechen, ist die Zeit des Agrarstaates gekommen, mit oder ohne Gen-Mais. Die Renten waren sicher, die Spareinlagen sind es nun und die, die sich bald die Hände reiben, sind auch schon bekannt. Es sind die, die nach dem totalen Zusammenbruch das neue Wirtschaftswunder ausrufen, soziale Errungenschafften für überholt erklären und sich auf neue Schuldenmilliarden freuen. Irgendeine Branche wird sich schon wieder finden, den Kollaps zu verursachen und dann zeigt sich abermals: Wer vorsorgt hat das Nachsehen.

 

Finanz Blog

 

artwork

 

Frauen sind charmant, bezaubernd, unersetzlich und manch anderes, solange man keine hat. Hockt sie einem erst auf der Bude, dekoriert die einst ZEN buddhistische strenge Kahlheit der Zimmer, sortiert die DVD Sammlung nach Farben der Rückencover und stellt das Buchregal mit Ildiko von Kürthy Schwarten voll, bleibt nur noch eines übrig: Kopfschütteln. Da ist noch kein einziges Wort gewechselt, was das bedächtige Schwenken der männlichen Denkzentrale zu einem HWS verursachenden Wirbeln beschleunigen würde. Ja, die Kunst, das Denken durch das Aussprechen der Gedanken zu imitieren, klappt meistens solange, so lange es der männliche Partner schafft, den Redeschwall zu ignorieren. Erhöhen sich Frequenz und damit unweigerlich Tonhöhe und Dringlichkeit des Verlautbarten fällt auch die letzte Festung innerer Ruhe und der Kampf um das Gesprochene und Gemeinte, das Erinnerte und Vergessene oder schlicht die Bodenhoheit im Leben des anderen beginnt. Wer sich 400 Folgen Loriot sparen möchte, braucht sich nur eine Freundin anzuschaffen und ihr den eigenen Wohnungsschlüssel zu geben. Dann ist die Kindheit wirklich vorüber und der Ernst des Lebens beginnt. Der Vorteil, Büroarbeit in einem Einzelzimmer plötzlich ausreichend unterhaltsam zu finden, zerrinnt mit jeder Minute, die man versäumt, Überstunden zu machen und heimkehrt. Meist in eine Wohnung, die man so nie gemietet hatte und auch nie bewohnen wollte. Wieso müssen Socken im Schrank liegen, wenn man sie vom Fußboden aus deutlich leichter anziehen kann? Auch ist das Einstellen von Milchprodukten in das Kühlschrankregal, wo einst Bierflaschen standen, ökonomisch fragwürdig. Bier ist teurer als rechtsdrehender probiotischer Magerjughurt, zumindest wenn man das Sixpack unterbringen möchte. Der Kampf um die Fernbedienung ist ein alter und nicht mehr zeitgemäßer Hut, da das Programm mittlerweile unterirdischer als ein Gespräch über den letzten Shoppingausflug der Holden ist. Doch die Teufelin lauert im Detail des täglichen Beziehungswahnsinns. Kein Nebensatz ist zu unbedeutend, als dass man(n) und frau ihn nicht missverstehen könnten und man Rosen krieg(t) statt Blumen mitzubringen. Äußerst beredte und anschauliche Beispiele liefert der beziehungsgeplagte Blogger der heutigen Linkempfehlung mit brillanter Beobachtungsgabe und reichlichem Wortwitz. Mit Nerven wie Drahtseilen lässt er uns teilhaben am täglichen Scharmützel um des Kaisers Bart oder der Prinzessin’s Erbse. Hier prallen die Welten logischer Nüchternheit und weiblicher Logik aufeinander und amüsieren den, der sich bislang als Single einsam fühlte. Für alle anderen mag es tröstlich sein, dass die Schmerzen an den Schläfen nicht vom Partnertalk, sondern vom Schütteln des Kopfes darüber kommen.

weiblicher Logik Blog

artwork