Home Improvement

August 7, 2008

Wer jemals einen original japanischen Flurschrank mit Hilfe der beiliegenden, ins Englische übersetzen Bedienungsanleitung versucht hat aufzubauen, weiß, wieso Japaner Tamagotschis erfunden haben. Die passen in die Hosentasche. „Die Einführung dem Gelenk in der Seite die Tür bitte.“ Ja, so kann man die Schrankwände sicher am Scharnier befestigen. Alternativ empfiehlt es sich, ein Meister in schlecht kopierter Piktogrammentzifferung zu sein, Archäologen sind da klar im Vorteil. Der angepriesene metallfreie und damit energetisch allen Feng Shui Ansprüchen genügende Schuh- und Wintermantelschrein wird nun dank einiger nicht mitgelieferter Nägel in Rückwand und Seitenteile zusammengehalten und führt japanische Steckkunst ad absurdum. Dafür sind die Holzmalereien auf der Vorderfront recht hübsch und sicher von indischen Kinderhänden in hoher Stückzahl fabriziert, doch von irgendwas müssen die ja auch leben. Handwerklich waren vermutlich Erstellung und Aufbau des Schrankes eine vergleichbare Herausforderung, allerdings spüre ich eher die Mühen tausendjähriger Schreinerkunst als denn deren Fähigkeiten in mir. Ob nun zweiter Bildungsweg oder Baumschule, die wahren Talente offenbaren sich im täglichen Tun oder, wie in meinem Fall, dem Lassen von praktischen Dingen, egal, ob es ein Verständnis für gelb-blaue Einrichtungsgegenstände eines schwedischen Möbellieferanten oder die Verhinderung eines atomaren Super-Gaus durch das Bedienen eines Donut-Automaten ist. Doof aber praktisch, das allein zählt. Deshalb haben in den Firmen auch die Hausmeister, und nicht oberste Militärs den Generalschlüssel. Das sollte uns zu denken geben. Weniger Gedanken sollte man sich hingegen über das Phänomen der wundersamen Kleinteilevermehrung machen, die jeder kennt, der jemals einen komplexen, das heißt aus mehr als 3 Teilen bestehenden Gegenstand auseinander und wieder zusammengebaut hat. Egal ob es der Roller der Freundin, die Kaffeemaschine der Kollegen oder die goldene Uhr des Ex-Erbonkels war, das Ganze muss mehr als die Summe seiner Teile sein, blieb doch in aller Regel mindestens eine Schraube übrig. Zumindest spart das den Gang ins heilige Mekka der do-ityourself Bewegung, dem Baumarkt. Dem Treiben dort sollte sich ein anderer Blog widmen, ich muss jetzt erstmal mit einem 5er Imbus die Spreizklemme an die Vertikalnut des 12 inch Gewindes anflanschen.

 

Handwerker Blog

 

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