Wissen macht Ah!
Juli 20, 2008
Der Bildungsstand in Deutschland senkt sich alljährlich wie der Turm zu Pisa, nur wird, wenn dieser fällt, kein Deutscher mehr klüger als ein Weißbrot sein, dafür herrscht dann Vollverpflegung. Während bis dahin das Land der Dichter und Denker zu Google-Jüngern und Weblogbetreibern verkommt, machen sich andere Sorgen und bloggen ebenfalls, wenn auch mit dem Niveau verlässlicher Halbbildung. Das sind vermutlich die wenigen, die bei Jauch und Pilawa Wissen, das die Welt nicht braucht, gegen Geld eintauschen und die Unwissenden vor den Mattscheiben bei Laune halten. Interessant auch das Gerücht, dass aus geheimen japanischen Staatslaboren Zahlenkombinationen verschwunden seien und nun unentdeckt und verschlüsselt als Ziffernketten durch Zeitschriften und Malblöcke geistern. Diese sind sehr ansteckend und veranlassen Menschen, die einst Kreuzworträtsler verachteten, Kind und Kegel im Stich zu lassen und sich mit Stift und Zahlenreihe ins Nichts ihrer Existenz zurückzuziehen. Sudoku heißt die neue Seuche und grassiert bereits unter Grundschülern, die sich mit selbiger als Handyspiel infizierten. Die Regierung plant nun eine Großoffensive gegen zu befürchtende Vernetzung von Gehirnbahnen durch das Üben logischer Zahlenspiele und schaltet die Landesministerien gleich im Kampf gegen Bildung und Niveau. Der Ruf nach Tamagotschis wird lauter und auch übermäßiges Trinken, Rauchen und Fernsehen wird empfohlen, um die Folgen von Sudoku zu bekämpfen. Ähnliches wurde bereits bei einem früheren Versuch, das geheime Lesen von Büchern zu verhindern, angewandt, doch die Wissenshungrigen tauchten unter und verzogen sich zum Lesen bei Taschenlampenlicht unter die Beckdecke. Doch die Zahl der unter solch unzumutbaren Umständen Gehaltener nimmt stetig ab und die Anzahl buntbebilderter Illustrierten mit maximal 20 redaktionellen Seiten zu. Entsprechend verschieben sich die Werte, und Fragen, wieso Strom aus der Wand kommt oder Wasser nicht die Wände auch hinauflaufen kann, bilden den Schwerpunkt heutiger Bildungssendungen oder mit SMS zu beantwortender Preisausschreiben für die Elite, die noch schreiben kann. Doch die letzte Bastion des einstigen Bildungsbürgertums versteckt sich im Elfenbeintum digitaler Bandbreiten und sendet einsam und in der Hoffnung auf eine fremde Intelligenz ihre Botschaften in die Einöde in den Köpfen der Menschen, die Mario Barth für den Bundespräsidenten halten.
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Wir haben aufgeatmet, als Sudoku zur Seuche wurde. Endlich wieder Rätseln statt Ballern. Aber irgendwann dauerte das zu lange, wurde eintönig. Auch das Gehirn ist ein Gewohnheitsmensch. Die Abwechslung fordert. Das 1000. Zahlenquadrat nicht mehr. Abwechslung ist gefragt. Das Gehirn verfolgt zu schnell eingespielte (Lösungs)Wege. Dabei haben zahlreiche Verlage versucht, neue Rätsel in die Welt zu drucken – leider mit wenig Erfolg. Wer trotzdem Abwechslung und damit echtes Training für den Kopf sucht, der schaut bei http://www.janko.at.
http://www.denkreich.com
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