Ohrwurm

Juni 2, 2008

Jonny Cash hat mit wenigen Noten und noch weniger Text im Kopf, aber Musik im Blut auch erst Klinken als Vertreter geputzt, bis ihm ein Tonstudio die Tür vor der Nase zuschlug. Nicht mit ihm, denn wenn er schon nicht besonders spielen konnte, musste er singen und das gelang ihm wohl ganz gut, zumindest kennt man mehr Lieder von ihm als Haushaltsartikel, die nach ihm als bestem Vertreter in Memphis, Tennessee benannt wären. Doch wie er, schwitzen auch heute noch Musiker Blut und Wasser auf manchem ihrer vielen Auftritte zwischen Großvaters 80. Geburtstag und der Echo-Verleihung. So funktioniert das Business. Im besten Fall klatschen ausreichend viele rhythmisch in die Hände und verschwenden Stunden täglicher Arbeit darauf, das nötige Kleingeld für glänzende Tonträger aufzutreiben oder downloaden in russischen Saugstuben ihre CD nach Wahl. Ersteres bezahlt Haus, Limousine und Freundin, oder auch zwei, Häuser natürlich. Letzteres zieht den Musiker aufs Niveau seiner Fans in die Mittellosigkeit herunter. Neben all den Klischees von Sex, Drugs und Rock’nRoll füllen eher muffige Tourbusse und fades Fertigessen den Tageslauf als wechselnde Beischlafgroupies in namenlosen Städten, verschwitzen Gardaroben oder stickigen Konzertsälen. Da sind doch gelegentliche Nummer 1 Hits in den TopTen der zwei Discotheken von Mecklenburg-Vorpommern neidlos gegönnt und ab und zu ein Blowjob von einem der örtlichen Pfadfinder wechselnden Geschlechts erst recht. Jeden Tag eine gute Tat. Ja für die eigene Überzeugung alles aufgeben und der Leidenschaft Opfer bringen, das können nur Vollblutkünstler oder Musiker ohne Schulabschluss. Anders sind die zahlreichen Castingsshows für die Band des Jahres, Jahrzehnts und Jahrhunderts oder für den geilsten Arsch auf der Bühne nicht zu erklären. Da singt nicht, wer zum Singen geschaffen wurde, sondern wer es schafft, die Jury am wenigsten zu quälen. Für den Rest verbleiben BigBrother, Schlag den Raab oder die Wagner Festspiele, dort aber in entsprechendem Abstand zur Bühne. Doch nicht alles, was im Radio endet, hat das auch verdient. Die Klinke medialer Information über Musik, Musiker und alles, was Töne von sich gibt, putzt unser heutiger Blog-Tipp und sagt Danke fürs (Feed)-Abo.

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