Girlpower
Mai 13, 2008
Erwachsen werden ist schwer, besonders für Männer ab 30, wenn die eigene Mutter fragt, wann der Herr Sohn endlich auszuziehen gedenkt und einen verstörten Blick erntet, als ob man ihm die Schultüte weggenommen hätte. Ja, Pubertierende reagieren manchmal unerwartet, egal ob 30jährige Männer oder 12jährige Mädchen. Bei letzteren allerdings ist es weniger die Schultüte als vielmehr die Reitbeteiligung oder der erste geklaute Lippenstift, ach nein, das war ja mit 9. Die erste Zigarette kam mit 10, der präpubertäre Vollrausch am gleichen Abend, der erste Kuss war da schon Geschichte und der Spender selbigen ist mittlerweile volljährig. Stubenarrest wird nur noch akzeptiert, wenn die beste Freundin ihren 15jährigen Bruder mitbringen darf und, weil sie eben die beste Freundin ist, selbst daheim bleibt, um ihren Eltern das Leben zur Hölle zu machen. Sina ist da keine Ausnahme, auch wenn sich deren geblogtes Leben vermutlich noch um Spaziergänge mit Nachbars Hund, Erdbeer- und Muttertage, Pickel und Gewichtsprobleme, Zahnspangen und Briefchen im Unterricht dreht und nichts, was Eltern schlaflose Nächte bereitet. Insoweit dürfte Sinas Blog eine Zeitreise in eine Welt sein, als Orangenhaut noch etwas mit Obst zu tun hatte und Geheimratsecken Orte zum Verstecken beim Eckstein-Spiel waren. Doch wie man bereits an dem weichgespülten Teenagersprachversuch des Blogs merkt, schreibt hier nicht eine 12jährige Göre, sondern deren literarische Mutterfigur, die mit Themen rund um knospende Brüste, zu knappe Kleidchen und durchheulte Nächte, weil ER sie auf dem Schulhof nicht angesehen hat, die eigene Kasse füllt und die Buchregale belgischer Männer, deren eigene Töchter bereits im Vorgarten begraben liegen.
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