Da stehen sie, die Herren mit rotem Schal an dekolletierter Dame, deren kleiner Hund in der Handtasche klemmt. Schade, dass die Töle draußen an der Gardarobe hängt, sonst wäre das Trio Infernale perfekt und die Unterhaltung im wahrsten Sinne auf den Hund gekommen. Was kann das Gemälde dafür, dass jeder sich ungefragt davor platzieren kann, dem wirklich Interessierten die Sicht nimmt und schwitzend dem Verfall der obersten Ölfarbschicht Vorschub leistet. Doch Kunst um ihrer selbst willen gibt es nicht, kann es nicht geben, denn Kunst ist das, was der Betrachter daraus macht. Es ist wie mit dem umfallenden Baum im Wald, dessen Aufschlag erst hörbar wird, wenn ein Hörender anwesend ist. ZEN im Zeichen der Leinwand und so prickelnd wie ein handwarmes Sektglas auf einer Vernissage. So erdulden Künstler und Kunstliebhaber den unvermeidlichen Auftritt gelangweilter Selbstdarsteller mit Escortmädchen, gleich Fliegen am noch warmen Nachweis, dass es auf der Wiese Kühe gibt. Mit Fingerfood und Antipasti-Schnittchen auf Du und Du mit zwei Quadratmetern bemalter Zimmertür und quälender Halbbildung über die Moderne im Allgemeinen und das Abstrakte im Besonderen. Mandelaugen schauen bewundernd auf und zählen im Kopf bereits die Stundensätze für diesen Begleitservice zusammen, Trinkgeld inbegriffen. Und man kennt sich, Mundspray hier und Bussi dort, dem alten Attaché nebst Gattin die Hand geschüttelt, sich in Richtung Stadtrat verbeugt und der Kellnerin auf den Hintern gestarrt, zum Draufklopfen sind die Reflexe beim Ausweichen der Antwort zu langsam geworden. Ja, so feiert man die Geburt einer neue Stilrichtung oder am besten sich selbst, denn der typische Vernissagenbesucher weiß in aller Regel nicht, ob er die nächste noch erleben wird. Da bilden sich gegen den Trend vor den Herrentoiletten die Schlangen, denn neben Trüffel, Kaviar und Allgäuer Mettwurst war für Prostata Mittel kein Platz mehr. Etwas abseits und bereits mit Hut und Mantel steht der Künstler und wartet, dass der am Eingang geparkte Porsche Cayenne von seinem Fahrrad herunter fährt, denn wo sonst 5 Räder stehen, passt auch ein Auto von der Größe einer japanischen Singlewohnung hin. Dessen Besitzer hat gerade eines der Bilder erworben. Mache sich gut zum 90. Geburtstag der Erbtante, denn die sei nicht mehr ganz bei sich und wird sich an dem Geschmier nicht stören.

Kunst Blog

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Gefängnisblues

Mai 28, 2008

Um 5 Uhr früh kamen sie, ohne großes Sirenengeheul, einfach vorgefahren, zweimal klingeln, Handschellen und der Haftbefehl auf rosa Papier, das Ticket zu einer neuen Zukunft mit geregeltem Tagesablauf und drei Mahlzeiten am Tag, paradiesisch. Etwas lästig das Aufnahmeritual rund um das „ausziehen, duschen, bücken – Drogentest“, aber dann gibt’s frisch gewaschene Einheitskleidung, es herrscht Dresscode und ein paar warme Worte über das künftige Geben und Nehmen, das heißt, dir wird alles genommen, was du geben kannst. Willkommen im Knast. 6 Uhr wecken, kleine Runde im Hof, Freunde treffen, Schutzgeld zahlen und dann Frühstück. Schwarzbrot, Streichfett und Marmelade aus Pappkübeln, Ferienlagerfeeling. Die Exekutive hält den restlichen Vormittag Hof. Frage nach einem Wörterbuch, Deutsch ist hier Glücksache, doch den Bücherausweis für die Hausbibliothek gibt’s erst mit der Vollmitgliedschaft, doch der Richter ist auf Radeltour in Mecklenburg-Vorpommern. Mittag könnte besser sein, italienisches 4 Sterne Niveau, aber zum Überleben reichts, nur Wein zu pappigen Pasta an Nichts wäre nett gewesen. Anschließend Stippvisite auf der Krankenstation, die Gabel muss wieder aus der Rippe raus, hatte sich beim Stolpern über ein ausgestrecktes Bein des ostanatolisch schauenden Kollegen in meine obere Bauchseite verirrt, kann ja mal passieren. Narkose gibt’s nur Mittwoch, muss ich mir merken, wenn mich der Ostanatole das nächste Mal um meinen Nachtisch bittet. Nachmittag frei, dann Hof- und Stuhlgang, bisschen Straßenkampf im Zellentrakt und Vollkorn mit Mettwurst, alternativ Hartkäse zum Abend, es lebe die Abwechslung. Danach Einschluss und Licht bis 22 Uhr. Der nächtliche Alarm bleibt aus, endlich wieder durchschlafen, da fehlt es an nichts. Und ja, Männer schnarchen. Ob ich morgen den Zirkus noch mal mitmache, weiß ich noch nicht, in jedem Fall werde ich mich als erstes beim Koch erkundigen, ob es auch Semmeln gibt. Schwarzbrot zum Frühstück ist Folter.

Knast Blog

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Neulich als das Wetter noch weniger Thema als heute war und das Leben insgesamt spannender, ja neulich als die Schwalben tief flogen und das Wetter schlechter wurde, da dachte ich mir, wie es neulich doch noch so schön war und die Kinder draußen spielten. „Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft.” philosophierte schon Wilhelm von Humboldt, als dessen eigene fast vorüber war und er in das Alter kam, als nicht nur Früher alles besser war, sondern man sich das Heute nicht mehr merken konnte. Manchmal lohnt es jedoch, mit dem Gestrigen zu brechen, um unbeschwert ins Morgen gucken zu können und den Bauchschmerz von heute zu vergessen. Worte, wie Butterberge, gestern gebaut, heute von der europäischen Sonne beschienen und morgen ranzig auf dem Weg in die Dritte Welt, deren Zukunft bereits heute Vergangenheit ist. Da bleibe ich doch in der Früh lieber länger liegen als mich müde für ein Morgen hoch zu quälen, von dem ich gestern noch nicht einmal wusste, dass es dieses gibt und mich heute frage, ob es sich überhaupt lohnt. Die halbe Welt rennt einer besseren Zukunft hinterher und erreicht sie nie, denn das hat Zukunft so an sich, sie ist immer morgen, weshalb der Satz „Was du heute kannst besorgen, verschiebe nicht auf morgen.“ keinem ach so hellen Geist entsprungen sein dürfte. Hier halte ich es ähnlich wie mit dem um einen Tag versetzten Lesen der Tageszeitung, deren Nachrichten morgen größtenteils bereits überholt sind, was Auswahl und Lebenszeit spart. Drum lautet die Frage nicht „Was sollte ich endlich mal tun?“, sondern, „Was kann ich getrost liegenlassen?“. Damit entfällt auch das oft zwanghafte Führen von immer länger werdenden to-do-Listen, denn was ich sein lasse, kann ich auch vergessen. Wer sich dennoch erinnern möchte, schreibt einen Blog, so wie den Heutigen, den ich neulich auf dem Weg vom Gestern ins Morgen fand.

das Blogorakel

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Babyboom

Mai 23, 2008

Wer Single, weiblich und über 30 ist, sollte einen Platz auf dieser Erde dringend meiden, nämlich IKEA. Das ist kein Platz für alleinstehende Ex-Lebensabschnittpartnerinnen mit der irren Hoffnung, schlaflose Nächte infolge bauchwehgetriebenem Geschreis erdulden zu wollen. Denen verbleiben Großraumdiscotheken mit wechselndem GV. Dafür können diese Frauen sich regelmäßig bessere Regale als diese tröge Billyserie leisten, aber wozu, es gibt keine Bauklötzer, Legosteine, Malbücher oder Comicfiguren darin aufzubewahren. Wer dennoch nicht von Kindern lassen kann, dem sei ein Besuch in einem beliebigen Straßencafé, Biergarten, schicken Restaurant oder beim Allgemeinarzt empfohlen. Denn kaum hat man sich gemütlich niedergelassen, lässt fröhliches Babygeschrei einen Tisch weiter das eigene Weinglas zerspringen und die Sahnesoße zur Edelpasta sauer werden. Oder die Schmerzen im Knie weichen denen blutender Ohren, ganz nach Ort und Zeit. Und sollte besagte Singlefrau aus Zeile 1 die graue Weltschmerzzeit von November bis April ohne ernste Brückensprungpläne überstanden haben, erreicht sie beim Spaziergang im ersten Sonnenstrahl des Jahres der nächste Tiefschlag. Schwangere, wohin sie schaut. Keine Bank im Park, die nicht von mindestens zwei Personen bevölkert ist, seien es junge Paare oder werdende Mütter mit Kuhaugen und Jogginghose. Was muss das Wetter im Herbst schlecht gewesen sein oder die Ehen fad, wenn der Ruf nach einem Stammhalter gleich von der halben Nation erhört wurde. Die andere Hälfte hat entweder die schlaflosen Nächte schon hinter sich, tut alles dafür, dieses gar nicht erst erleben zu müssen oder annonciert unter „Frühlingsblume sucht Biene“. Liebe hormongeschüttelte Frauen, Großfamilien werden überschätzt und alleinerziehende Kinder haben es schwerer als andere, sofern es andere noch gibt. So dankt, dass ihr noch jeden Sonntag zu Muttern und Kaffee mit Wäschekorb und Blumenstrauß reisen dürft und von Besuchen dieser Art selbst verschont bleibt. Für den Rest gibt’s den heutigen:

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Dass die Schweizer ein wunderliches Volk sind und das Hustenbonbon, die Schokolade sowie das Bankgeheimnis erfunden haben, ist bekannt. Neu und überraschend ist, dass in der Schweiz Humor gesichtet wurde. Nicht zwischen zwei Berggipfeln oder am Boden des Genfer Sees, auch nicht bei grünen Männchen in Interlaken oder in Züricher Geschnetzeltem, nein ganz unspektakulär im heutigen Netzfundstück, der Lupe - dem Satire Blog. Schlagfertig opfern dessen Macher die Neutralität der Schweiz und nehmen neben Vaterland und Muttertag auch die geliebten Nachbarn, Nazis und die Rechtschreibschwäche im Allgemeinen sowie aktuelle Schweinestaaten (Burma) im Besonderen ins Visier. Nadelstiche gegen die Einsamkeit auf saftigen Wiesen bis das Kuhauge tränt und Luis Trenker sein Nachbar sich schmunzelnd die Bartspitze hinters Ohr schiebt. Das schafft Identifikation mit der Schweizer Seele und bleibt Beispiel für die in Sachen Humor noch etwas unterbelichteten Deutschen oder die Japaner. Letztere haben das Stadium gepflegter Unterhaltung bereits hinter sich gelassen und dienen seitdem als mahnendes Fanal für den Schritt zu weit auf dem schmalen Grat guter Unterhaltung. Wem das bislang verborgen blieb, sollte sich mal Gameshows aus dem Land des Lächelns ansehen und lernen, wie aus diesem Grinsen im Gesicht der Zuschauer wird. Galt Deutschland bis vor kurzem noch als Heimat der Schadenfreude, haben die Japaner uns diesen Ruf erfolgreich streitig gemacht. Gut, dass die Schweizer den Deutschen nun die Möglichkeit geben, sich das verkaufte Lächeln zurückzuholen und lachend aus dem Keller wieder ans Tageslicht herauszufinden.

Satire Blog

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Ob Nacktbild oder Völkermord
heut Titelblatt und morgen fort,
doch erinnert bleibt so manch Bonmot
als gern geles’nes Feuilleton.

Heute mal wieder etwas mit Niveau nach dem Bodensatz von vor 2 Tagen, aber Internet ist wie Fernsehen, die Klugen werden klüger und die Dummen dümmer, deshalb ist bei mir auch mal für jeden etwas dabei. Wer lesen kann, ist bei der heutigen Blogempfehlung klar im Vorteil, besser noch, wer lesen liebt. „Der Umblätterer“, dargebracht vom Consortium Feuilletonorum Insaniaeque ist eine kleine dezente Nische im sonst knallbunten Kindergarten des medialen Blätterwaldes. Hier treffen Zeitungsleser auf Journalisten und sagen denen, was sie gern gelesen hätten, da macht umblättern Spaß. Aber nicht die tägliche Schlagzeile interessiert, sondern die heimliche Königin der Rubriken, das Feuilleton. Neben Anekdoten und Bonmots aus der Welt von Bleisatz und Druckerschwärze erspart ein Jahresrückblick der nominierten besten zehn deutschen Feuilletons ein knappes Dutzend Abonnements und manche Kinokarte, denn für Freunde des Zelluloids findet sich eine gleichsam prägnante Filmkritikrubrik, deren Kürze das Geheimnis der Information ist. Eine Handvoll lesewütiger Zeitungsjunkies buhlt um die mediale Mithilfe bei der Auswahl des Hotspots auf Seite 1 am Ende eines jeden Jahres. Hier zählen neben geschliffener Satire oder investigativem Scharfsinn in erster Linie die Höchstzahl der eingegangen Stimmen bis es heißt: Germany twelve points. In aller Regel setzt sich so Qualität durch, und das Ergebnis literarischer Fertigkeit vermag zu unterhalten, zu bilden oder zu beschämen, wenn man selbst einmal versuchte, auf wenigen Zeilen dem Zeitgeist den eigenen Stempel aufzudrücken.

Feuilleton Blog

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Sex sells

Mai 17, 2008

Hunde, die bellen, beißen nicht, heißt es. Männer, die über Sex reden, haben keinen, vermutet man. Ein Blog, der übers Vögeln, Ficken, Poppen, Pimpern, Bumsen, Rammeln, Treiben oder Kopulieren schreibt, hat den größten Traffic. So sind die Regeln und die Welt spielt mit. Sex sells und alles, was den nackten Körper in Yoga ähnlichen Verrenkungen und Großaufnahmen zeigt, schafft es aufs Treppchen der meistgeklickten Seiten im ursprünglich als Daten- und Wissensaustauschplattform konzipierten Internets. Cern als Brutstätte internationaler Wolllust? Unvorstellbar, doch nicht unmöglich, immerhin vereinigen sich dort mit lautem Getöse Teilchen zu einem gigantischen Orgasmus, dem zahlreiche Subelemente, Quarks und Isotope entspringen. Wunsch- und Kellerkinder. Das ist Sex in Potenz und die Wurzel allen Lebens, ein Teilchenbeschleuniger als längster Phallus der Welt, bei dem sich der Kopf in den Schwanz beißt. Fellatio als physikalisches Prinzip und Wegbereiter für all die vielen Seiten mit den bunten Bildchen leicht bekleideter Mädchen, die im Rausch des Körpersäfteaustausches Viagra überflüssig machen. Zuschauen erwünscht, mitmachen erbeten, gezahlt wird per Kreditkarte. Kommunikation unter dem nickname „prallesRohr35“ auf der Suche nach der schnellen Nummer auf dem Highway von Lust, Frust und Analverkehr. Getippte Schandtaten bis Ejakulat die Tastatur verklebt und der Morgen graut, Bartstoppeln sprießen und die bessere Hälfte sich allein und unruhig im gemeinsamen Bett herumwälzt. Es wird Zeit, verfängliche Chats zu löschen, verbotene Downloads zu sichern und den PC runter zu fahren. Mach das Licht aus Wilfried, genug virtuelle Möse gestreichelt und Palme gewedelt, lass die Nation schlafen gehen und gönn dir eine Pause vom geblogten Wichsen.

dirty Blog

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s. aber auch den Rest vom Reisetagebuch “Tourismus 2.0

Wut im Bauch

Mai 15, 2008

Fragen Sie einmal einen Politiker, wo gegenwärtig der Regelsatz für HartzIV oder ALGII liegt. Kleine Hilfestellung, er ist niedriger als die aktuelle Diätenerhöhung des Befragten. Aber die Konjunktur ist nun auch bei der öffentlichen Hand angekommen und wird mit munteren 8% Lohnaufschlag für die dort Beschäftigten und 15% Gesamterhöhung für Mandatsträger willkommen geheißen. „Schluck aus der Pulle nehmen“, hat das unser Alt-Bundeskanzler Schröder noch zu Ministerpräsidentenzeiten des zweitärmsten Bundeslandes Niedersachsen genannt. Ganz im Sinne der Gewerkschaften, solange es keine entsprechenden Abschlüsse für deren Angestellten gibt, immerhin gelten sie und die Kirchen als schlechteste Arbeitgeber. Letztere können sich immerhin auf einen mittellosen Sandalenträger berufen, doch bei den Gewerkschaften kommen einem da Zweifel. Aber das ist nur eines von vielen Beispielen für ein Land, in dem Leistung bestraft und der Ruf nach Umverteilung immer lauter wird, bis irgendwann mal einem klugen Menschen auffällt, dass es ohne Leistungsträger auch nix zu verteilen gibt. Doch das ist Öl ins Feuer des heutigen Blogs, der gegen die Ungerechtigkeit unseres Sozialstaates anschreit und vor lauter Ohnmachtsgefühl gegenüber all der korrumpierten Politikermischpoke zum Generalstreik der Arbeitslosen und Sozialhilfeempfänger aufruft. Gebt dem Staat das Volk, das er verdient und organisiert euch, möchte man da zustimmend rufen und den (Pflaster)stein des Anstoßes werfen. Doch ob man sich damit im Einklang mit dem neuen europäischen Staatsvertrag als Trojanischem Gaul der gescheiterten Verfassung befindet, wage ich zu bezweifeln. Wissen kann das in Deutschland keiner, da unsere Regierung treu ihrer Fürsorgepflicht fürs Volk diesen ohne plebiszitäre Beteiligung abgeschlossen hat, wollte man die Bürger doch nicht überfordern (Zitat: Merkel, Bundeskanzlerin). 

Wut Blog

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Girlpower

Mai 13, 2008

Erwachsen werden ist schwer, besonders für Männer ab 30, wenn die eigene Mutter fragt, wann der Herr Sohn endlich auszuziehen gedenkt und einen verstörten Blick erntet, als ob man ihm die Schultüte weggenommen hätte. Ja, Pubertierende reagieren manchmal unerwartet, egal ob 30jährige Männer oder 12jährige Mädchen. Bei letzteren allerdings ist es weniger die Schultüte als vielmehr die Reitbeteiligung oder der erste geklaute Lippenstift, ach nein, das war ja mit 9. Die erste Zigarette kam mit 10, der präpubertäre Vollrausch am gleichen Abend, der erste Kuss war da schon Geschichte und der Spender selbigen ist mittlerweile volljährig. Stubenarrest wird nur noch akzeptiert, wenn die beste Freundin ihren 15jährigen Bruder mitbringen darf und, weil sie eben die beste Freundin ist, selbst daheim bleibt, um ihren Eltern das Leben zur Hölle zu machen. Sina ist da keine Ausnahme, auch wenn sich deren geblogtes Leben vermutlich noch um Spaziergänge mit Nachbars Hund, Erdbeer- und Muttertage, Pickel und Gewichtsprobleme, Zahnspangen und Briefchen im Unterricht dreht und nichts, was Eltern schlaflose Nächte bereitet. Insoweit dürfte Sinas Blog eine Zeitreise in eine Welt sein, als Orangenhaut noch etwas mit Obst zu tun hatte und Geheimratsecken Orte zum Verstecken beim Eckstein-Spiel waren. Doch wie man bereits an dem weichgespülten Teenagersprachversuch des Blogs merkt, schreibt hier nicht eine 12jährige Göre, sondern deren literarische Mutterfigur, die mit Themen rund um knospende Brüste, zu knappe Kleidchen und durchheulte Nächte, weil ER sie auf dem Schulhof nicht angesehen hat, die eigene Kasse füllt und die Buchregale belgischer Männer, deren eigene Töchter bereits im Vorgarten begraben liegen.

Sinas Welt

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Sind Sie männlich um die 40 und denken gelegentlich über Ihren Tod nach? Über das bisschen Elend, das Sie zum Schluss Ihres Dasein waren und die Erkenntnis, der Welt nichts zu hinterlassen als einen leeren Bürostuhl, der morgen wieder besetzt wird mit einem Mann, der noch 10 Jahre Zeit hat, über seinen Tod nachzudenken? Dann hoffe ich, liegt in Ihren schlaflosen Nächten eine Frau neben Ihnen, die es versteht, Sie auf andere Gedanken zu bringen….Anleitung hierzu gibt’s auf der heutigen Sammelseite für sinnfreie Unterhaltung und für Singles die 50 besten Namen von Pornofilmen, auch das soll vom Nachdenken über den Tod ablenken. Die Aufmerksamkeitsspanne, sich über die wesentlichen Dinge seines eigenen Lebens Gedanken zu machen, nimmt proportional zur Zunahme der bei youtube eingestellten Clips ab, wenn man schon keine Freunde hat, dank deren Emailverteilerlisten man täglich mit Nonsens bespamt wird. Die aufwachsenden Kinder auf Super 8 zu bannen war gestern, heute lädt man sich die Filme von Nachbarskindern hoch oder bestellt sich am Wochenende ein Mietkind, um günstiger ins Kino zu kommen, so man das Haus überhaupt noch verlässt. Fernreisen, um die Welt zu erleben? Wie sinnlos ist das, wenn zwei Clicks genügen, sich die Welt ins Wohnzimmer und vor die Pizzaschachtel zu holen. Waren Sie zB. schon mal in Japan? Japan ist eine Insel und wie es Inseln so an sich haben, damit ein wenig weiter vom Festland weg als andere Bevölkerungsgruppen, wie zum Beispiel die Österreicher. Aber während die dort Familienwerte hochhalten, wird in Japan Trash gesellschaftsfähig. Ein Beispiel hierfür findet sich hinter dem geposteten Bildstream, der mich davon abhält, über den eigenen Tod nachzudenken.

Sinnfreier Blog

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