Fenster zum Hof
April 16, 2008
Blog ist ein Tagebuch, ist ein Tagebuch, ist ein Tagebuch. Wieso kapiert das keiner und quält die Welt mit praktischen Informationen, aktuellen News und sachlichem Inhalt? Wir wollen Trash, wollen hinter die Vorstadtgardinen schauen und die uns unbekannten Kinder aufwachsen sehen. Jede neue Blüte am heimischen Handtuchgartenkirschbaum, jede frisch gestrickte Socke, Löcher in der Hose der Tochter und der Herzschmerz des Hundes, das will man in Blogs lesen und nicht, was Angele Merkel von der Welt im Allgemeinen und von Nicolas Sarkozy im Speziellen hält. Hier interessieren uns höchsten neue Bilder von Carla Bruni.
Anders im heutigen FrauLiebeBlog. In diesem medialen Handtascheninhalt wird man(n) noch fürs Surfen im Netz belohnt, da tobt das Leben und die Prioritäten sind richtig gesetzt. „Die braunen Stiefel sind nicht besonders Kindergartentauglich.” Den Pulitzer-Preis für diesen Satz und einen Kommentar, was frau damit meinen mag. Doch es klingt nach echtem Leben, nach Problemen, die zu lösen, ein Menschenleben überfordern, zumindest das eines Mannes. Nicht unerwähnt bleiben sollen all die bezaubernden Fotos aus dem Leben dieser Außerirdischen von nebenan, eine Sammlung wilder Alltagsromantik und mein Fenster zum Hof. Wer 1987 noch gegen die Volkszählung in Deutschland auf die Straße ging, lässt heute die Wohnungstür zum eigenen Leben sperrangelweit offen und lädt zu Selbstgebackenem, dessen Foto selbstverständlich geblogt wird, Diät hin oder her. Denn was oben rein geht, muss unten wieder raus und ist Teil liebenswerten Exhibitionismuses, der in einer einfachen Kinderzeichnung gipfelt:
“Geeske macht Kacka”.
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